Geheimwaffe «Südabitur»?

Geheimwaffe «Südabitur»?
In Bayern haben sich am Montag die Kultusminister aus fünf Bundesländern zu Verhandlungen getroffen: Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, um Antworten auf die Fragen zu suchen: Wie kann die Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse in den unterschiedlichen Bundesländern verbessert werden? Ist diese Vergleichbarkeit essentiell für eine höhere Bildungsgerechtigkeit?
von Markus Rüther
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Philologenverbände äußern Fundamentalkritik – Gymnasium: Opfer und Spielball der Politik
Dem Ziel, über die Einführung gemeinsamer Abituraufgaben in Mathematik und Deutsch einen Akzent zu setzen, der bundesweit ausstrahlt oder zumindest eine Debatte auslöst, kamen die Kultusminister ein Stück näher, wenn auch nicht so wie erwartet: Kaum wurde eine Expertengruppe zur Ausarbeitung eines Zeitplans eingesetzt, haben die Philologenverbände der fünf Länder eine Rückbesinnung auf klare Leistungs- und Qualitätsorientierung am Gymnasium gefordert und vor faulen Kompromissen gewarnt.
Die Vorsitzenden der Landesverbände äußerten sich im Hinblick auf das geplante «Südabitur» mit ablehnender Skepsis. Einheitliche Abituraufgaben könnten nur dann die Vergleichbarkeit verbessern, wenn sichergestellt werde, dass sie in jedem Bundesland nach denselben Maßstäben bewertet werden könnten. Stattdessen zeige die Praxis, dass länderübergreifende Mindestanforderungen von Landesregierungen dazu genutzt werden, qualitative und quantitative Standards am Gymnasium zu senken. Das Quintett der Kritiker rät nicht nur, sich zunächst auf gemeinsame Standards zu einigen, sondern beklagt die kontinuierlich zurückgehende Qualität des gymnasialen Bildungsganges bei gleichzeitiger Nennung der Gründe:
  • Verkürzung des Gymnasiums ohne Bereitstellung der dafür erforderlichen personellen/materiellen Ressourcen bei fehlenden Konzepten;
  • forcierte Erhöhung der Abiturientenquoten;
  • Personalknappheit;
  • Gehaltskürzungen bei gleichzeitigen Arbeitszeiterhöhungen;
  • Herabsetzung des fachlichen Niveaus für das Lehramtsstudium sowie die Verkürzung des Referendariats.

Jüngste Forschungen belegen: Eine das Wissen und Können betonende Orientierung der Schulpolitik kennt nur Gewinner.
Für die politisch Verantwortlichen spiele der Qualitätsaspekt keine entscheidende Rolle mehr; der Verfall des Gymnasiums als Bildungsanstalt Humboldtscher Prägung sei eine Folge wirtschaftlichen und politischen Opportunitätsdenkens und ideologischer Utopien. Dabei müsse die Politik zur Kenntnis nehmen, dass von einer Rückbesinnung auf klare Leistungs- und Qualitätsorientierungen am Gymnasium wie an anderen Schulen nicht nur Schüler und Lehrer profitierten, sondern ebenso die Eltern – und damit, wie aktuelle Studien von Wahlforschern belegen, in letzter Konsequenz auch die Regierungen selbst: Bessere Schulpolitik führt zu erhöhter Wählerzustimmung.

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