Am Himmel der Tag

Am Himmel der Tag
Pola Becks Spielfilmdebüt „Am Himmel der Tag“ handelt von der 25-jährigen Lara, die zwar bald ein Architekturstudium abschließen wird, aber eigentlich nicht weiß, was sie will. Mit ihrer Freundin Nora zieht sie durch die Nachtclubs, aber auch daran hat sie schon lange keinen Spaß mehr. Nach einer durchzechten Nacht wird Lara ungewollt schwanger. Obwohl ihre Mutter sie zu einer Abtreibung drängt, fühlt sie sich von der Art und Weise, wie sie in der Beratungsstelle behandelt wird, abgestoßen. Sie beginnt das Kind als Chance zu begreifen. .... + Interview mit der Regisseurin
Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Pola Schirin Beck
Darsteller: Aylin Tezel, Henrike von Kuick, Tómas Lemarquis, Godehard Giese, Marion Mitterhammer, Lutz Blochberger, Kai-Michael Müller, Lisa Altenpohl, Lisa Altenpohl, Eddie Irle
Land, Jahr: Deutschland 2012
Laufzeit: 88 Minuten
Genre: Drama
Publikum: Ältere Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: Szenen mit offenkundig erotisierender Absicht, Explizite sexuelle Szenen

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Mit dem Gefühl, das erste Mal für sich die richtige Entscheidung getroffen zu haben, entscheidet sich Lara für ihr Kind. Im sechsten Monat stirbt jedoch ihr Kind. Aus Angst, den gerade gefundenen Sinn ihres Lebens begraben zu müssen, behält Lara das tote Baby im Bauch und spielt ihrem Umfeld weiter die Schwangere vor.
Mit einer überzeugenden Aylin Tezel in der Hauptrolle, die widersprüchliche Empfindungen glaubwürdig darstellt, gelingt es Pola Beck, in ihrem Spielfilmdebüt einen differenziert- empfindsamen Einblick in die Gefühlswelt einer ungewollt schwanger gewordenen jungen Frau zu geben, die ja zu ihr Kind sagt und dessen Verlust aufarbeiten muss.
Interview mit Regisseurin Pola Beck

Für Ihr Spielfilmdebüt haben Sie ein außergewöhnlich schwieriges Sujet ausgewählt. Wie sind Sie darauf gekommen?

Pola Beck: Am Anfang stand eine Kurzgeschichte über Kinderwunsch und Lebensfragen vom Drehbuchautor Burkhardt Wunderlich. Später kam die ALIN-Filmproduktion dazu, die sich für den Stoff und für mich interessierte. Bei der Drehbuch-Entwicklung war uns Laras Liebesbeziehung zu ihrem Kind wichtig, weshalb sie das Kind erst im sechsten Monat verlieren sollte. Damit will ich natürlich nicht behaupten, dass eine Mutter zu ihrem Kind keine Beziehung von Anfang an entwickelt. Allerdings wächst diese Beziehung auch mit dem wachsenden Bauch. Dadurch hat der Film eine größere Fallhöhe, eine größere Dramatik. Ebenso bedeutsam war die Frage, was nun passiert, wenn einem jungen Menschen ein solcher Schicksalsschlag widerfährt. Wie kann er damit umgehen, ohne daran zu zerbrechen. Wie kann er daraus Kraft schöpfen, um zu sich selbst zu finden. Denn vorher ist Lara ziellos, sie lässt sich treiben.
Lara ist ja eine ganz normale, für ihre Generation typische Endzwanzigerin.

Pola Beck: Uns war es wichtig, das Lebensgefühl dieser jungen Frau einzufangen. Es ist ja gerade ein Kennzeichen unserer Generation, dass wir nicht so genau wissen, wie wir leben und sein wollen. Mir selbst erging es genauso vor ein paar Jahren. Ich hatte das Gefühl, ich komme nirgends an, bin überfordert von meinen Möglichkeiten. Dieser Film hat auch mir geholfen, mich selbst besser zu finden. Zwar ist diese Geschichte keine autobiografische Story, aber sowohl in der Hauptfigur als auch in der Konstellation mit der besten Freundin sind Erfahrungen eingegangen, die ich in ähnlicher Form gemacht habe.
Wie sich Lara und Nora zu Beginn verhalten, könnte aber den Zuschauer auf die falsche Fährte bringen, die beiden hätten ein lesbisches Verhältnis...

Pola Beck: Als wir den Film auf Festivals gezeigt haben, habe ich gemerkt, dass sich Menschen der älteren Generation darüber wundern. Dass sich diese Frauen betrunken küssen, bedeutet jedoch nicht, dass sie lesbisch sind. Dies gehört ebenfalls zum Lebensgefühl dieser Generation voller Möglichkeiten. Es ist ein Ausprobieren, eine Grenzüberschreitung, auch eine gewisse Provokation. Ich mag es, dass der Zuschauer denkt, dass der Film in eine bestimmte Richtung geht, ehe er eine ganz andere einschlägt.
Die Szene in der Beratungsstelle, als Lara noch unsicher ist, ob sie ihr Kind behalten will, erinnert an Jason Reitman „Juno“...
Pola Beck: Es haben mich zwar mehrere Leute darauf angesprochen, und ich mag diesen Film auch, aber „Juno“ spielte für „Am Himmel der Tag“ keine Rolle.
Vielleicht besteht die Parallele darin, dass es einfach authentisch wirkt. Jedenfalls sind sowohl Lara als auch Juno von der Art und Weise abgestoßen, wie sie dort behandelt werden.
Pola Beck: Ich wusste nicht mehr, dass es in „Juno“ eine solche Szene gibt. Für uns war diese Szene sehr wichtig. Lara merkt die Traurigkeit in dieser abgestumpften Frau, als sie versucht, etwas von ihr zu erfahren – ob sie Kinder hat. Und sie denkt sich: „So möchte ich nicht enden. Warum soll ich das Kind nicht bekommen?“. Die Antwort dieser Frau, es habe nicht gepasst, gibt Lara zu denken: Sie könnte ihr Leben verpassen, wenn sie zu lange überlegt. Deshalb entscheidet sie, sich dieser Herausforderung zu stellen. Denn sie kann nur etwas erreichen, wenn sie sich auf dieses Abenteuer einlässt. Endlich findet sich etwas, bei dem sie glaubt, das Richtige zu tun.
Wie auch andere Filme aus dem Genre zeigt auch Ihr Film Ultraschallbilder. Wahrscheinlich gehören sie einfach dazu, um die Einstellung der Schwangeren zum Kind zu verdeutlichen...
Pola Beck: Diese Szene hatte Burkhardt Wunderlich ziemlich früh geschrieben. Sie zeigt ja, dass es sich nicht nur um irgendeinen Fleck, sondern um ein Kind handelt. Denn man sieht seinen Herzschlag. Dies gibt Lara einen Bezug: Es ist nichts Abstraktes mehr. Gerade weil man solche Bilder von anderen Frauen kennt, sind sie auch etwas Aufregendes. Für werdende Eltern und ihr Umfeld.

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