Babys

Babys
Vier Neugeborene aus vier unterschiedlichen Kulturkreisen: Ponijao aus Namibia, Bayar aus der Mongolei, Mari aus Japan und Hattie aus den Vereinigten Staaten stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilmes „Babys“ von Thomas Balmès. Der französische Regisseur, selbst Vater von drei Kindern, begleitet sie etwa ein Jahr lang, von der teilweise schweren Geburt bis zu den ersten Schritten der neuen Erdbewohner.
Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Thomas Balmès
Darsteller (Mitwirkende): Mari, Bayarjargal, Hattie, Ponijao
Land, Jahr: Frankreich 2009
Laufzeit: 79 Minuten
Genre: Dokumentarfilm
Publikum: alle (FSK: ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Die Kamera von Thomas Balmès beobachtet die Kinder und ihre Umgebung immer aus der Nähe. In „Babys“ überwiegen die langen Einstellungen in Nahaufnahmen oder Halbtotalen im Gegensatz zu den Luftaufnahmen etwa eines Helikopters, so Balmès selbst. Zu den vor Drehbeginn festgelegten „Richtlinien“ gehörte es etwa, „dass wir uns die Zeit und Muße nehmen würden, um unsere Babys immer dann dabei zu ‚erwischen’, wenn sie etwas zum ersten Mal in ihrem Leben taten. Wir würden still und leise beobachten und darauf vertrauen, dass die Realität stark genug ist, um unser Projekt zu tragen.“ Dabei suchten sie die Familien so aus, dass sich die Geburten nicht gleichzeitig, sondern in gewissen Abständen ereigneten. Dadurch mussten die Babys nicht zur gleichen Zeit, sondern gleichsam hintereinander gefilmt werden.
Ohne Kommentar und ohne die bei Dokumentarfilmen üblichen Interviews übernimmt die Kamera eine lediglich beobachtende Position. Zwar zeigen die Bilder gerade durch diese beobachtende Haltung aus der Nähe eine große Intimität. Sie wirken jedoch in keinem Augenblick voyeuristisch. Ohne erkennbare Dramaturgie sorgt insbesondere der gerade in seiner Unaufdringlichkeit wirksame Schnitt von Craig Mackay und Reynald Bertrand zusammen mit den exquisiten Bildern für eine filmische Geschlossenheit, die „Babys“ zu einem kinotauglichen Dokumentarfilm macht.
Die mittels dieser klugen Montage aneinandergereihten, aber auch kontrastierenden Alltagsbilder verdeutlichen einerseits die unterschiedlichen Lebensbedingungen in der mongolischen Steppe und in der namibischen Wüste sowie in der modernen Umgebung in San Francisco und in der hoch technisierten Welt von Tokio. Auf der anderen Seite macht aber „Babys“ deutlich, dass die äußere Umgebung in einer Jurte oder in einem Hochhaus-Apartment für die Entwicklung der Kinder letztlich keine bedeutende Rolle spielt. „In meinen Augen ist es ein Film darüber, was es heißt, in der heutigen Zeit auf die Welt zu kommen“, fasst Thomas Balmès seinen Film zusammen.

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