Jetzt doch Jungen und Mädchen getrennt unterrichten?

Jetzt doch Jungen und Mädchen getrennt unterrichten?
Wer das gerade in Kraft getretene neue Schulgesetz für das Land Brandenburg aufmerksam gelesen hat, reibt sich erstaunt die Augen. Erst zum laufenden Schuljahr war das Gesetz durch eine Änderung des §7 Abs. 4 ausschließlich auf Koedukation festgelegt worden. Jetzt meldet DIE WELT vom 21.09. 07, dass es angesichts der offenkundigen Benachteiligungen von Jungen Überlegungen im Bildungsministerium gibt, zeitweilig Jungen und Mädchen im Unterricht zu trennen. SPD und Linkspartei begrüßen diesen Vorstoß. Hat jetzt das beantragte Jungengymnasium in Potsdam bessere Chancen?
Bericht zur Jungenförderung im Landtag vorgestellt

In Brandenburg zeigt sich die bundesweit festzustellende Benachteiligung von Jungen und die Feminisierung der Schule noch eklatanter. Mit dem Bericht liegen Zahlen vor, die die Politiker offensichtlich zum Handeln veranlassen:
- Von den Abiturienten in Brandenburg sind nur noch 42 % Jungen
- Unter den Sitzenbleibern sind die Jungen mit 63 % klar führend
- Zu 73,5 % stellen die Jungen die Schulabbrecher ohne Abschluss
Damit führt das Land Brandenburg bundesweit die Negativ-Statistik für Jungen an.
Wissenschaftliche Suche nach lange bekannten Gründen

Seit Jahren machen Bildungsexperten darauf aufmerksam, dass die Schule zu stark auf Mädchen und deren Interessen und Neigungen ausgerichtet ist. Bei der Suche nach Erklärungen stößt der Bericht zur Jungenförderung auch in Brandenburg auf die inzwischen nur zu bekannten Gründe:
- Wegen des hohen Anteils weiblicher Lehrer fehlen den Jungen männliche Identifikationspersonen, die sie oft auch nicht im Elternhaus haben. In den Grundschulen Brandenburgs sind 7 % männliche Lehrer, auf alle Schulformen gerechnet gerade einmal 22 %.
- An den Kitas im Land Brandenburg ist sogar nur ein Prozent der 14 500 Erzieher männlich.
- Das traditionelle Geschlechterbild eines "richtigen Jungen" und das traditionelle Männerbild wird als immer weniger erstrebenswert angesehen. "Die daraus resultierende Verunsicherung kann zu Aggression, Schulverweigerung, Ablehnung führen, da diese überkommene Vorstellung von Männlichkeit in einer modernen Welt keinen Erfolg mehr bietet", heißt es in dem Bericht.
- Es wurde auch festgestellt, dass die Literaturauswahl im Schulunterricht sich stärker an den Bedürfnissen der Mädchen orientiert. Jungen würden stärker zu Sach- und Gebrauchstexten tendieren, Mädchen zu erzählenden Texten.
Und die Konsequenzen?

Mit Erstaunen werden von Bildungsministerium die Zahlen und Fakten entgegengenommen und entsprechend zögerlich wird darauf reagiert:
- Die Anzahl der männlichen Lehrer in den Schulen soll erhöht werden.
- Mit besonders geförderten Programmen sollen männliche Kräfte in Kitas geholt werden.
- Die Lehrer sollen besser auf die spezifischen Jungenprobleme vorbereitet werden.
- Es sollen Schulbücher benutzt werden, die auch Jungen ansprechen.
- Spezielle Schulprogramme sollen dazu führen, dass der Unterricht geschlechterbewusster gestaltet wird.
Inwieweit diese Maßahmen greifen können, solange eine Gender-Ideologie in den Köpfen herrscht, dass es eigentlich keine - außer den anerzogenen - Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt, ist mehr als fraglich. Insbesondere muss sich das Bildungsministerium aber fragen lassen, warum es eine beantragte Jungenschule, die alle diese Aspekte der Jungenförderung in ihr Programm aufgenommen hat, erst im Mai diesen Jahres abgelehnt hat.
Mit Spannung kann man auf das Ergebnis der dagegen angestrengten Klage der Eltern vor dem Verwaltungsgericht Potsdam warten. Denn Eltern, die Jungen und Mädchen täglich in der eigenen Familie erleben, kennen aus eigener Erfahrung diese nun auch im „Brandenburger Jungenbericht“ wissenschaftlich herausgefundenen Daten. Die Eltern wissen schon lange, wie wichtig es für Jungen ist, in einer diese besonders fördernden Umgebung zur Schule zu gehen.
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>Welt-online: Jungen sind im Unterricht benachteiligt
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