Heiraten, beten, lieben … Studie: Familien, die gemeinsam beten, sind glücklicher

 Familien, die gemeinsam beten, sind glücklicher
In einem Buch über Selbstfindung, das so populär wurde, dass es Vorlage zum Drehbuch des Films: "Eat, Pray, Love" wurde, beschreibt Elizabeth Gilbert, eine amerikanische Schriftstellerin, ihre Reise nach Indien, um beten zu lernen. Diesen Entschluss fasste sie nach exzessiven Fresslust-Attacken in Italien und bevor sie in eine neue Liebesbeziehung auf Bali stolperte.
von Carolyn Moynihan ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Gilbert beginnt ihre Reise, nachdem sie sich von ihrem ersten Mann hat scheiden lassen. Vielleicht wäre sie nie zu der Reise aufgebrochen, wenn sie mit ihrem Ehemann gebetet hätte, denn jüngste Forschungen zum Ehelichen Glück belegen: Gemeinsames Gebet schweißt die Ehepartner zusammen.
Die Studie des „Nationalen Ehe Projekts“, an der Universität von Virginia: „Ehepaare, die beten: Rasse und Volkszugehörigkeit, Religion und Beziehungsqualität Erwachsener im Erwerbsalter“, erscheint in der August-Ausgabe des Journal of Marriage and Family.
Die Autoren Christopher G. Ellison , Bradford Wilcox and Amy M. Burdette, allesamt Soziologen, haben hier die erste, größere Studie erarbeitet, die religiöse Bindung und Beziehungsqualität über die bedeutenden Rassen und Ethnien Amerikas evaluiert. Alle Gruppen, die gemeinsame religiöse Aktivitäten, also gemeinsamer Kirchenbesuch und besonders das gemeinsame Gebet pflegen, zeichnen sich durch ein höheres Maß der Beziehungsqualität aus.
Afroamerikaner ziehen daraus wohl den größten Nutzen, da sie deutlich häufiger als Weiße, oder Latinos, gemeinsam beten und zur Kirche gehen, was bestehende sozioökonomische Gegebenheiten, die mit geringer Beziehungsqualität einhergehen, ausgleichen kann, eine Erkenntnis, die als „African-American religion-marriage paradox," bezeichnet wird, so Wilcox, Direktor des „Nationalen Ehe Projekts“, an der Universität von Virginia.
Ausgleich von Rassenunterschieden

„Ohne Gebet würden schwarze Ehepaare sich viel schwerer tun als Weiße. Die Studie zeigt, dass Religion den Ausgleich von Rassenunterschieden fördert und die Beziehungsqualität verbessert. Die Vitalität des religiösen Lebens von Afroamerikanern bedeutet einen Vorteil an Beziehungsfähigkeit gegenüber weißen und Latinos.“ Dies gilt –in geringerem Masse- auch für Latino-Paare, führt Wilcox aus.
Religion allein begünstigt jedoch nicht immer die eheliche Bindung. Paare, die glaubensverschieden sind, oder Ehepartner, von denen nur einer den Gottesdienst regelmäßig besucht, sind - nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler- meist weniger glücklich in ihrer Beziehung. Unterschiedliche religiöse Überzeugungen sind Quelle für Spannungen über rassische und ethnische Linien hinweg. „Das mag damit zusammenhängen, dass die Partner weniger Zeit finden, gemeinsam Dinge zu tun, oder dass sie ihren Kindern unterschiedliche Werte vermitteln, oder unterschiedliche Vorstellungen, bei der Lebensgestaltung haben“, sagt Wilcox.
Eine umfangreiche Studie belegt, dass Beziehungsqualität bei ethnischen Minderheiten meist geringer ausgeprägt ist, als bei religiös gebundenen Paaren, besonders dann, wenn die Partner in ihren Glaubensüberzeugungen einig sind und danach leben, erklärt der Hauptautor der Studie, Christopher G. Ellison, Partner des „Nationalen Ehe Projekts“ und Professor für Sozialwissenschaften an der Universität von San Antonio in Texas.
Diese Studie, gefördert von der Lilly Stiftung und entwickelt von Ellison und Wilcox, wertete die Daten einer Nationalen Studie über Religion und Familienleben aus, die 2006 durch Telefonbefragung erhoben wurden. Befragt wurden 1387 Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren, die berufstätig waren und in einer Beziehung lebten.
89% der Befragten waren verheiratet, bei ethnischen Minderheiten war die Quote etwas geringer. Befragt nach der Qualität ihrer Beziehung, wurde im Durchschnitt ein Wert von 4,8 auf einer 6 Punkte umfassenden Skala erzielt, doch erklärten sich Afroamerikaner meist deutlich weniger glücklich als Weiße. Diese Unterschiede verschwinden jedoch, wenn die erhobenen Daten hinsichtlich Lebensalter, Schulbildung und Einkommen korrigiert werden. Schwarze gaben häufigeren Kirchenbesuch an, mit und ohne Partner. 40% der Schwarzen berichteten, dass sie als Ehepaar regelmäßig den Gottesdienst besuchen, im Gegensatz zu 29% Weißen und 31% Mexikanern. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 32%.
Gebet und Schriftlesung

Schwarze berichteten auch häufiger über gemeinsames Gebet und Schriftstudium zu Hause. Diese Übung ist vielleicht sogar eher ein Grund für bessere Beziehungen in der Ehe, als der gemeinsame Gottesdienstbesuch. „Je näher man sich zu Hause kommt, umso mehr werden die positiven Effekte verstärkt“, sagt Wilcox. „Es ist nachvollziehbar, dass diejenigen, die ihre Glaubensüberzeugung zu Hause nähren, darüber reden, danach handeln und daraus Nutzen ziehen, mehr noch als die, die Sonntags zur Kirche gehen“.
Ein sehr praktischer Aspekt verdient besondere Beachtung, wenn Wilcox empfiehlt: „Ich glaube, dass Vergebung einen einzigartigen Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung mit gemeinsamen Glaubens- und Gebets-leben darstellt.“ Es wurde schon in früheren Studien belegt, dass Vergebung Schlüsselfaktor für gute Beziehungen, für das Familienleben und sogar für Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist.
Frühere Forschungsarbeiten, die religiöse Motive mit besserer Beziehungsqualität in Verbindung brachten, haben dies mit drei Faktoren begründet.
1. Religionsgemeinschaften fördern moralisch einwandfreies Handeln (Goldene Regel, Vergebungsbereitschaft, etc.) das für die Gestaltung einer glücklichen Beziehung unerlässlich ist. Sie ermutigen die Partner, ihren Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Familie und Gesellschaft nachzukommen und Konflikte konstruktiv zu bewältigen.
2. Familienorientierte, soziale Netzwerke der Religionsgemeinschaften bieten Ehepaaren und Familien formelle, wie informelle Unterstützung an. Diese kann in finanzieller Hilfe, aber auch in Familien- oder Erziehungsberatung bestehen.
3. Religiöse Bindung fördert im Menschen das Bewusstsein für den Sinn des Lebens, sowohl allgemein, als auch in Beziehung zu Anderen, was die Stressbelastbarkeit entscheidend verbessert.
Diese Aspekte sind besonders wichtig für Schwarze und Latinos, sagt Wilcox, denn sie sind häufiger Armut, Anfeindungen, Rassismus, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Arbeitslosigkeit, oder ähnlichen Bedingungen ausgesetzt, die eine Beziehung oft schwer belasten.
Nichts dergleichen hat irgendwie mit dem Erlernen von Meditationstechniken in Indien zu tun und ist deshalb kaum als Stoff für Bestseller und Filme geeignet.
Doch es ist der Stoff, der echtes Leben und Glück verbürgt, deshalb sollten die Menschen darüber Bescheid wissen.
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Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilungder University of Virginia. Carolyn Moynihan verfasste dazu die Einführung.
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