Beurteile nie eine Mutter nach dem Benehmen ihres kleinen Kindes

von Tamara Rajakariar - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe

Vergangene Woche schimpfte eine wütende Mutter auf Facebook, dass sie sich immer wieder von wildfremden Menschen Kommentare über die Erziehung ihrer dreijährigen Tochter anhören müsse - im Supermarkt, im Park oder allgemein in der Öffentlichkeit. Sie erhielt darauf viel Unterstützung von anderen Eltern, die wohl ähnliche Erfahrungen machen durften.

Ich habe zwar noch keine Kinder, doch glaube ich schon, dass hier ein wunder Punkt berührt wird. Denn es gibt wenige Dinge in der Erziehung, die man objektiv als richtig oder falsch bezeichnen könnte. Es liegt z.B. auf der Hand, dass man ein Kind nicht verprügelt und es regelmäßig ernährt, doch wenn es in die Einzelheiten geht, hat jeder Erziehungsberechtigte - zu Recht - seine eigenen Vorstellungen, wie die Dinge geregelt werden sollten, was nicht zuletzt von den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes und sogar von der Tagessituation abhängig ist. Ein schreiendes Kind schlagen, bis es ruhig ist? Falsch. Einer Dreijährigen einen Schnuller geben, um sie ruhig zu stellen, muss jeder selbst entscheiden.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Mutter war: „Ich glaube, wir haben genügend mütterliches Schuldbewusstsein, ohne dass uns fremde Menschen in der Öffentlichkeit Ratschläge geben müssen.“ Erziehung ist schwierig. Man steht immer wieder vor neuen Situationen und lernt dazu. Natürlich werden sich Eltern auch im Nachhinein fragen, ob sie richtig gehandelt haben, doch kritisch-herablassende Kommentare Außenstehender sind dabei nicht hilfreich.

Am Ende des Tages muss jeder dazu stehen, wovon er überzeugt ist und lernen, Kommentare einfach zu ignorieren. (Sicher leichter gesagt, als getan, besonders an einem Tag voll Stress.) Meine Eltern haben über die Jahre, in denen sie neun Kinder großzogen, ihren Teil abbekommen. Es war schwer für sie, wenn sie sogar aus der familiären Umgebung hässliche Bemerkungen hören mussten, wenn wildfremde Menschen fragten, ob sie denn keinen Fernseher hätten, wenn Arbeitskollegen meinten, meinen Vater bedauern zu müssen, statt zu gratulieren, wenn sich ein neues Baby ankündigte.

Was also ist die richtige Reaktion? Ich denke, es bleibt jedem Menschen unbenommen, sich eine Meinung zu bilden, solange es Meinung und nicht Urteil ist. Man sollte sich nur überlegen, ob man seine Meinung wirklich äußern sollte, oder lieber den Mund hält. In jedem Fall denke ich, dass die beste Reaktion die ist, die die gestresste Mutter zum Schluss so beschrieb: „sie lächelte mir freundlich und verständnisvoll zu.“

Es war ein Lächeln voller Verständnis, das sagte: Du machst schon einen guten Job. Ein wissendes Lächeln, das die Schwierigkeiten der Erziehung kannte. Ein Lächeln, das sagte: Ja mein Kind hat auch solche Momente, es ist nicht leicht. Unsere Wege kreuzten sich nur für einen flüchtigen Moment, doch ihr Lächeln ließ mich alle mütterlichen Schuldgefühle vergessen und gab mir das Bewusstsein, dass ich mir alle Mühe gebe, die beste Mutter zu sein, die ich kenne. Danke für das Lächeln, es hat meinen Tag ein wenig heller gemacht.