Plan B: Gute Bildung muss nicht teuer sein

 Gute Bildung muss nicht teuer sein
Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind? Was muß ich zahlen? Wie kann Bildung finanziert werden? Und: Muss es eine Privatschule sein? Solche Fragen, vor einigen Jahren noch kein Thema für Journalisten, folgen keinem Modetrend, sondern der Logik der Stunde. In einem von Defiziten geplagten Bildungssystem suchen immer mehr Eltern nach Orientierung.
«Sieben Jahre nach der ersten Pisa-Studie, die deutschen Schülern ein eher bescheidenes Bildungsniveau bescheinigte, erstarrt das deutsche Schulwesen immer noch in alten Verkrustungen», schreibt Martin Gerth auf der Onlineplattform der WirtschaftsWoche. Neben einem Leitfaden, der durch das Dickicht aus Chancen, Vorurteilen und Gefahren bei der Suche nach der richtigen Schule führt, bietet die Wirtschaftswoche einige Hintergrundinformationen und Fakten von grundsätzlicher Bedeutung.
200.000.000.000 Euro

Wer hätte beispielsweise gedacht, dass in unserem Land Jahr für Jahr 200 Milliarden Euro in Bildung, Forschung und Wissenschaft gepumpt werden? Ergebnis? Es sind gleich 15 Mängel, die laut Wirtschaftswoche der jüngste OECD-Bericht nach Begutachtung des deutschen Bildungssystems auflistet – unter anderem:
  • Lehrer werden nicht nach Leistung bezahlt (Zitat eines Bildungsexperten: «Da sich bei den Pädagogen Leistung nicht im Gehalt bemerkbar macht, ist das System nicht nur teuer, sondern auch ineffizient»;
  • Schulen fehlt die notwendige Autonomie bei Lernzielen und -konzepten;
  • Bildungschancen stehen und fallen mit der Einkommensstärke der Eltern.

Durchschnittliche Lernergebnisse, zu große Klassen, veraltete Unterrichtspläne, unmotivierte Lehrer – immer mehr Eltern suchen nach Alternativen.
Zauberwort Privatschule

Entscheiden sich die Eltern für eine Privatschule, muss es nicht unbedingt am Geld scheitern; inzwischen gibt es Privatschulen, die deutlich weniger kosten als eine Tagesmutter. Zwar sind die preisgünstigen Schulen meist über Jahre ausgebucht, allerdings erlebt Deutschland derzeit einen Gründungsboom bei Privatschulen. Laut WirtschafsWoche «öffneten allein im Schuljahr 2006/07 etwa 100 neue Bildungsstätten in privater Trägerschaft». Folgt man den Pisa-Studien, schneiden Privatschüler besser ab als die Schüler staatlicher Schulen; dies liegt natürlich zum Teil auch an der Sozialauswahl, da Kinder aus finanziell benachteiligten Familien an Privatschulen unterrepräsentiert sind. «‹Privat› allein», stellt Martin Gerth in seiner ausgewogenen Analyse schließlich fest, «ist noch kein Gütesiegel», um dann die entscheidende Frage zu stellen: «Was macht eine gute Schule aus, egal ob privat oder staatlich?»
Qualitätskontrolle

Die Erkenntnis, dass eine Qualitätskontrolle in Schulen essentiell für den Lernerfolg der Schüler ist, setzt sich immer mehr durch. Die Glaubensformel ist schlicht: Wie im Leben (Wirtschaft), so auch in der Schule. Ohne Kontrolle geht es nicht. Wieviel Zeit muss noch vergehen, bis sich die Kultusminister auf einheitliche Standards und auf ein geeignetes Kontrollverfahren geeinigt haben? Doch «auch ohne Ranking können sich Eltern an allgemein gültigen Kriterien orientieren» – hier listet Martin Gerth folgende Punkte auf:

  • Eigenständigkeit: Entscheiden die Schulen selbst über Lerninhalte und -kon-zepte, können sie sich den Bedürfnissen ihrer Schüler besser anpassen;
  • Ausstattung: Nicht das Geld allein zählt, «wichtiger ist, dass Bücher auf dem neuesten Stand sind oder dass genügend Geräte und Materialien für einfache naturwissenschaftliche Experimente vorhanden sind»;
  • Betreuung: Nicht Verwahrung, sondern sinnvolle Betreuung ist die Devise;
  • Schüler/Eltern-Initiative: Die Chancen, gesetzte Bildungsziele zu erreichen, steigen, wenn die Schule Kindern und Eltern die Möglichkeit einräumt, auf den Schulalltag gestaltend einzuwirken;
  • Personalausstattung: Nicht die Klassengröße allein ist ausschlaggebend, sondern «ob ein Kind kontinuierlich von einem Ansprechpartner betreut wird und wie gut dieser ausgebildet ist.»

Stipendien, Sozialklauseln, Steuervorteile

Abschließend weist die WirtschaftsWoche darauf hin, dass für den Fall, dass die Wahl auf eine Privatschule fällt, auch Eltern mit knappem Budget noch zwei Nebeneingänge offen stehen: Stipendien für Hochbegabte oder Sozialklauseln einzelner Privatschulen, die, wie die Internationale Schule in Hamburg, bis zu 25 Prozent Schüler aus sozial benachteiligten Familien aufnehmen. Auch der Staat hilft; immerhin können 30 Prozent der Kosten von der Steuer abgesetzt werden. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die staatlich anerkannten Privatschulen (nicht Internate) je nach Bundesland monatlich nicht mehr als 10.- bis 100.- Euro erheben. Denn sie werden nur staatlich anerkannt, wenn sie die Schüler nicht nach den Besitzverhältnissen der Eltern auswählen. Dieser Punkt bleibt leider in der Darstellung der Wirtschaftswoche nebulös.
Zum Schluss ziert Martin Gerth seinen Bericht mit ein paar Zusatzartikeln, die der interessierte Leser durch einen Klick abrufen kann: Steuervorteile (Geld vom Fiskus) – Förderprogramme (Bonus für Kinder) – Interviews, Umfragen etc.
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Link
>Wirtschaftswoche: Keine Gleichmacherei

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