Ein Brief an Menschen, die sich verloben möchten

Tamara Rajakariar - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Liebe zukünftig Verlobte, wenn mein nächster Beitrag in dieser Rubrik erscheint, bin ich bereits verheiratet. Es sind nur noch zwei Wochen bis dahin und ich bedaure, kein Tagebuch über diese schöne Verlobungszeit mit all ihren Höhen und Tiefen, den Entdeckungen und Lehrstücken geschrieben zu haben. So nutze ich diese letzte Chance, die Zeit nochmals Revue passieren zu lassen.

Es gibt viel, worüber ich sprechen möchte. Zum Beispiel über die überwältigende Freude, „JA“ zu sagen und eine unbekannte Zukunft in den Blick zu nehmen, in der beruhigenden Überzeugung, einen Ehemann an der Seite zu haben, der der Richtige für mich ist.

Ich möchte auch erwähnen, dass ich mir überlegt hatte, die Monate der Vorbereitung mit einer perfekten Trainingsroutine auszufüllen, doch blieb meine Vorbereitung eher eine mentale und spirituelle, mehr über die Ehe zu lernen, um mein Versprechen wirklich aus vollem Herzen geben zu können, zu versuchen, uneigennützig zu lieben und meinen Verlobten in allem an die erste Stelle zu setzen…alles zur Vorbereitung einer glücklichen, erfüllten Ehe.

Ich möchte Verlobte ermutigen, die Planung in allen Schritten gemeinsam anzugehen und sie nicht nur der Braut oder dem Bräutigam zu überlassen. Ich konnte feststellen, dass solche „Teamentscheidungen“ hervorragend geeignet sind, die gegenseitige Kenntnis voneinander zu vertiefen und dass beide in gleichem Maße in ihre Zukunft investieren.

Die Hochzeitsvorbereitungen sind nicht so glamourös, wie Hollywood sie gern in Szene setzt, doch eigentlich viel schöner mit allen Rückschlägen, Kämpfen, persönlichen Fortschritten und kleinen Siegen. Ich würde zwar gern behaupten, dass es bis heute eine stressfreie Erfahrung war, doch das wäre glatt gelogen. Es ist nur normal, dass man sich bisweilen in Details verheddert, die nicht wirklich wichtig sind, falsch reagiert, weil man übermüdet ist, oder die Meinung eines anderen zu persönlich nimmt, egoistisch oder beleidigt reagiert, weil man meint, dass alle Welt sich nur noch um die Hochzeit drehen müsse. Aber auch das ist alles o.k., solange man sich dessen bewusst wird, sich zurücknimmt, entschuldigt, wo es angebracht ist, daraus lernt und weiter geht’s.

Man reift in einem solchen Prozess. Mein Verlobter und ich haben in dieser Zeit eine Reihe persönlicher Schwächen, derer wir uns nicht bewusst waren, erkannt und daran gearbeitet, sie zu akzeptieren und mit gegenseitiger Hilfestellung versucht, sie auszumerzen. So musste ich gegen meine immer zögerliche Haltung, Dinge anzupacken und auszuführen angehen, was meinem von Natur aus kurz entschlossenen und zupackenden Verlobten einige Geduld - auch eine Tugend- mit mir abverlangte

Ich möchte nicht versäumen, Ihnen den besten Ratschlag mitzuteilen, den wir in dieser Zeit erhielten: „Legt den Schwerpunkt auf die Ehe, nicht auf den Hochzeitstag!“ Sucht jeden Tag ausreichend Bodenhaftung in dem Chaos, was für mich hieß, jeden Tag ein paar Minuten zu beten; andere mögen lieber eine Strecke joggen, um den Kopf frei zu machen, oder dafür sorgen, 8 Stunden Schlaf zu finden. Man muss einfach akzeptieren, dass es Dinge gibt, die sich nicht ändern lassen, z. B. das Wetter, denn am Ende des Tages ist die Hochzeit selbst wichtiger, als das schönste Fotoalbum aller Zeiten. Schenkt auf dem Hochzeitsempfang jedem einen Blick und ein Wort und seid dankbar, dass diese Menschen gekommen sind, mit Euch Eure Liebe zu feiern. Seid selbstlos, nicht selbstsüchtig an diesem Tag, es ist die Garantie dafür, dass Ihr Euch selbst noch mehr freut.

Ich bin sicher, dass auch Sie die Menschen, die Ihr Leben begleiten, hochschätzen werden. Mein Verlobter sah mich in den letzten Monaten einige Male ziemlich aufgelöst und änderte dennoch nicht seine Absicht, mich zu heiraten - dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Meine Familie und Freunde halfen mir ganz großartig, den Druck von mir zu nehmen, überschütteten mich mit Liebe und Zuneigung und ermutigten mich, mich auszuheulen, wenn ich es brauchte. Auch meine Arbeitskollegen waren immer mit Rat und Tat zur Stelle, ja selbst ganz Fremde nahmen Anteil an meiner Aufregung.

Verlobungszeit ist nicht einfach, wie alles, was einen Wert hat. Doch ist es eine wunder- wunderschöne Zeit. Versucht einfach, das Beste daraus zu machen.