Christenverfolgung 2015, weltweit und immer schlimmer.

von Marcus Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Wird es im 21. Jahrhundert zur Segregation der Religionen kommen? Werden blühende Gemeinden in vielen Ländern aufhören zu bestehen, in denen sie über Jahrtausende verwurzelt waren? Werden große Völkergemeinschaften unterschiedlicher Religionen, die friedlich miteinander leben, durch religiöse Säuberungen und Massenmigration zerstört werden?

Wie Open Doors, eine Stiftung, die religiöse Verfolgung und Diskriminierung beobachtet, in ihrem Bericht 2015 festhält, ist die Antwort auf diese Fragen ein klares „JA“. Christenverfolgung breitete sich 2015 über den ganzen mittleren Osten und Afrika aus. Tausende Christen wurden wegen ihres Glaubens getötet; Millionen wurden aus ihren Häusern vertrieben und gezwungen zu fliehen. Der Bericht ist hier zu finden und ist, wie in der Einleitung ausgeführt, keine frohe Botschaft.

„Es gibt noch immer Millionen Christen in diesen Ländern, die sich nicht trauen, zur Kirche zu gehen, oder gar keine Kirche mehr haben, in die sie gehen könnten; die sich vor der Alternative sehen, entweder Gott treu zu bleiben, oder ihre Kinder zu schützen; die brutal behandelt werden, ihre Würde oder ihre Freiheit verlieren, weil sie mit uns denselben Glauben teilen, nicht jedoch unsere Freiheit. Und es gibt unendlich viele, die wegen der Verfolgungen den Tod von Angehörigen zu beklagen haben.“

Die Zahl der Christen, die aus religiösen Gründen weltweit getötet wurden, betrug 2013 mindestens 2123 und hat sich bis 2015 mit mindestens 7100 mehr als verdreifacht. Obwohl Open Doors Nord-Korea auch 2015 als Land der schlimmsten Christenverfolgungen bezeichnet, wurden die meisten Christen in Nigeria getötet.

„Die Zeitungstitel nehmen besonders den mittleren Osten in den Blick, doch wurden in Nord-Nigeria 2015 mit 4028 von 7100 belegten Toten mehr Menschen ihres Glaubens wegen getötet, als anderswo.“

Darüber hinaus wurden mehr als 2 Millionen Menschen, viele von ihnen Christen, in Nord-Nigeria von Boko-Haram-Milizen und Hausa-Fulani Stammeskriegern von ihren Feldern und aus ihren Häusern vertrieben.

Ein weiteres unter den 50 im Bericht aufgeführten Ländern ist Eritrea, das „afrikanische Nord-Korea“. Die „totalitäre Paranoia“ des Präsidenten Isaias Afewerki treibt hunderte Eriträer ins Exil und in die Hände mitleids- und skrupelloser Menschenschmuggler. Einer der Verfasser des Reports berichtet:

„Eriträische Christen wünschen sich nichts mehr, als aus dem Land fliehen zu können, obwohl ihnen bewusst ist, dass sie leicht Menschenschmugglern oder anderen rabiaten Gruppen, wie Daesh [Islamischer Staat] in die Hände fallen.“

Auch in Indien, wo Narendra Modi’s Regierung von der nationalistischen Hindu BJP Partei dominiert wird, wird das Leben für Christen immer schwieriger. Es gibt Berichte, dass christliche Pfarrer verprügelt und getötet und Christen zur Konversion zum Hinduismus gezwungen werden. Im Durchschnitt wurden, so der Bericht, 2015 dreimal pro Woche Kirchen niedergebrannt, oder Pfarrer geschlagen.

Im Irak und in Syrien schreitet der Niedergang zweitausend Jahre alter christlicher Gemeinden unaufhaltsam fort. Christen, die das Glück hatten, den Massakern zu entkommen, bleiben selbst als Flüchtlinge von Verfolgung und Gewalt bedroht. Nur wenige Christen leben in einem der beiden Lager, die die UN und andere Hilfsorganisationen in Jordanien unterhalten, weil sie Einschüchterung und Gewalt von Hardlinern unter den muslimischen Flüchtlingen befürchten müssen.

„Ein Mitarbeiter von „Open Doors“ im Nord-Irak, der seinen Namen nicht preisgeben wollte, sagte dem Guardian, dass die meisten christlichen Flüchtlinge sich weigerten, in UN-Camps zu ziehen. Viele fürchten, von ehemaligen muslimischen Nachbarn denunziert zu werden und sorgen sich um die Sicherheit von Frau und Kindern. Sie bevorzugen kleinere Lager, die von kirchlichen Organisationen betrieben werden, doch gibt es davon nur wenige, die auch schlechter gestellt sind. Christliche Flüchtlinge werden von den großen UN-Organisationen einfach übergangen.“

Ich sehe wirklich wenig Anlass zur Hoffnung, dass 2016 bessere Perspektiven für Christen in großen Teilen der Welt bieten wird als das vergangene Jahr.