Country Strong

Country Strong
Vor gut fünf Jahren setzte Regisseur James Mangold dem Countrysänger Johnny Cash ein filmisches Denkmal: „Walk the Line“ gewann drei „Golden Globes“, darunter als bester Film in der Kategorie Musical/Komödie, sowie einen Oscar. Dem nach den Regeln der Filmbiografie konventionell inszenierten Spielfilm gelang es insbesondere dank der intensiven Darstellung der zwei Protagonisten, ein Leben voller Brüche auf der Leinwand glaubwürdig zu veranschaulichen. Nun hat die aus Los Angeles stammende Regisseurin Shana Feste über die (fiktive) Countrysängerin Kelly Canter (Gwyneth Paltrow) einen Spielfilm gedreht. Steht in „Walk the Line“ die Tabletten- und Alkoholsucht Johnny Cashs im Vordergrund, so beginnt Shana Festes Film „Country Strong“ in einer Entzugsklinik.
Filmische Qualität: 2,5 von 5 Punkten
Regie: Shana Feste
Darsteller: Gwyneth Paltrow, Garrett Hedlund, Tim McGraw, Leighton Meester, Marshall Chapman, J.D. Parker, Cinda McCain, Jeremy Childs
Land, Jahr: USA 2010
Laufzeit: 117 Minuten
Genre: Drama
Publikum: Ältere Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: Explizite sexuelle Szenen

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Während ihrer Therapie lernt der ehemalige Country-Star Kelly Canter (Gwyneth Paltrow) den talentierten Songschreiber und Sänger Beau Hutton (Garrett Hedlund) kennen, der in der Klinik als Pfleger arbeitet. Doch ihr Mann und Manager James Canter (Tim McGraw) drängt darauf, Kelly so schnell wie möglich wieder auf die Bühne zu holen. In der schnelllebigen Welt des Showgeschäfts kann sich offenbar nicht einmal die sechsfache Grammy-Gewinnerin Kelly Canter eine lange Bühnen-Abwesenheit leisten. Der Auszug aus der Klinik wird werbewirksam inszeniert, die Nachricht im Radio gemeldet: „Kelly Canter wurde heute Morgen aus der Entzugsklinik entlassen. Der Countrystar war vor einigen Monaten wegen Trunkenheit und ungewöhnlichen Benehmen verhaftet wurden.“ Die sich aus dem Therapieabbruch ergebenden Risiken bringen die Dramaturgie von „Country Strong“ voran.
Kelly besteht darauf, dass Beau sie auf ihrer Comeback-Tournee begleitet. Obwohl Kellys Mann ahnt, dass der junge Sänger für seine Frau mehr als nur Bewunderung empfindet, lässt sich James dazu überreden. Dies hat allerdings mehr mit professionellen Erwägungen als mit privaten Zugeständnissen zu tun. Denn mit seiner Gitarre rettet Beau den Auftritt der als Vorprogramm-Sängerin engagierten, attraktiven, aber sichtlich überforderten Chiles Stanton (Leighton Meester). Darüber hinaus könnte er die noch labile Kelly medizinisch mitbetreuen. Weil aber nicht nur James, sondern auch Beau an der ehemaligen Miss Dallas Chiles Stanton offensichtlich nicht nur musikalisches Interesse finden, beginnt die Tournee, auf der Kellys Comeback gefeiert werden soll, in denkbar verwickelten persönlichen Verhältnissen.
Das Kino hat ähnliche Geschichten von Aufstieg und Fall, von Comeback und Rückfall der Stars, seien sie aus dem Musik-, Film- oder dem Sportgeschäft, häufig erzählt. In dieser Hinsicht steuert Shana Festes Film kaum Neues bei. Spannung erzeugt die klassisch inszenierende Drehbuchautorin und Regisseurin Shana Feste vor allem aus der besonderen „Vierecksbeziehung“, wobei sie mit den Klischees spielt, sie aber auch weitgehend umschifft. Die kalifornische Regisseurin zählt insbesondere auf die Hauptdarstellerin Gwyneth Palthrow, die ihre unter dem Ruhm und den hohen Erwartungen zerbrechende Figur mit nuancierten Zwischentönen verkörpert. Insbesondere der Schmerz, den sie um ihr verlorenes Baby empfindet, bleibt dem Zuschauer in Erinnerung: Kelly Canter stürzte wegen Trunkenheit von einer drei Meter hohen Bühne, als sie im fünften Monat schwanger war. An ihren Schuldgefühlen droht sie zugrunde zu gehen, während das Showgeschäft von ihr unerbittlich Höchstleistungen und ein Dauerlächeln fordert. Garret Hedlund überzeugt ebenfalls mit seiner vielschichtigen Darstellung des aufstrebenden, von widersprüchlichen Gefühlen geschüttelten Sängers, während jedoch Tim McGraw und Leighton Meester ziemlich blass agieren, sodass ihre Charaktere eindimensional bleiben.
Leidet darunter die Glaubwürdigkeit von „Country Strong“, so trägt zur Authentizität bei, dass die Hauptdarsteller ähnlich Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon in „Walk the Line“ ihre Songs selbst ausführen. Eigens für Shana Festes Film komponiert, gehören die Country-Songs wesentlich zum Film. Sie bestimmen größtenteils die melancholische Stimmung, die über „Country Strong“ liegt, und die im tragischen Ausgang ihren Höhepunkt findet.
Für Gwyneth Paltrow hatte ihre Rolle in „Country Strong“ jedenfalls einen schönen Nebeneffekt: Sie wurde im vergangenen November zur Vergabe der „Country Music Association Awards“ (CMAs) eingeladen. Die Schauspielerin, die erstmals live als Sängerin auftrat, sang in der Hochburg der Country-Musik Nashville den Titelsong aus „Country Strong“.

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