Das dritte Kind, warum sich Sorgen machen?

von Marcus Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Die Geburt unseres zweiten Kindes steht bevor, der Koffer für meine Frau Shan, die sich noch gut hält, ist schon gepackt, ich habe die Route zum Krankenhaus im Kopf und könnte mitten in der Nacht losfahren, selbst wenn ich mich mental noch im Bett befände. Nun, da sich unsere Familie vergrößert, war ich interessiert, den Artikel in der Irish Times zu lesen, in dem behauptet wird, dass mir jetzt nur noch ein Zuwachs von ca. 50% Freude beschieden sei, gemessen an der Freude über Thomas, unseren Erstgeborenen. Danach ist die Freude über Thomas, die nach seiner Geburt zunahm, nun wieder auf einen „vorkindlichen Level“ abgeflaut. Beunruhigend ist natürlich die Aussage, dass bei einem dritten Kind der Zuwachs an elterlicher Freude vernachlässigbar sei.

Dies sind Ergebnisse einer neuen Studie, die Mikko Myrskyla (Professor für Demographie an der LSE (London School of Economics) und Direktor am Max Planck Institut für Demographie-Forschung in Rostock) und Rachel Margolis (außerordentliche Professorin an der Fakultät für Sozial-Wissenschaften der Western University) vorlegten. Die Ergebnisse basieren auf Daten des British Household Panel und des deutschen Sozio-Ökonomischen Panels. Diese werteten Daten von Eltern über 18 Jahre nach der Geburt ihrer Kinder aus. Myrskyla führt aus:

„Die Geburt eines dritten Kindes ist nicht mit einer Zunahme an Freude für die Eltern verbunden, doch möchte ich nicht behaupten, dass dieses Kind weniger geliebt wird als seine älteren Geschwister. … Es mag vielmehr daran liegen, dass die Erfahrung der Elternschaft weniger neuartig und aufregend ist, wenn das dritte Kind geboren wird und eine größer werdende Familie für die Eltern eine höhere Belastung bedeutet.“

Offenbar empfinden Eltern, auf Dauer gesehen, keinen Unterschied in der Magnitude ihrer Freude vor und nach der Geburt von Kindern. Hinzu kommt, dass die Freude mit zunehmendem Alter der Eltern wächst und tiefer empfunden wird, als bei Teenagern, die Eltern werden. Margolis kommentiert:

„Die Tatsache, dass bei älteren und gebildeteren Eltern das Wohlbefinden durch die Geburt von Kindern zunimmt, bei jungen und weniger gebildeten Eltern jedoch zu flachem oder gar negativ tendierendem Glücksempfinden führt, kann eine Erklärung dafür sein, warum sich so viele Paare Nachwuchs versagen.“

Ein paar Gedanken dazu. Was ist eigentlich Glück? Ist man glücklich, wenn man keine materiellen Sorgen hat? Das Gefühl, wenn man um drei Uhr morgens sich abmüht, ein hysterisch schreiendes Baby in den Schlaf zu wiegen? Der sich stetig vergrößernde Bauchumfang, weil man nicht mehr zum Training kommt? Die Unfähigkeit, mal wieder freitagabends eine gute Zeit mit Freunden zu verbringen? Ich denke, wenn man all diese Faktoren addiert, sind Kinder in der Tat nicht geschaffen, ihre Eltern glücklich zu machen. Und wären die Antworten andere, wenn wir Eltern in ihrem Rentenalter befragen, da ihre eigenen Kinder auch Nachwuchs haben? Könnten wir wirklich behaupten, dass Eltern sagen würden, dass es keinen Unterschied mehr in ihrer Freude gibt? Und überhaupt, ist Glück der Schlüssel-Parameter, der zu messen ist? Wie wäre es mit Freude? Ich mag um drei Uhr morgens absolut unglücklich sein, doch erfüllt mich der Anblick meines kleinen Sohnes mit übergroßer Freude, auch wenn diese just zu dem Zeitpunkt tief in mir schlummert. Muss man eigentlich überhaupt Kinder nur, oder gar zuallererst, nach dem Einfluss bemessen, den sie auf das Wohlbefinden und Glück ihrer Eltern haben? Oder sind Kinder Schätze, ungeachtet der Tatsache, dass sie uns vielleicht nicht glücklicher machen, als wir vorher waren? Wenn ich mir die Kommentare der vergangenen Jahre durch den Kopf gehen lasse, wonach Eltern ein „Recht auf Kinder“ geltend machen wollen, scheint mir für viele das Wohlbefinden der Eltern im Vordergrund zu stehen. Ich bin überzeugt, dass alle Eltern mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass es viele Dinge gibt, ohne die man leben kann, wenn einmal Kinder da sind. Doch jedes Kind fügt der kleinen Zahl von Dingen, ohne die man keinesfalls leben kann, seinen Namen hinzu, egal, wie viele Berichte behaupten, Kinder machten uns auf Dauer nicht glücklicher.