Warum tun sich Eltern in Deutschland so schwer?

von Shannon Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Wir haben vor kurzem eine Studie besprochen, nach der das Glück von Eltern nach dem ersten Kind beträchtlich abnimmt. Eine deprimierende Aussicht, um es vorsichtig zu sagen. Die Studie beleuchtet das Leben von Eltern in Deutschland, die meist nach dem ersten Kind die Familienplanung abschließen, weil sie sich schon mit einem Kind unglücklich fühlen, obwohl sie vorher eigentlich mehr Kinder geplant hatten.

Gibt es besondere kulturelle Faktoren, die zur geringen Reproduktionsrate in Deutschland von weniger als 1,4 Kindern pro Frau in den letzten 30 Jahren führten? Der deutsche Staat lässt sich die Förderung von Familien rund 250Mrd € pro Jahr kosten. Doch scheint es, als habe selbst diese Förderung keine positiven Auswirkungen auf die Zahl der Geburten.

Das Institute of Family Studies, in Virginia-USA, hat die Ergebnisse der Studie diskutiert und macht zusätzlich folgende Überlegungen geltend:

- Die Definition des Lebensglücks seitens der Probanden kommt sehr persönlich und subjektiv daher. Die Ergebnisse erinnern an die Worte des berühmten jüdischen Wiener Psychiaters Viktor Frankl, der einmal sagte „Wer dem Glück nachjagt, der vertreibt es.“

- Die Dresdener Journalistin Sonya Winterberg, verheiratet, Mutter zweier Kinder, die in USA und Finnland geboren wurden, beschreibt Deutschland als „einigermaßen feindliches“ Territorium, wenn es darum geht, eine Familie voranzubringen. In einem Tweet schreibt sie: „[die Deutschen] sind im Allgemeinen recht verschlossen und reserviert, so ist es nicht leicht, sich einfach mal locker zu verabreden. Viele haben Schwierigkeiten, Kindern aufgeschlossen zu begegnen. Am meisten vermisse ich hier eine freundliche, optimistische Lebenssicht.“

Ich kenne Deutschland und die Deutschen nicht näher und kann deshalb nicht bewerten, ob der Kommentar zutrifft und ob diese Haltung die Reproduktionsraten beeinflusst. Was ich jedoch weiß, ist, dass die gegenseitige Unterstützung von Müttern und der Austausch von Erfahrungen, Müttern kleiner Kinder das Leben wesentlich erleichtert. Ich frage mich oft, ob die immer kleiner werdende Zahl von Müttern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, nicht auch zur Entmutigung beiträgt, mehr Kinder in die Welt zu setzen.

Winterberg stellt weiter fest, dass Kinder ein besonderes Opfer für Frauen in Deutschland darstellen, weil die Gesellschaft Männer oft entmutigt, sich Elternfreizeit zu nehmen und Frauen, die möglichst schnell wieder in ihren Beruf zurückkehren möchten, als „Rabenmütter“ bezeichnet, die ihre Prioritäten falsch sortiert haben. Diese Erkenntnis bedeutet aber auch, dass Frauen, die sich entscheiden, zu Hause zu bleiben, besser unterstützt werden und die Überzeugung pflegen müssten, als Mütter einen besonderen Dienst an der Gesellschaft zu leisten, statt von Seiten der Politik den Druck auf sie zu erhöhen, endlich wieder arbeiten zu gehen. Eltern sollten auch die Überzeugung haben dürfen, dass Arbeitgeber die Rolle von Vater und Mutter für die Gesellschaft anerkennen, wenn Arbeitsverträge ausgehandelt werden.

Die Berliner Angestellte Dagmar Schmidt, selbst kinderlos, ist überzeugt, dass Karrierestreben von Frauen einerseits und Beziehungsschwächen andererseits die Hauptauslöser niedriger Geburtenraten sind. Interessant ist auch ihr weiterer Kommentar: „Ich glaube, dass meine Generation immer noch einige unbewältigte Probleme unserer Elterngeneration aus der Nachkriegszeit mit sich herumträgt. Es sind unterdrückte Scham- und Schuldgefühle, sowie Bindungsängste, die unsere Erziehung beeinflussten. Es ist einfach unnormal, dass viele von uns keine Kinder haben und wenn doch, meist nur eines und das erst spät im Leben.“

Wenn diese Aussage so stimmt, ist es in der Tat ein trauriger Grund, der speziell für deutsche Verhältnisse zutrifft und vielleicht noch andere Menschen mit Bindungsproblemen betreffen mag. Das Institute of Family Studies kommentiert weiter, wie folgt:

Autorin Wendy Shalit, bekannt für ihren traditionellen Lebensstil, den sie in ihrem Buch "A Return to Modesty: Discovering the Lost Virtue", (Rückkehr zur Genügsamkeit: Wiederentdeckung einer verlorenen Tugend) schrieb:

Wer zu dem Schluss kommt, dass eigene Kinder die innere Harmonie zu sehr beeinträchtigen, dessen Leben wird wohl weniger aufregend verlaufen. Aber glücklicher? Das kaufe ich ihm nicht ab. Wer je seine Grenzen ausgelotet hat, der weiß, dass erlittene Schmerzen auch Glück bedeuten; man trainiert unterentwickelte Muskeln und entwickelt verborgene Fähigkeiten, um am Ende wendiger, stärker und mit einem offenem Geist noch glücklicher zu sein.

Senior Fellow W. Bradford Wilcox vom Institute for Family Studies stellte fest, „dass unter amerikanischen Eltern das Verhältnis zwischen Familiengröße und Eheglück nicht linear verläuft: "So sind die glücklichsten Ehemänner oder Ehefrauen die, die entweder keine Kinder oder vier und mehr Kinder haben. Religiöse Bindung, soziale Einbindung und ein sinnerfülltes Leben sind zentrale Punkte für die Zufriedenheit in ihrer Ehe."

Bedenkt man, dass Deutschland die fünft-größte Wirtschaftsmacht darstellt, würde man eigentlich schon erwarten, dass es einen besseren Platz als nur die Nr. 26 im Survey of World Happiness einnimmt, statt hinter Oman und Venezuela zu rangieren. Junge Deutsche mögen von der Vergangenheit verfolgt werden oder wie andere Jugendliche der westlichen Welt ihren Karriereplänen nachjagen und flüchtige Beziehungen eingehen in der Hoffnung, dass sich das große Glück dann irgendwie schon einstellt. Doch könnte man sich auch vorstellen, dass die Deutschen wieder froher wären, wenn sie sich auf ihre Werte von Glaube, Familie und Gemeinschaft besinnen würden. Elternschaft gibt dem Leben einen Sinn und dies ist für viele Menschen der Weg, dauerhaft glücklich zu sein.

Welche weiteren sozialen Faktoren beeinträchtigen die Freude an der Mutterschaft in so vielen Ländern der Welt? Geht es nicht vielmehr darum, dauerhaftes Glück anzustreben, als sich mit Nebensächlichkeiten zu begnügen, wie ein schöneres Auto, Reisen, Luxus etc.? Der Druck auf Frauen, eine Berufskarriere zu meistern, auf die sie viele Jahre hingearbeitet haben, ist sicher eine neue Erfahrung, die unsere Großmütter nicht als erstrebenswerten Lebenssinn angesehen hätten. Die Notwendigkeit, eine Balance zwischen Kindern und Karriere zu finden, ist ein bedeutender Aspekt in der Studie über die Kinderarmut der Deutschen.