Die Tribute von Panem - Catching Fire

Die Tribute von Panem - Catching Fire
Die Buch-Trilogie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins stellte nach der Verfilmung des ersten Bandes einen neuen Verkaufsrekord auf: Von den deutschsprachigen Ausgaben gingen bislang mehr als 2,5 Millionen Exemplare über die Ladentheke. Insgesamt wurde die Geschichte der Katniss Everdeen, die in einer dystopischen Zukunftsvision an einem Gladiatorenkampf auf Leben und Tod teilzunehmen gezwungen wird, in 51 Sprachen übersetzt. Im ersten Film „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ (siehe Filmarchiv) gelang es Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) durch eine List, gemeinsam zu überleben und die sogenannten 74. „Hungerspiele“ zu gewinnen. Weil der erste Film weltweit mehr als 690 Millionen Dollar (bei Produktionskosten von 78 Millionen) umsetzte, kommt nun die Verfilmung des zweiten Bandes „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ ins Kino.
Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Elizabeth Banks, Philip Seymour Hoffman, Stanley Tucci, Amanda Plummer, Jeffrey Wright
Land, Jahr: USA 2013
Laufzeit: 146 Minuten
Genre: Science-Fiction / Fantasy
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: Gewalttätige Szenen

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Sie setzt gerade in dem Moment ein, als Katniss und Peeta zur gemeinsamen Siegestour durch die 12 Distrikte des totalitären Regimes von „Panem“ aufbrechen sollen. Allerdings wird Katniss die ethische Dimension dieser „Spiele“ voll bewusst. Auf die Aussage, sie habe den Sieg verdient, antwortet sie: „Indem ich Menschen umgebracht habe“. Präsident Snow (Donald Sutherland) zeigt sich jedoch eher über die Auswirkungen von Katniss’ Popularität besorgt. Dass sie dem Kapitol die Stirn geboten hat, könnte eine Signalwirkung für die unterdrückte Bevölkerung in den verschiedenen Bezirken entfachen, die wie im alten Rom der Machtzentrale „Brot und Spiele“ in Form von Rohstoffen und den alljährlich stattfindenden „Hungerspielen“ liefern müssen.
Und tatsächlich: Bereits im ersten von ihnen besuchten Distrikt bricht ein Tumult aus, als jemand in der Menge plötzlich Katniss’ Grußgeste nachmacht. Die „Friedenstruppen“ des Kapitols schreiten zwar sofort ein, aber der Anfang ist gemacht: In der Bevölkerung regt sich Widerstand – Katniss ist zum Hoffnungsträger der Geknebelten geworden. Um dem zu begegnen, erfindet Präsident Snow mit Hilfe des neuen Spielleiters der „Hunger Games“ Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) eine hinterhältige Variante der Hungerspiele: Zum 75. Jubiläum sollen die Sieger vergangener Spiele gegeneinander antreten, so dass Katniss und Peeta wieder einmal in die Arena müssen.
Das hohe Erzähltempo des ersten Films wird in „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ teilweise noch gesteigert, insbesondere dann, wenn es um die Wiederholung von Ritualen geht, die der Zuschauer bereits aus der ersten Verfilmung kennt: Die Vorstellung der Teilnehmer samt Einzug in die zirkusähnliche Anlage des Kapitols, das Training und sonstige Vorbereitungen werden im Schnellgang absolviert, schließlich setzen die Filmemacher einfach voraus, dass den Zuschauern dies alles aus dem Vorgängerfilm geläufig ist. In der Kampfarena selbst wird alles eine Spur bombastischer als im ersten Film: Nun haben die 24 hypermodernen Gladiatoren in einem undurchdringlichen Dschungel mit allerlei Gefahren – von einem heimtückischen Giftneben über Blutregen bis zu Killeraffen – zu tun. Im Grunde besteht die Erzählstruktur jedoch in dem aus dem ersten „Panem“-Film bereits bekannten Überlebenskampf… bis zur letzten überraschenden Wendung, die in den nächsten Film überleiten soll.
Dass bei den 75. Hungerspielen nicht jeweils ein Mädchen und ein Junge im Alter von 12 bis 18 Jahren aus jedem der 12 Distrikte – so die „Spielregeln“ im Vorgängerfilm – sondern ehemalige Sieger gegeneinander kämpfen sollen, hat auch Auswirkungen auf die Besetzung. Unter den Kämpfern finden sich denn auch erwachsene Schauspieler wie Amanda Plummer und Jeffrey Wright als erfindungsreiches Paar Wiress und Beetee. Unter den neuen Gesichtern ragt insbesondere jedoch Philip Seymour Hoffman als schillernder und unheimlicher Spielleiter Plutarch Heavensbee heraus, der als Strippenzieher im Hintergrund die Mechanismen der medialen Manipulation bestens beherrscht. Übernimmt erneut Stanley Tucci die Rolle des stets gutgelaunten Moderators Caesar Flickerman, der das bitter ernste Spiel in eine oberflächliche Reality-Show umsetzen soll, so darf die von Elizabeth Banks gespielte Effie Trinket Risse in der Fassade der aufgesetzten Fröhlichkeit zeigen. Obwohl eigentlich für die Rolle der 16-jährigen Katniss Everdeen bereits zu alt, drückt Jennifer Lawrence dem Film von Anfang bis Ende ihren Stempel auf. „Die Tribute von Panem“ erzählt nicht nur aus ihrer Perspektive. Mehr als im ersten Film darf sie in „Catching Fire“ die Zerrissenheit zeigen, die aus ihrem Status als Hoffnungsträgerin wider Willen herrührt. Jennifer Lawrence verkörpert diese Zwiespältigkeit mit vielen Nuancen.
Trotz dieser im Großen und Ganzen stimmigen Besetzung liegen die Qualitäten von „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ weder in den Schauwerten einer zwar spektakulären, aber im Grunde bereits bekannten Action noch in einer Dramaturgie, die eine Überleitungsfunktion vom ersten zum finalen Teil übernimmt. Interessanter nimmt sich der gesellschaftskritische Ansatz aus. Findet der Totalitarismus seinen Ausdruck nicht nur in einer dekadenten, von den Spektakeln der medialen Realität ruhiggestellten Gesellschaft, sondern auch in der faschistisch anmutenden Architektur etwa des Zirkus und insgesamt des Kapitols, so spart diese Zukunftsvision nicht mit Kritik an einer an (heutige) Reality- und Casting-Shows gemahnenden medialen Realität.

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