Ehe und Familie aus christlicher Sicht (2)

Ehe und Familie aus christlicher Sicht (2)
Bei den aktuellen Diskussionen im Rahmen der Familienpolitik kann das Wesen von Ehe und Familie leicht aus dem Blick geraten. So möchten wir in einer Artikelserie Ehe und Familie aus der christlichen Sicht vorstellen.
von Jaume Planas
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Zu den anderen Teilen der Serie:
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Familienleben im Alltag

Jesus Christus hat uns ein Beispiel hinterlassen. „Jesu Christi menschliche Existenz umfasste mehr als die drei Jahre des öffentlichen Wirkens, nämlich ganz und gar dazugehörig und vollwertig auch die dreißig Jahre seines stillen, unauffälligen, durch und durch 'normalen' Lebens in Nazareth, diesen Alltag der Arbeit und des Familienlebens im Hause Josefs und Marias.“ (14) Die Arbeit ist nicht nur ein Schöpfungsauftrag an die Menschen (vgl. Gen 2, 15), sondern auch eine Nachahmung des Lebens Jesu Christi. Von der Geburt Christi (im Jahre 6/7 vor unserer Ära) bis zum Jahr 28, in dem sein öffentliches Leben anfing, lebte der Herr als Kind, als Jugendlicher, als junger Arbeiter mit der Heiligen Familie zusammen und lernte und übte einen Beruf. Diese verborgenen Jahre Jesu Christi sind erleuchtend, da die Erlösung sich auch in diesen Jahren vollzog. Er hat uns das Beispiel der Arbeit und des Familienleben hinterlassen.
Die Botschaft des heiligen Josefmaria Escrivá von der Berufung aller Getauften zur Heiligkeit („das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ 1 Thess 4, 3) fördert die Heiligung mittels des Berufes, des Familien- und Gesellschaftslebens, kurz: des Alltags. Dem entsprechend darf man seine Botschaft von der Familie nicht übersehen. Escrivá ist der Heilige des gewöhnlichen, alltäglichen Lebens (15): Ihm geht es darum, das normale Leben in der eigenen Familie zu heiligen und den eigenen Beruf so zu gestalten, dass er geheiligt wird und zur eigenen Heiligkeit beiträgt, so dass die Welt mit Gott, Kraft der Erlösung Jesu Christi, versöhnt wird. Dies bleibt nicht auf den Bereich der eigenen Familie und des eigenen Berufes beschränkt, sondern strahlt auf die anderen Menschen und die Gesellschaft aus.
Die meisten Menschen bleiben in Verborgenen und niemand kann messen, wie weit sie zur Heiligkeit des Volkes Gottes beigetragen haben, – sie werden nicht zur Ehre der Altäre erhoben. Trotzdem war das Leben von vielen eine echte Nachfolge Christi. Anton Ziegenaus spricht von „anonymen Heiligen“: „In Paris steht der weltbekannte Arc de Triomphe mit dem Grabmal des Unbekannten Soldaten. Während man in der Schule die großen Feldherrn und ihre Schlachten auswendig lernen musste, erinnerte man sich auf einmal des kleinen namenlosen Soldaten, der mit dem Einsatz des Lebens zum Gelingen der Schlacht beigetragen hat. In dieser Weise gibt es auch den anonymen Heiligen. Die Frau, die zehn Jahre ihren an multipler Sklerose erkrankten Mann in Liebe pflegt; der Missionar, der unter primitiven Verhältnissen Christus verkündet; die Frau, die sich gegen eine Abtreibung wehrt und dadurch ihren Partner verliert; der Kranke, der in großer Geduld seine Schmerzen erlebt. Wenn sie ihre Not in Liebe zu Christus annehmen: Warum sollten wir sie nicht zu den anonymen Heiligen zählen dürfen?“ (16) Wann wird der „unbekannten Mutter“ ein Denkmal errichtet?
(wird fortgesetzt)
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Anmerkungen
(14) Berglar, Peter: Das Opus Dei. Leben und Werk des Gründers Josemaría Escrivá. Otto Müller, Salzburg 1983, 8.
(15) Zu den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Josefmaria Escrivá gehörte ein römischer Kongreß, dessen Titel war „Die Größe des Alltagslebens“. Vgl. La grandezza della vita quotidiana. Edizioni Università della Santa Croce, Roma 2002. –Bei seiner Heiligsprechung sagte Papst Johannes Paul II.: Der heilige Josefmaria wurde von Gott dazu auserwählt, die allgemeine Berufung zur Heiligkeit zu verkünden und aufzuzeigen, dass das Alltagsleben, die gewöhnliche Beschäftigung, Weg der Heiligung ist. Man könnte sagen, dass er der Heilige des Alltäglichen war. In der Tat war er überzeugt, dass für den, der in einer Optik des Glaubens lebt, alles Gelegenheit zur Begegnung mit Gott ist und alles Anlass zum Gebet wird. So gesehen offenbart das Alltagsleben eine ungeahnte Größe, und die Heiligkeit wird wirklich für alle erreichbar. Sonderaudienz vom 7.10.2002 auf dem Petersplatz. L’Osservatore Romano (dt).: 11.10.2002.
(16) Ziegenaus, Anton: Die Berufung des Christen zur Heiligkeit, in: Stumpf, Gerhard (Hrsg.): Berufung zur Liebe. Ehe – Familie – Ehelosigkeit (9. Theologische Sommerakademie in Dießen 2001). Initiativkreis kath. Laien und Priester in der Diözese Augsburg, 2001, 279.

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