Familien-Mahlzeiten sind eine gute Vorsorge gegen Fettleibigkeit

von Nicole M. King -- ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
---

Die News Story - In einer Studie wird behauptet, dass Stehpulte in der Schule helfen könnten, Fettleibigkeit bei Kindern zu reduzieren. --- Forscher der Texas A&M Universität sind überzeugt, eine mögliche Lösung zur Bekämpfung der Fettleibigkeit bei Schülern gefunden zu haben: Stehpulte im Unterricht.

„Diese Pulte“, heißt es bei CBS Philly, „sind höher, als ein normaler Tisch, außerdem gibt es einen Hocker, auf dem der Schüler sitzen kann, wenn er möchte.“ In einem Test mit 500 Schulkindern im Schulzentrum von College Station, Texas, ermittelten die Forscher über einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Schultagen deren Schrittzahlen und Energieverbrauch. Als Ergebnis verkündeten die Wissenschaftler, dass Schüler, die Stehpulte nutzten, im Schnitt etwa 15 Kalorien mehr pro Minute verbrannten als ihre Mitschüler in der Kontrollgruppe, die an normalen Tischen arbeiteten. Fettleibige Kinder verbrannten sogar 25% mehr Kalorien, als die Mitschüler der Kontrollgruppe. „Es besteht Hoffnung, dass Stehpulte Fettleibigkeit im Kindesalter reduzieren helfen, ohne das Lernverhalten der Kinder in der Klasse zu beeinträchtigen“, resümiert CBS.

Während Stehpulte und ähnliche Maßnahmen, die Kinder aktiver werden lassen, sicher zu begrüßen sind, legen andere Forschungsergebnisse nahe, dass es sich eher um Notpflaster handelt, die die fundamentalen Gründe verdecken.

Neue Forschung - Hintergründe der Fettleibigkeit, über die niemand reden möchte.

Wenige Gesundheitsprobleme haben in den vergangenen Jahren größere Aufmerksamkeit erfahren als die Adipositas oder Fettleibigkeit bei Kindern. Da diese auch eine schlechte Prognose für Diabetes, Herzerkrankungen und andere Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter bedeutet, ist Aufmerksamkeit mehr als angebracht. Wirft man allerdings einen näheren Blick auf die Situation, stellt man fest, dass die Kommentatoren, die die Gegebenheiten so lauthals beklagen, einen wichtigen Aspekt völlig ausblenden: die gewachsene Berufstätigkeit der Mütter, die das Problem erst richtig angeheizt haben.

Dieser politisch unangenehme Hintergrund wird allerdings in der Rezension entsprechender Forschungsarbeiten von Fachleuten im Gesundheitswesen der Universität von Aberdeen, der Universität von Strathclyde und der Universität von Glasgow sichtbar. Aus der Analyse der jüngsten Studien zur Adipositas im Kindesalter aus dem Vereinigten Königreich (UK) und den USA folgern sie, dass bestimmte Verhaltensmuster im häuslichen Leben Kinder diese in gesundheitlich unbedenklichen Gewichtstoleranzen halten, andere Gewohnheiten jedoch dazu führen können, dass Kinder exzessiv zunehmen.

Wenn die Fachleute für Gesundheitsfürsorge wirklich den verstörenden Trend zur Fettleibigkeit bei Kindern umkehren wollten, sollten sie gemeinsam mit den schottischen Wissenschaftlern die jüngste amerikanische Studie unter die Lupe nehmen, in der es heißt: „Die Zahl gemeinsamer Mahlzeiten in der Familie steht in umgekehrter Relation zum Übergewicht bei Kindern bis zum Alter von sieben Jahren.“ Offensichtlich ist also das Trainingsgerät, an dem Kinder ein gesundes Gewicht einüben können, der Esszimmertisch, an dem die Familie sich gemeinsam niederlässt.

Natürlich werden gemeinsame Mahlzeiten schwierig, wenn die Mutter einer Beschäftigung außer Haus nachgeht. Deshalb verwundert auch nicht, dass die schottischen Forscher Belege, sowohl in USA- als auch UK-Studien fanden, die aufzeigen, dass „Kinder berufstätiger Mütter umso mehr Übergewicht aufbauen, je mehr Stunden die Mütter pro Woche arbeiten, insbesondere Mütter mit höherem Sozialstatus“.

Leider machen es Zwänge politischer Korrektheit schwer, diese Gegebenheiten offen und ehrlich beim Namen zu nennen. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die schottischen Forscher zum Ende ihrer Studie den Fokus wieder von den Risiken familiärer Verhaltensmuster ablenken und „Eingriffe in die Ernährung junger Kinder“ empfehlen, die „eine Beschränkung von Werbung für fett- und zuckerreiche Produkte, kleinere Essensportionen und Alternativen zu Zucker in Softdrinks nahelegen“.

Im derzeitigen akademischen Umfeld bedürfte es wohl einer besonderen intellektuellen Courage, die kulturellen Zwänge in Frage zu stellen, die Mütter aus dem Haus, in die Arbeitswelt gedrängt haben und immer noch drängen, wodurch die Gelegenheiten für gesunde Familienmahlzeiten seltener werden und häufig durch fettreiche Fast-Food Mahlzeiten ersetzt werden.

---
(Quellen:Bryce J. Christensen und Nicole M. King, “New Research,” The Family in America, Summer 2013, Vol. 27 Number 3. Study: George Osei-Assibey et al., “The Influence of the Food Environment on Overweight and Obesity in Young Children: A Systematic Review,” BMJ Open 2.6 [2012]: e001538. Web.)

Dieser Beitrag wird hier mit freundlicher Genehmigung von The Family in America, einer Publikation von The Howard Center, einem Partner von MercatorNet veröffentlicht.