Feminismus blendet den Primat des Privatlebens aus

von Belinda Brown - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Frauen, die Familie und Kinder in den Mittelpunkt stellen, werden, wie ich hoffe, den Feminismus von seinem angeschlagenen politischen Podest verdrängen und dabei helfen, eine alternative, allumfassende und gerechtere Politik zu gestalten.

Eine Politik, die die Bedürfnisse von Familien und Einzelpersonen in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellt, schafft sich einen Bezugspunkt, auf dem sie aufbauen kann, eine Art Gravitationszentrum. Politik hingegen, die nur die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zum Ziel hat und deshalb dafür sorgt, dass alle Frauen gezwungen sind, zu arbeiten, hat ihren Sinn entstellt.

Viele Frauen sind überzeugt, dass die Gestaltung des Lebens in der Geborgenheit von Familie und die Haushaltsarbeit eine nachhaltigere und höhere Bedeutung für das Wohlergehen der Gesellschaft haben und wertschätzen dies mehr, als die Betätigung im öffentlichen Raum und der Politik. Eine solche Haltung hat weitreichende Auswirkungen auf den Feminismus. Liest man ältere feministische Schriften, bemerkt man schnell, dass das ganze Fundament dieser Ideologie darauf beruht, den öffentlichen Raum als wichtigstes Betätigungsfeld darzustellen - und das ist der Grund, weshalb Frauen in diesem Raum als nachrangig betrachtet werden, was sich in geringerer Partizipation in Politik und Arbeitsleben (schlechterer Bezahlung) manifestiert. Und weil nun der öffentliche Raum als der wichtigste gilt, nimmt man an, dass Frauen sich auch im privaten Bereich unterordnen müssen.

Wenn Frau jedoch überzeugt ist, dass das private Umfeld für sie mehr bedeutet, weil Frau dort selbstbewusster und professioneller als alle Männer arbeitet, dann bricht das Denkgebäude der Feministen in sich zusammen. Es ist doch wirklich unerheblich, ob Männer im öffentlichen Raum mit höherem Status und mehr Macht ausgestattet sind, denn eben dieser öffentliche Raum ist dazu da, den Interessen des privaten Raumes zu dienen und wir wissen, wer dafür Verantwortung zu tragen hat. Was hier auch noch anzumerken wäre: der Konkurrenzdruck in Firmen und Behörden ist immens, Geld verdienen ist mühsam, stressig, oft unerfreulich und einer der Gründe, weshalb Männer eine geringere Lebenserwartung haben.

Doch es geht noch tiefer. Der Feminismus hat sich so lange und intensiv auf den Status der Frau im öffentlichen Raum kapriziert, auf Frauenquoten in Politik und Unternehmen, auf Gleichstellung am Arbeitsplatz usw., dass er höchst fahrlässig nicht nur die Sicht auf die Familie ausgeblendet, sondern vielmehr auf Familie, Kindern, Gemeinschaften, unseren Männern, also allem, was für uns Frauen Bedeutung hat, herumtrampelt.

Aber es wird sogar noch schlimmer. Feministen haben es Frauen, die sich auf die Entwicklung ihrer Familie, ihrer Kinder und ihres gesellschaftlichen Umfelds konzentrieren wollen, immer schwerer gemacht. Frauen werden angeprangert und enormem sozialen Druck ausgesetzt, wenn sie etwas unternehmen, was nicht nach bezahlter Berufsarbeit riecht, und dabei sind die Feministen mit verantwortlich für den ökonomischen Druck auf die Familien.

Wenn es so viele Familien mit hohem Einkommen durch Doppelverdienst gibt, die sich für Häuser interessieren, bleibt Wohnraum für Familien mit Kindern oft unerreichbar teuer. Das System der Besteuerung, in dem Personen individuell und unabhängig davon, ob sie familiäre Verpflichtungen haben, zur Kasse gebeten werden, liegt voll auf der Linie feministischer Ziele. Und es sind die Feministinnen, die hinter der Strategie stehen, nach der jede Frau arbeiten soll.

Der Feminismus hat sich für sozial schwache Frauen als besonders benachteiligend erwiesen. Die Frauen, die putzen gehen oder Kinder hüten, sind nicht die, die immer weiter auf der Karriereleiter nach oben streben, um ihren sozialen Status auszubauen. Den erstgenannten geht es darum, einen Mann zu haben, der sie unterstützt und das finanzielle Auskommen sichert. Feministische Parolen helfen hier nicht weiter. In dem Maße, wie Frauen in den Arbeitsprozess eingetreten sind, wächst die Arbeitslosigkeit bei Männern. In beinahe allen Berufen kommen Frauen besser voran als Männer. Junge Männer haben geringere Chancen auf Ausbildungsplätze und im gesamten Bildungssystem fallen Männer deutlich zurück.

Feminismus hat sich deshalb als besonders zerstörerisch herausgestellt, weil er Ich-Bezogenheit fördert; so spricht er besonders gebildete Frauen an, die eifrig an der Verbesserung ihrer Position arbeiten, jedoch den Konsequenzen ihres Tuns für sich und andere keine Beachtung schenken.

All dies scheint mir im direkten Widerspruch zum weiblichen Geschlecht zu stehen. Frauen haben die Mission, das Leben weiterzugeben und für den Schutz der Kinder zu sorgen. Egal, ob wir selbst Kinder haben oder nicht; ich bin überzeugt, dass uns dies zu einem direkten und handfesten Interesse an der Welt und ihren Bewohnern, ja selbst an der Zukunft der Menschheit bewegt. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir unseren Fokus mehr auf unsere Umwelt richten müssen, prüfen, inwieweit politische Strategien, die wir unterstützen, indirekt Kinder beeinträchtigen, wie sie Frauen mit geringer Bildung oder schwachem Sozialstatus tangieren und schließlich unsere Brüder, Väter, Söhne und Freunde betreffen mögen.

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Belinda Brown ist Honorary Research Associate am University College London und Fellow of the Young Foundation. Sie versorgt zur Zeit ihren versehrten Ehemann.
Der Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von The Conservative Woman
übernommen.