Flashmob, unmöglich ohne soziale Medien DENYSE O'LEARY

von Denise O'Leary - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Zunächst eine Definition des Flashmob: Menschengruppe, die durch soziale Medien mobilisiert, sich im öffentlichen Raum versammelt, mit der Absicht, eine ungewöhnliche oder unterhaltsame kurze Aktion durchzuführen.

Hier das Video einer Aktion 2010 in Ottawa, Canada. Sie ist wohl Beispiel dafür, wie die Idee begonnen hat. Doch leider gibt es auch Beispiele, die durchaus keine Freude auslösen:

Etwa 400 Teenager, mobilisiert über Smartphones mit falschen Versprechungen (ein bekannter Rapper solle auftreten), versammeln sich Ende 2013 in einem Brooklyner Einkaufszentrum, verwüsten und plündern Läden, bestehlen und misshandeln Ladenbesitzer und Passanten. „Sie spielten das, knockout-Spiel“ gab Shante, eine 21jährige Parfüm- Verkäuferin zu Protokoll und bezeichnete damit einen brutalen Trend, bei dem Jugendliche versuchen, ein argloses Opfer mit einem einzigen Schlag außer Gefecht zu setzen.

Hierzu auch der Beitrag „Teen wegen Brutalität bei Flashmob angeklagt“ (auch von 2013): Die Festnahme eines 16jährigen erfolgte, nachdem die Polizei Anzeige gegen neun weitere Jugendliche erstattete, die an einer Welle von Gewalttaten entlang des Hollywood Walk of Fame am 16. Juli beteiligt waren. (Der Videobeitrag wurde auf YouTube gelöscht [AdÜ])

Soziale Medien erleichtern es großen Gruppen, kriminelle Aktionen zu koordinieren. Würde man versuchen, die Koordination durch Anrufe über ein altes Telefon mit Wählscheibe zu realisieren, wäre man zum Scheitern verurteilt.

Im Zusammenhang mit der Kontroverse über die Handlungsweise eines Polizisten, der ein Mädchen bei einer Pool-Party in McKinney, Texas unsanft behandelte, schrieb ein Analyst: Soziale Medien spielten eine wichtige Rolle:

Die Wahrheit, über die allerdings niemand spricht, ist, dass die Polizei keine Idee hat, wie sie mit dem Flashmob-Phänomen umgehen soll: dem plötzlichen Auftauchen großer Gruppen Jugendlicher, durch Soziale Medien mobilisiert und gesteuert, die oft außer Kontrolle geraten und sich schlecht benehmen.

Die Jugendlichen in McKinney randalierten zwar, man konnte sie aber nicht als kriminell bezeichnen, daher wird die Angelegenheit so kontrovers diskutiert. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre sicher der, dass die Polizei sich ebenfalls sozialer Medien bediente. Es hilft ihnen nichts, wenn Jugendliche, egal ob chaotisch, kriminell oder einfach unangepasst, einen riesigen Kommunikationsvorsprung vor der Polizei haben.

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Denyse O’Leary ist kanadische Journalistin, Schriftstellerin und Blogger.