Francesco und der Papst

Francesco und der Papst
Seit im April 2005 mit Benedikt XVI. ein Deutscher den Stuhl Petri bestieg, ist das Interesse am „kleinsten Staat der Welt“ in der deutschen Öffentlichkeit spürbar gestiegen. Wobei nicht etwa der „Kirchenapparat“ selbst, die Arbeit in der römischen Kurie, sondern vielmehr das alltägliche Leben der Vatikan-Bürger im Vordergrund verschiedener Reportagen und Dokumentationen steht.
Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Ciro Cappellari
Darsteller (Mitwirkende): Francesco Giuffra, Marcello Giuffra, Lorenzo Giuffra, Rosa Maria Giuffra, Stefano Giuffra
Land, Jahr: Deutschland 2010
Laufzeit: 86 Minuten
Genre: Dokumentarfilm
Publikum: alle (FSK: ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

So beispielsweise in der im April 2010 vom ZDF ausgestrahlten Dokumentation von Christel Fromm und Cristina Trebbi mit dem bezeichnenden Titel „Alltag im Vatikan“ oder in Richard Ladkanis Dokumentarfilm für den Bayerischen Rundfunk „Vatikan – Die verborgene Welt“, den die ARD am 6. Januar dieses Jahres sendete. Um einen Einblick in das Leben hinter den Vatikanischen Mauern zu vermitteln, stellen diese Dokumentationen verschiedene Menschen vor, die dort arbeiten und zum Teil auch leben.
Im Gegensatz zu diesem, aus unterschiedlichen Blickwinkeln entstandenen mosaikartigen Bild des Vatikans konzentriert sich der Dokumentarfilm von Ciro Cappellari „Francesco und der Papst“ auf den elfjährigen Francesco Giuffra, einen römischen Jungen, der mit seiner alleinerziehenden Mutter, seinem Zwillingsbruder Lorenzo und dem etwas älteren Marcello in Rom lebt. Francesco spielt gerne Fußball und ist begeisterter Pfadfinder. Etwas unterscheidet den etwas pummeligen Jungen jedoch von den meisten seiner Gleichaltrigen: Francesco singt im Knabenchor „Pueri Cantores“, der zusammen mit einigen erwachsenen Männern die päpstlichen Liturgien begleitet. Wie der Zuschauer im Laufe der Dokumentation erfährt, leiden die „Pueri Cantores“ seit einigen Jahren unter Nachwuchsmangel. Der Chorleiter, Monsignore Liberto, kämpft um das Überleben einer 1400-jährigen Tradition. Aber auch Francesco hat einen schweren Stand unter seinen Brüdern, die seinem scheinbar privilegierten Leben und wohl deshalb auch dem Glauben im Allgemeinen eher ablehnend gegenüberstehen. Francescos großer Wunsch ist es, einmal in der Sixtinischen Kapelle das alljährliche Solo vor dem Heiligen Vater zu singen. Dank seiner einzigartigen Stimme wird der Junge tatsächlich ausgewählt, eine Aufgabe zu übernehmen, die bisher nur Erwachsene durften. Parallel zu den Proben, die sich Francesco in der Zeit bis zu seinem Auftritt unterzieht, begleitet „Francesco und der Papst“ den Heiligen Vater auf seinen Auslandsreisen sowie während des Alltags im Vatikan.
Einige Einblicke, die Ciro Cappellaris Kamera in das Leben des Papstes gewährt, sind durchaus interessant. Dies gilt etwa für die berühmt gewordene Pressekonferenz von Benedikt XVI. auf dem Flug nach Kamerun im Jahre 2009, als der Heilige Vater als Lösung für die Aids-Frage einzig „eine spirituelle und menschliche Erneuerung“ ansprach, und die Worte äußerte: „Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem.“ Die privaten Momente im Leben Benedikts, die ihn etwa im stillen Gebet und auf Spaziergängen in den vatikanischen Gärten zeigen, gleichen allerdings den Bildern in der ARD-Dokumentation „Vatikan – Die verborgene Welt“ aufs Haar. Darüber hinaus fügen sich einige Szenen, etwa die Privataudienzen für Prinz Albert von Monaco sowie für die ehemalige Premierministerin der Ukraine Julija Tymoschenko dramaturgisch kaum in den Film ein. Der Versuch, „ein Jahr im Leben des Papstes“ auf Film zu bannen, wirkt recht beliebig – im Unterschied zu Francescos Geschichte, die durchaus stimmig auf ihren Höhepunkt zusteuert. Die Verknüpfung der zwei Parallelstränge in „Francesco und der Papst“ leidet vornehmlich darunter, dass sich die Lebensläufe seiner zwei Protagonisten einfach viel zu asymmetrisch zueinander verhalten.
Dennoch: Regisseur Cappellari gelingt es, dank seines sympathischen Protagonisten mit „Francesco und der Papst“ einen angenehm unaufgeregten, einnehmenden Einblick in den Vatikan zu gewähren sowie ein „authentisches und würdevolles Bild des Papstes“ (Produzent Peter Weckert) zu zeichnen.

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