Frauen und ihre Gefühle

von Tamara Rajakariar - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Oft, wenn ich mich aufrege, meine ich, mich entschuldigen zu müssen, auch wenn ich einen vernünftigen Grund für meinen Ärger hatte. Ich versuche gerecht gegen mich selbst zu sein; wenn ich zu der Auffassung komme, zu empfindlich gewesen zu sein, denn ich möchte eher als rationale, denn als emotionale Frau angesehen werden. Ob das meine Geschlechtsgenossinnen wohl verstehen?

Nun, ich habe soeben einen recht guten Beitrag in der New York Times mit dem Titel Medicating Women’s Feelings (Therapie weiblicher Gefühle) gelesen, und bin zu dem Schluss gekommen, dass Gefühle etwas Gutes sind.

Allerdings möchte ich zunächst etwas klar stellen.

Erstens: habe ich nie geglaubt, dass Gefühle per se schlecht sind - nur Logik schien mir noch besser. Ich bin der Meinung, dass der Logik das letzte Wort zukommen sollte, doch allein die Tatsache, dass wir beide Fähigkeiten - Logik und Gefühle - besitzen, bedeutet, dass beide eine wichtige Rolle spielen, keine der beiden jedoch dominieren sollte.

Zweitens: Dies ist keine feministische Tirade darüber, wie uns die Männer ein schlechtes Gewissen über unsere Emotionen suggeriert haben und wir sie deshalb verteufeln müssen. Auch will ich keine Frau als neurotische, emotionale Kreatur typisieren.

Und drittens: möchte ich hier niemanden in Schutz nehmen, der ständig seine Gefühlswelten anderen aufdrängt oder allen möglichen Launen frönt.

Mir ist allerdings klar geworden, dass, wenn unsere Gefühle angesprochen sind und wir ihnen nicht gänzlich die Kontrolle über uns überlassen, sie durchaus gesund, normal und einem glücklichen Leben förderlich sind. Gefühle gehören ganz einfach zur biologischen Ausstattung der Frau und haben deshalb, wie alle anderen biologischen Eigenschaften, einen Sinn.

Wie in dem o. a. Beitrag von Julie Holland, einer New Yorker Psychiaterin beschrieben, sind wir launenhaft, besser, „wir sind darauf programmiert, empfindsam auf unsere Umwelt zu reagieren, Empathie gegenüber den Bedürfnissen unserer Kinder zu zeigen und intuitiv gegenüber den Intentionen unseres Partners zu sein“. Wir sind besser in der Lage, die Gefühle anderer zu erspüren und unsere eigenen Leidenschaften auszuleben (Eisbecher und ähnliches), anstatt sie zu blockieren und zu verheimlichen. Ich finde das gut!

Es sind Zeichen für Gesundheit, nicht für Krankheit. Und dennoch suchen wir oft nach Heilung von unseren sog. Launen, denn wir glauben, mit uns sei etwas nicht in Ordnung. Holland weist darauf hin, dass mittlerweile eine von vier Amerikanerinnen regelmäßig Psychopharmaka einnimmt und dennoch Frauen doppelt so häufig wie Männer mit Depressionen oder Angststörungen diagnostiziert werden. Klar, es gibt viele, die Medikamente nehmen müssen, doch haben wir überhaupt schon einmal darüber nachgedacht, dass vielleicht viele einem bestimmten Trend folgen, der ihnen nahelegt, ihre Gefühle zu unterdrücken? Wenn sie nicht wirklich krank sind, bedeutet es, dass sie ihren Körper völlig unnötig mit Medikamenten vollstopfen, und das Gehirn gerade in Momenten, wo es wichtig wäre, ein bestehendes Problem zu lösen, ihnen sagt: „alles ist gut“. Das ist ein Dilemma, das im Lauf der Zeit zu immer mehr ungelösten Problemen führen wird.

Ein weiteres Problem als Folge der Einnahme von zu vielen oder ungeeigneten Psychopharmaka ist, dass Emotionen künstlich anmuten oder fixiert werden. Wollen wir wirklich eine „Happy Pill“, eine Pille, die alle vorhandenen Sorgen vergessen macht? Natürlich sind manche Ereignisse belastend, doch brauchen wir auch sie. Wie könnten wir sonst angemessen mit dem Verlust eines lieben Menschen oder mit der Kommunikation in unseren Beziehungen umgehen? Woher sonst sollte uns die Motivation zufließen, als Person zu reifen? Ich behaupte, wir brauchen mehr Gefühle in der Welt, nicht weniger; weniger Gefühle würden uns nur gegenüber unserer Umwelt erkalten und gleichgültig werden lassen.

Doch wie in allen solchen Fällen ist es nötig, den Königsweg zu finden und zu gehen. Wie können wir wissen, ob wir ganz legitim und voll Empathie Gefühle äußern, oder in einer Aufwallung von Verschrobenheit oder irrationaler Anschuldigung Ausdruck geben? Tja, wie? Ich denke, wir Frauen wissen das wohl, immerhin haben wir das extra Quäntchen Intuition.