Frauenquote durch Sanktionen für die Universität?

Frauenquote durch Sanktionen für die Universität?
Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger, fordert in einem Gespräch mit „Die Zeit“ vom 19.07.07 Sanktionen für die Universitäten, in denen der Frauenanteil bei den Professoren nicht innerhalb einer bestimmten Zeit eine festzulegende Quote erreicht hat.
Gemäß den Aussagen des Statistischen Bundesamtes herrscht in Deutschland nur Gleichberechtigung bei den Studienanfängern. Bei den Promotionen liegen Frauen schon knapp unter 40 Prozent, bei den Habilitationen bei 23 Prozent. Von den Professorenstellen werden weniger als 15 Prozent in Deutschland von Frauen bekleidet, bei den besser bezahlten Lehrstuhlinhabern stellen sie noch keine 10 Prozent. Im europäischen Ausland sieht es im Vergleich für die Frauen meist erheblich besser aus, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass nicht in allen Ländern, vor allem in Osteuropa, die Stellung der Professoren gleich gut wie in Deutschland ist.
„Quotenfrauen“ als Lösung?

Im Interview mit „Die Zeit“ plädiert Jutta Allmendinger dafür, mit einschneidenden Maßnahmen die Universitäten zu zwingen, den Frauenanteil unter den Professoren zu erhöhen, selbst auf die Gefahr hin, dass sie zunächst als „Quotenfrauen“ bezeichnet werden: „Seit 1998 ist der Anteil der Frauen unter den deutschen C4- beziehungsweise W3-Professoren von 7 auf 9 Prozent gestiegen. Geht es in diesem Schneckentempo weiter, haben wir die Chancengleichheit nicht vor Ende des 21. Jahrhunderts. Wir brauchen klare Zielvorgaben: Welchen Prozentanteil Frauen möchte die Humboldt-Universität bis wann erreichen? Welchen die TU München? Welchen die Uni Bonn? Wenn diese poolbezogenen Vorgaben nicht erreicht werden, muss es Sanktionen geben, etwa in Form von Mittelabzügen durch die jeweilige Landesregierung oder den Bund – in einer Höhe, die wehtut. Sonst wird sich nichts ändern.“
Bedenken des Wissenschaftsrates

Der Wissenschaftsrat, dessen Mitglied Allmendinger ist, konnte sich allerdings vergangene Woche nicht auf die Forderung nach einer Quote einigen, auch wenn er seit 1998 sich dafür einsetzt, mehr Frauen in die Universitäten zu holen.. Er hatte lediglich angemahnt, die Bewerbungsverfahren für die Promotion oder die Professur transparenter zu gestalten. Darin besteht ein weiterer Kritikpunkt von Allmendinger, die an den Universitäten nur Männernetzwerke in Aktion sieht: „Die Chance zu promovieren etwa wird vielerorts noch per Schulterklopfen vergeben, nach dem Motto: Wollen Sie nicht bei mir promovieren? Der Professor schickt seinen Schüler auf internationale Konferenzen, hilft ihm, aus der Dissertation Aufsätze für renommierte Zeitschriften zu schreiben. Er weiß: Später bekommt er seinen Einsatz vergolten. Etwa indem der Schüler ihn einlädt, in einem Herausgeberband zu schreiben. Schon nach der statistischen Wahrscheinlichkeit lohnt es sich mehr, einen Mann zu fördern.“
Es bleibt beim Kampf der Geschlechter

Allmendinger will beschleunigt „Frauennetzwerke“ aufbauen, die ihnen die gleichen Chancen geben wie den Männern. Denn sie ist überzeugt davon: „Frauen bringen in Forschung und Lehre die gleiche Qualität, das ist belegt. Wissenschaftlerinnen mit Kindern veröffentlichen nicht weniger oder in minderer Qualität.“
In Deutschland gibt es seit einigen Jahren Programme zur Förderung von Frauen bei der Besetzung von Professorenstellen. In der Leitung von Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen ist ihr Anteil in den letzten 10 Jahren nur langsam von 5,1 Prozent auf 8,7 Prozent im Jahr 2005. Unter den 355 Rektoren und Präsident findet man im Jahr 2005 nur 31 Frauen.
Die Frage, ob es überhaupt eine so große Zahl von Frauen gibt, die in die entsprechenden Positionen an den Universitäten aufrücken wollen, wird nicht gestellt. Es muss einen freien Wettbewerb geben; wo Benachteiligungen vorliegen, müssen sie abgebaut werden.
Aber den Universitäten ist wohl nur damit gedient, wenn die geeignetesten Kandidaten Professoren werden, egal ob Frauen oder Männer.
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