Hat häusliche Gewalt etwas mit Gender-Ungleichheit zu tun?

von David Quinn - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Den 25. November haben die Vereinten Nationen als internationalen Tag für die Abschaffung von Gewalt gegen Frauen ausgerufen. Bis zum10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte hat die UN Frauenorganisation eine 16-tägige Kampagne gegen genderspezifische Diskriminierung gestartet, deren Ziel in diesem Jahr ist, Geld für Aktionen zu sammeln.

Obwohl Frauen selbst oft zur Gewalt neigen, speziell in der häuslichen Sphäre, sind die Schuldigen hier unbedingt die Männer. Aber was für Männer? Was macht es wahrscheinlich, dass ein Mann sich gegen Frau oder Kind(er) gewalttätig zeigt? Diese Frage wird nur selten objektiv und mit wissenschaftlicher Präzision gestellt, wie David Quinn vom Iona Institute in folgendem Kommentar feststellt.

In  Dublin ging vor einigen Tagen eine Konferenz mit dem Titel „Safe Ireland“ zu Ende. Ihr Ziel war, auf Gewalt gegen Frauen und Kinder aufmerksam zu machen und Wege zu finden, sie zu verhindern. Allerdings wurde eine wichtige Facette nicht hinterfragt, ob nämlich Gewalt auch etwas mit Familienstruktur zu tun hat. Ein gravierendes Versäumnis.

Die Ansagerin Olivia O’Leary warnte dass „traditionelle Familien-Werte Gewalt zu einem großen Anteil begünstigen”. Das mag in den Fällen richtig sein, wenn sie mit traditionellen Familien-Werten eine Tendenz beschreibt, Familie als unantastbar zu sehen und vorzugeben, dass überhaupt nichts falsch gemacht werden kann, wenn ein Kind von seinen verheirateten, biologischen Eltern aufgezogen wird. Doch davon abgesehen, ist es nicht hilfreich diesen Punkt zu vertiefen, da man leicht übersieht, dass häusliche Misshandlungen öfter in ganz bestimmten familiären Strukturen vorkommen.  

Es ist ein delikater Punkt. Niemand möchte voreingenommen erscheinen und deshalb möchte sich auch kaum jemand damit befassen. Doch liegt diese Haltung auf einer Linie mit den Vorkommnissen in den englischen Städten Rotherham und Rochdale, wo Sexattacken und Vergewaltigungen meist unmündiger weißer Mädchen durch hauptsächlich pakistanische Männer vertuscht wurden, weil man fürchtete, Rassismus zu schüren. Insofern kann „politisch korrektes Verhalten“ ebenso „Gewalt zu einem großen Anteil begünstigen“, wie es auch bei den „traditionellen Familien-Werten“ möglich ist

In der Tat besteht ein Zusammenhang zwischen Familienstruktur und häuslicher Gewalt. Die folgende Tabelle belegt dies eindeutig. Sie ist das Ergebnis einer Untersuchung des National Survey of Children’s Health von 2011-2012, ausgeführt vom U.S. National Center for Health Statistics, in deren Verlauf immerhin 95.677 Eltern von Kindern unter 17 Jahren befragt wurden.

Diese Eltern wurden befragt, ob ihr Kind irgendwann einmal gehört oder gesehen hat, dass „Eltern, Aufsichtspersonen oder andere Erwachsene im Haushalt sich geprügelt, geschlagen, getreten, geboxt oder gegenseitig verletzt haben.”

Wie dieser Artikel, den das Institute for Family Studies in den USA hervorhebt, sind die ermittelten Ergebnisse wirklich krass. Kinder, die mit ihrer geschiedenen, oder getrennten Mutter zusammenwohnen, erlebten 7mal häufiger häusliche Gewaltanwendung, als Kinder, die bei ihren beiden biologischen Eltern leben. Manche Wissenschaftler führen an, dass andere Faktoren, wie Armut, Erziehungsdefizite oder mentale Problem mitverursachend sind, doch schließen die Ermittlungen diese Faktoren explizit aus.

Hat die Mutter nie geheiratet, im Unterschied zu geschiedenen oder getrennt lebenden Müttern, musste das Kind immerhin noch 6mal häufiger häusliche Gewaltanwendung miterleben, als Kinder, die bei beiden biologischen Eltern leben. 116 Kinder pro tausend – das ist ein hoher Anteil

Mit anderen Worten, wenn uns wirklich das Problem häuslicher Gewalt bedrückt, müssen wir die Familienstrukturen unter die Lupe nehmen und nicht nach Ausflüchten suchen, weil wir niemanden verletzen wollen. Der Wunsch, niemanden verletzen zu wollen, ist zwar in sich gut, doch sollte er uns nicht davon abhalten, die Fakten zu benennen und hier belegen diese, dass bestimmte Familienstrukturen das Problem sind.

Wird man auf dem nächsten Treffen das Problem klar und deutlich beschreiben, oder, wenn es schon nicht unter den Tisch gekehrt werden kann, Ausflüchte suchen?

Zumindest sollten die Veranstalter einen kompetenten Redner einladen, der die Probleme fair und objektiv beschreibt und eine vernünftige Diskussion zum Thema in Gang setzen kann. Die Fakten müssen öffentlich gemacht werden und nicht ausgeblendet werden, wie man es immer schon im traditionellen Irland gehalten hat, wo alles, was unpassend schien, verdrängt wurde.

Hier und hier Informationen zu Familienstruktur und Kindesmisshandlung.
Die Ergebnisse sind besorgniserregend vergleichbar.

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David Quinn ist Direktor des Iona Institute in Irland.