Hail, Caesar!

von José García
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Joel und Ethan Coen gehören zu den amerikanischen Filmregisseuren, deren Filmwerke zwischen der sogenannten „Independent-Szene“ und dem Hollywood-Mainstream schwanken. Im eher zur ersten Kategorie gehörigen Film „Barton Fink“ (1991) lieferten sie eine bitterböse Abrechnung mit dem Studiosystem im Hollywood der 1940er Jahre. Barton Fink ist ein vielversprechender, naiver Broadway-Autor, der aus Hollywood ein lukratives Angebot erhält: Für die (fiktiven) Capitol- Studios soll Barton ein Drehbuch entwickeln. Aber eigentlich gerät er in einen Strudel von Traumwelt und Wahnvorstellung.

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Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Joel und Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, Alden Ehrenreich, George Clooney, Max Baker, Ralph Fiennes, Heather Goldenhersh, Tilda Swinton
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 106 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: --
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Mit dem mainstreamigeren, Star-besetzten Spielfilm „Hail, Caesar!“, der die diesjährige Berlinale eröffnete und nun im regulären Kinoprogramm startet, kehrt das Autoren- und Regiebruderpaar zu den „Capitol Studios“ zurück, wobei ihr neuer Film etwa anderthalb Jahrzehnte später als „Barton Fink“, in den 1950er Jahren, angesiedelt ist. Zwar verteilt „Hail, Caesar!“ immer wieder Seitenhiebe gegen die Filmindustrie, und insbesondere gegen das Studiosystem. Insgesamt aber nimmt sich der neue Film der Coen-Brüder als eine Hommage an die Magie des Kinos aus.

„Hail, Caesar!“ begleitet einen Tag lang Capitol-Produzent Eddie Mannix (Josh Brolin) in seiner Tätigkeit als eine Art Feuerwehrmann für alle Probleme im Zusammenhang mit den Studioproduktionen und besonders mit deren Stars. Laut den Filmemachern ist die Figur eine Kombination aus dem echten Eddie Mannix (1891–1963) und dem MGM-Publicity-Manager Howard Strickling. Die beiden genossen den Ruf, jedes noch so delikate Problem für MGM lösen zu können. Joel und Ethan Coen zeichnen Eddie Mannix als praktizierenden Katholiken. Der Film beginnt denn auch mit einer von Chorälen untermalten langen Einstellung eines Kruzifixes in einer Kirche, in der Mannix mit einem Rosenkranz in der Hand die Beichte ablegt. Beinah spiegelbildlich wird „Hail, Caesar“ 27 Stunden später enden – mit einer erneuten Beichte und mit einer Entscheidung, die Eddie Mannix wieder mit dem Rosenkranz in der Hand trifft.

Dass aber dieser Eddie Mannix auch eben Probleme aus der Welt schaffen kann, davon handelt „Hail, Caesar!“ So etwa, als es darum geht, Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften – einen Rabbiner, einen katholischen Priester, einen orthodoxen Popen und einen protestantischen Pastor – davon zu überzeugen, dass der neue Jesus- und Sandalenfilm „Hail, Caesar!“, den die Capitol-Studios zurzeit drehen, den Glauben der amerikanischen Bürger nicht verletzten wird. Schwieriger wird es für Mannix, als ausgerechnet der Hauptdarsteller des Sandalenfilms, Baird Whitlock (George Clooney), entführt wird. Eddie Mannix muss möglichst schnell das Lösegeld beschaffen und Whitlocks Aufenthalt herausfinden. Und dies, ohne dass die auf Nachrichten über den Star lauernden Zwillingsschwestern-Journalistinnen Thora und Thessaly (Tilda Swinton in einer Doppelrolle, mal als Klatsch-, mal als Gesellschaftsjournalistin) von der Entführung erfahren.

Doch damit enden nicht die Probleme, die Mannix innerhalb eines einzigen Tages lösen muss. Da ist noch der missmutige Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes), der mit dem Westernhelden Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) als Darsteller eines eleganten Dramas gar nichts anfangen kann. Darüber hinaus sucht Mannix auch für die „Wassernixe“ DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) einen medienfreundlichen Weg aus ihrem persönlichen Schlamassel. Schließlich muss er auch noch herausfinden, warum sich Gesangs- und Tanz-Superstar Burt Gurney (Channing Tatum) schon wieder so merkwürdig verhält. Eddie Mannix muss noch das Angebot einer Luftfahrt-Firma prüfen, die ihm ein lukratives Angebot in einer „seriösen“ Branche unterbreitet.

Auch wenn sich der eine oder andere dieser „Filme im Film“ – so etwa der Matrosen-Stepptanz – etwas in die Länge zieht, auch wenn der Nebenstrang mit den kommunistischen Drehbuchautoren nicht ganz so komisch wirkt, bietet das Konzept der „Filme im Film“ einen guten Einblick in das sogenannte Studiosystem des klassischen Hollywood mit seinen unterschiedlichen Genres. Die Coen-Brüder hatten offenbar viel Spaß bei der Schilderung eines Studiosystems, das allerdings eigentlich ihrer eigenen Art, Filme zu machen, entgegengesetzter nicht sein könnte. Die Hommage an die Kraft des Kinos kommt darüber hinaus bei einigen Szenen deutlich zum Ausdruck. Nachdem der Zuschauer Zeuge etlicher fruchtloser Versuche des Cowboy-Darstellers Hobie Doyle gewesen ist, ins dramatische Fach zu wechseln, kann er im Schneideraum die fertige Szene beobachten. Ähnliches geschieht mit der Szene der Bekehrung des von Baird Whitlock verkörperten Centurios unter Jesu Kreuz im Film im Film. Die Kamera fährt an den Set-Mitarbeitern entlang, die sich dem Charisma des von George Clooney gespielten Baird Whitlock nicht entziehen können und von Emotionen überwältigt werden ... bis Joel und Ethan Coen den Schleier lüften, und deutlich machen: Dies ist die Kraft der bewegten Bilder!

Hinter dem bunten Treiben an den verschiedenen Sets verbirgt sich freilich auch eine gewisse Kritik an einem System, das die Stars als sein Eigentum betrachtete. Auch die Darstellung der „roten“ Drehbuchautoren, die sich ausgebeutet fühlen, gemahnt an die McCarthy-Ära und die „Schwarze Liste“, die damals in Kommunismus-Verdacht stehenden Filmemachern das Arbeiten in Hollywood unmöglich machte. Dennoch überwiegt in „Hail, Caesar!“ die Hommage an das klassische Zeitalter des Kinos.