Hausmänner: Machen sie einen guten Job?

In den vergangenen 10 Jahren war ich der Hausmann in unserer Familie, während meine Frau in Vollzeit arbeitete. Das ist heutzutage nicht ungewöhnlich, es gab in den letzten Jahren einen wahren Boom bei Hausmännern. Heute findet man sie überall: Väter, die Kinderwagen schieben, Wutanfälle im Supermarkt beschwichtigen, oder ihre Kinder auf dem Spielplatz beaufsichtigen.

von David Vincent - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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In den vergangenen 10 Jahren war ich der Hausmann in unserer Familie, während meine Frau in Vollzeit arbeitete. Das ist heutzutage nicht ungewöhnlich, es gab in den letzten Jahren einen wahren Boom bei Hausmännern. Heute findet man sie überall: Väter, die Kinderwagen schieben, Wutanfälle im Supermarkt beschwichtigen, oder ihre Kinder auf dem Spielplatz beaufsichtigen.

Die australische Statistikbehörde verlautete kürzlich, dass mittlerweile fast 40.000 Männer zu Hause tätig sind. Einige Medien vermelden, die Zahlen seien noch höher. In jedem Fall wächst die Zahl der Hausmänner stetig. Das Magazin Perspective berichtete in seiner Juni-Ausgabe 2013, dass sich mittlerweile TV-Programme und Webseiten verstärkt dieser neuen „Zielgruppe“ widmen.

Doch muss man immer wieder die Frage stellen: Sind Väter eigentlich für den Job geeignet? Schaffen sie es, gerade in einer Gesellschaft, die auf Männer intensiven Druck ausübt, mehr zu sein, als nur „einfacher Hausmann“?

Viele Hausmann-Kollegen, die ich kenne, machen einen klasse Job. Männer können Hausarbeit meist genauso gut verrichten, wie es Frauen können. Man scheint allerdings zu erwarten, dass Männer in dem Job all das und noch mehr leisten.

Die größten Herausforderungen

Ebenso wie Vollzeit-Mütter stehen Männer zu Hause vor großen und gelegentlich entmutigenden Herausforderungen. Wenn es z. B. darum geht, die Kinder pünktlich zur Schule zu bringen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: die Kinder trödeln, sind noch nicht fertig, das Frühstück noch nicht aufgegessen, Zähne putzen, anziehen, Schulranzen kontrollieren…man kennt das schon. Natürlich lernen sie im Lauf der Zeit, all diese Dinge selbst zu tun, doch sind die Vorbereitungen an Schul-Tagen andere, als an Sport-Tagen, Ausflugs-Tagen, etc. vielleicht muss noch Medizin verabreicht, Hilfe beim Binden der Schuhriemen geleistet werden und, und, und, so dass das pünktliche Verlassen des Hauses zur entnervenden und zeitaufwändigen Herausforderung gerät.

In den etwa 6 Stunden, in denen die älteren Kinder die Schulbank drücken, ist reichlich zu tun, z. B. einzukaufen. Dies ist ein Teilzeitjob für sich, besonders dann, wenn man, wie ich, versucht, das Familienbudget um einige hundert, wenn nicht tausend Dollars pro Jahr zu entlasten, indem ich, wo möglich, Sonderangebote kaufe. Natürlich könnte man den ganzen Wochenbedarf am Wochenende kaufen, doch wenn es um Medizin, frische Lebensmittel o.ä. geht, kann man meist nicht solange warten.

Ein weiterer Teilzeitjob ist die Wäsche, in einem Haushalt mit Kindern eine nicht enden wollende Beschäftigung, ebenso wie der Hausputz, Staubsaugen, wischen und die Beseitigung der kleinen Missgeschicke, die jeden Tag passieren können.
Hausfrau wie Hausmann stöhnen unter einer Vielzahl von Aufgaben. Für den, der die Hausarbeit übernimmt, wird die Liste allerdings immer länger. Denn immer wieder sind Dinge zu reparieren und oft ist der Hausmann technisch so versiert, dass ihn diese Reparaturen regelrecht verfolgen, besonders, wenn er der Einzige ist, der sich mit der Einrichtung von PCs und Smartphones auskennt. Wenn Technologie in einem belebten Haushalt ausfällt, schreit jeder, dass sein Problem heute, jetzt, sofort, gelöst werden müsse und dieses Bedürfnis wird meist mit heftigen Emotionen artikuliert.

Dann ist da noch die Küche. Man hat mir einmal eine Plakette geschenkt, die einen Mann am Grill zeigt mit dem Schriftzug „Papas Küche“. Doch kein vollbeschäftigter Hausmann kann sich den Luxus leisten, nebenbei immer mal wieder das eine oder andere opulente Barbecue in der freien Natur zu schmeißen. Ich bereite fast jeden Tag Mahlzeiten vor, aber in der Küche. Obwohl die meisten Küchenchefs Männer sind, erstaunt es doch noch immer viele, wenn Vater zu Hause den Kochlöffel schwingt. Kochen macht schon Spaß, doch es jeden Tag zu tun, ist harte Arbeit, kein Fernsehauftritt in einer der vielen Koch-TV-Sendungen.

Und dazu noch ein Teilzeit-Job

Ein ehemaliger Klassenkamerad, der sich für einige Zeit von seiner Arbeit als Leiter einer Regierungsbehörde abgemeldet hatte, um den Hausmann zu spielen, sagte mir: „Mensch, ich kann es gar nicht mehr erwarten wieder zu arbeiten, damit ich endlich auch mal wieder Ruhe finde. Denn Hausarbeit erledigt sich nicht von selbst. Und die Gesellschaft erwartet mehr von einem Mann, als „nur“ den Haushalt am Laufen zu halten. In unserer neuen Doppel-Einkommen-Familienwelt sehen sich Männer unter immer stärkerem Druck, auch ein eigenes Einkommen zu erzielen

Woher ich das weiß? Jeder Hausmann ist mit dem Szenario vertraut: Du bist auf irgendeiner Veranstaltung und jemand fragt Dich, was Du machst. Wenn Du dann sagst, dass Du den Haushalt führst, kommt sofort die Anschlussfrage: „Und was machst Du sonst noch mit Deiner Zeit?“

Was mich betrifft, kann ich erwähnen, dass ich in der Lage war, während der letzten Jahre einen Teilzeitjob auszufüllen. Ich kann sogar anführen, dass unser beider Verdienst nicht so hoch wäre, würden meine Frau und ich die Rollen tauschen. Doch verdiene ich, nach Abzug von Steuern und arbeitsbezogenen Ausgaben nicht wesentlich weniger, als sie.

Aber die Frager bohren nach: „Was machst Du sonst noch?“

Nun, ich habe einiges im Haus renoviert und umgestaltet. Dazu gehören ein komplett neues Badezimmer, zwei Veranden, zwei Zimmer-Umbauten, vier begehbare Kleiderschränke, eine neue Küche und die Renovierung des alten Badezimmers. Wenn ich alles zusammenrechne und den tatsächlichen Kosten die gegenüberstelle, die uns allein die Finanzierung der Umbauten und die Aufwendungen für die Handwerker gekostet hätten, habe ich mindestens ebenso viel Einkommen, wie meine Frau erwirtschaftet.

Einige meiner Hausmann-Freunde studieren nebenher; einer hat den MBA geschafft, ein anderer seinen Dr.-Titel.

Und wieviel Zeit bleibt für die Kinder?

Wo liegt das Problem? Wenn arbeitende Väter die Zeit für solche Nebentätigkeiten finden, warum sollten sie diese nicht nutzen? Doch da sind noch die Kinder. Über den interessanten Nebentätigkeiten können leicht die Erziehungsaufgaben des Hausmannes zu kurz kommen.

Das gilt allerdings für Männer wie für Frauen. In der heutigen Welt, wo beide Eltern Geld verdienen müssen, stehen Frauen ebenso unter Druck, durch externe Arbeit ihre Existenz zu rechtfertigen. Doch während Nur-Hausfrauen sich beklagen mögen, kaum Gelegenheit zu haben, ihren Interessen nachzugehen oder einen Job anzunehmen, beklagen sich die Männer, dass man genau dies von ihnen erwarte.

Die Hausmänner, die ich kenne, sind überzeugt, dass man von ihnen zusätzlich zu allen Tätigkeiten im Haushalt einen substanziellen Beitrag durch eine berufliche Arbeit erwartet. Auch hier besteht wieder die Gefahr, dass die Kinder zu kurz kommen, wenn Papa nicht mehr beim Fingermalen mitspielt und sich stattdessen mehr um das Business kümmern muss.

Wenn Sie bei nächster Gelegenheit mit einer Mutter, einem Vater ins Gespräch kommen, die in Vollzeit Hausfrau oder Hausmann sind, verkneifen Sie sich die Frage: „und was tust Du sonst noch“? Fragen Sie lieber nach der Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen. Fragen Sie, wie sie den Bedürfnissen der Kinder genügen, einschließlich der emotionalen Bedürfnisse. Und wenn Sie schon im Gespräch sind, fragen Sie, wie sie es schaffen, trotz allem Stress ihren Ehealltag glücklich zu gestalten.

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David Vincent ist freischaffender Journalist in Sydney und Hausmann. Dieser Artikel wurde zuerst im Perspective magazine veröffentlicht.