Die rote Linie für holländische Ärzte

Die rote Linie für holländische Ärzte
Euthanasie ist in Ordnung, aber kleine Jungs beschneiden, geht zu weit --- Die kreative Energie der Euthanasie-Advokaten in den Niederlanden ist scheinbar grenzenlos. Der letzte Schrei ist der Vorschlag für eine mobile Eingreiftruppe für Lebensmüde. Die Lobbygruppe „Recht aufs Sterben“ möchte, mit entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen, Patienten zu Hause besuchen, um sie dort zu töten, damit sie nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Die ist zwar z. Zt. nur ein Vorschlag, doch solche Vorschläge können leicht im ersten Land, das Euthanasie legalisiert hat, zur Richtlinie mutieren.
von Michael Cook - ins Deutschen übertragen von Horst Niederehe
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„Mitleids-Euthanasie“ für Alte und für Babys

Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo Euthanasie noch ein Tabu darstellt, sind die niederländischen Ärzte immer mehr bestrebt, den Kreis der Kandidaten für die tödliche Injektion auszudehnen. Ein kürzlich veröffentlichtes HYPERLINK "" Positionspapier (Position paper: The role of the physician in the voluntary termination of life (2011)) der Royal Dutch Medical Association (KNMG) erinnert die Mitglieder daran, dass sie unbedingt alle Wünsche nach Sterbehilfe ernst nehmen müssten, selbst wenn die Patienten dement, geisteskrank, suizidgeneigt oder einfach lebensmüde sind.
Vielleicht als Reaktion auf diese Ermutigung stiegen die registrierten Euthanasiefälle im Jahr 2010 um 12% auf 3.136, wobei die Zahl nicht die Dunkelziffer berücksichtigt, wo gestresste Ärzte keine Zeit fanden, die Papiere auszufertigen, oder Fälle, bei denen stark sedierten Patienten Nahrung und Flüssigkeit entzogen wurde, sodass sie langsam am Entzug zugrunde gingen.
Wenn man an Euthanasie denkt, glaubt man, dass dies die Tötung alter Menschen betrifft. Dies ist falsch. In Holland dürfen Ärzte schwerkranke Babys töten. Dies wurde sogar im sog. Groningen Protocol, einer Übereinkunft zwischen Kinderärzten und der holländischen Regierung festgeschrieben. Da das Baby unfähig ist, seinem eigenen Tod zuzustimmen, sind die Eltern ermächtigt, dies an seiner Stelle zu tun. Willkürliche Tötung wird als mitfühlende Antwort auf schwere Behinderungen angesehen.
Pervertierte Ethik in den Niederlanden

Man hat den holländischen Ärzten vorgeworfen, alle ethischen Prinzipien über Bord geworfen zu haben. Doch dieser Vorwurf kann so nicht stehen bleiben, wie aus einem anderen Positionspapier (pdf) auf der Website der KNMG deutlich wird. Die rote Linie, die kein holländischer Arzt überschreiten darf, bezieht sich auf eine barbarische und moralisch absolut verwerfliche Operation, die KNMG als durch und durch unethisch verdammt: die Praxis nämlich, männliche Babys zu beschneiden.
KNMG rühmt sich hoher Prinzipien. So ist zu lesen: „Kinder dürfen nur medizinischer Behandlung unterzogen werden, wenn Krankheit oder Anomalien vorliegen, oder überzeugend dargelegt wird, dass die medizinische Intervention im Interesse des Kindes liegt, wie beispielsweise bei Impfungen. Therapeutisch nicht begründbare Beschneidung männlicher Minderjähriger steht im Konflikt mit dem Recht des Kindes auf Autonomie und physische Unversehrtheit.
KNMG legt dar, dass es gute Gründe gäbe, die Beschneidung zu ächten, obwohl man sich der tief religiösen, symbolischen und kulturellen Hintergründe bewusst sei, doch würde ein Verbot wohl dazu führen, diese Praxis in die Illegalität zu treiben und deshalb eher kontraproduktiv wirken. In den Niederlanden werden jedes Jahr ca. 15.000 Knaben beschnitten. Die meisten sind Kinder von Muslimen oder Juden.
Der Chef-Ethiker der KNMG, Gert van Dijk führt aus: „Wir sind überzeugt, dass die Beschneidung eine nicht notwendige Operationsform darstellt. Der Patient muss zu einer Operation sein Einverständnis erklären, doch ist ein Kind dazu unfähig und wir glauben, dass Beschneidung einfach falsch und eine Verletzung des Rechts des Kindes ist. Unsere Ethikvorschriften in der Medizin verbieten, dem Patienten Schaden zuzufügen, doch Beschneidung bedeutet genau dies.“
Was ist der nächste Coup von niederländischen Ärzten?

Bin nur ich es, der diese Erklärungen als verlogen, gefährlich und gewunden empfindet? Beschneidung von Knaben ist wohl die am häufigsten vorgenommene Operation weltweit. Die Inzidenz von Komplikationen ist äußerst gering, Todesfälle gehören nicht dazu. Wie kann es also unethisch sein, Babys zu beschneiden, während es ethisch korrekt sein soll, sie zu töten? Wie können Eltern hilfsweise der Tötung ihres Kindes zustimmen, nicht jedoch seiner Beschneidung? Seihen hier die holländischen Ethiker der Medizin nicht die Mücke und verschlucken das Kamel?
Die Widersprüchlichkeit dieser Position macht die tödlichen Absurditäten deutlich, die Ärzte zu rechtfertigen suchen, wenn ihr Ethos nicht mehr die Bewahrung des Lebens als ein ihnen anvertrautes Gut begreifen. Wenn Leben nicht mehr als unverfügbar angesehen wird, was dann?
In den Niederlanden ist alles möglich, man macht, was man gerade will. Aber bei all dem wird überdeutlich, dass es letzten Endes eben nicht um den Willen des Patienten, sondern um den Willen von Ärzten und Betreuern geht.
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Michael Cook ist Herausgeber von MercatorNet.
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