Ice Age 5: Kollision voraus

von José García
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Fast genau auf den Tag vier Jahre nach dem letzten „Ice Age“-Film „Voll verschoben“ (siehe Filmarchiv) kommt der inzwischen fünfte Animationsfilm um das lispelnde Faultier Sid (Stimme: Otto Waalkes), den gutmütigen Mammut Manni (Stimme: Arne Elsholz) und den verschlagenen Säbelzahntiger Diego (Stimme: Thomas Fritsch) und weitere prähistorische Tiere in die Kinos. Avancierte bereits in den vorangegangenen „Ice Age“-Filmen der hyperaktive Urzeitnager Scrat zum Publikumsliebling, der auf der Jagd nach einer Eichelnuss alle möglichen Katastrophen, etwa die Kontinentalverschiebung oder das Eiszeitalter auslöste, so ist Scrat noch eindeutiger die einzige überzeugende Figur im gerade im Kino angelaufenen „Ice Age – Kollision voraus“.

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Filmische Qualität: 2,5 von 5 Punkten
Regie: Mike Thurmeier, Galen T. Chu
Darsteller (Stimmen): Otto Waalkes, Thomas Fritsch, Arne Elsholz, Daniela Hoffmann, Annina Braunmüller, Max Felder
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 95 Minuten
Genre: Animationsfilm
Publikum: alle (FSK: ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --
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Scrat kann sich der Lacher der Zuschauer sicher sein, wenn er unabsichtlich in ein Raumschiff einsteigt, allerlei Abenteuer erlebt, mal wegen erhöhter Gravitationskraft gegen den Boden des Raumschiffes plattgedrückt wird, und durch eine Kettenreaktion die Planeten neu ordnet und dadurch nichts Geringeres als das Sonnensystem ins Leben ruft. Nach Logik hat selbstverständlich noch niemand bei einem „Ice Age“-Film gefragt. Hier darf jedoch die Frage erlaubt sein, wo Sid, Manni, Diego und all die anderen bislang gelebt haben sollen, wenn erst jetzt das Sonnensystem entsteht. Denn beide Handlungen – Scrat im Weltall, die Tiere aus der Eiszeit auf der Erde – werden einfach parallel erzählt.

Eine Verknüpfung zwischen den beiden Erzählsträngen besteht insofern, als Scrats Weltall-Akrobatik einen Meteorit spaltet, dessen eine Hälfte auf die Erde zurast. Wie die Gefahr abgewendet werden soll, behauptet das einäugige Wiesel Buck zu wissen, das hier nach seinem Auftritt in „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“ (2009) wieder eine Rolle spielt. Er spricht von einer Prophezeiung, nach der in einem bestimmten Tal der Meteorit magnetisch umgelenkt werden soll. Darin erschöpft sich allerdings auch die eigentliche Handlung des neuen „Ice Age“-Filmes. Noch gravierender: Bis diese „Handlung“ ins Rollen kommt, braucht der Film (bei einer Länge von 95 Minuten) eine halbe Stunde – ein glattes Missgeschick.

Die „Ice Age“-Filme der Filmstudios Blue Sky und Fox gehören zusammen mit den Pixar- und den DreamWorks-Animationsfilmen zu den erfolgreichsten Werken einer Sparte, die seit Mitte der neunziger Jahre einen beachtenswerten Aufschwung erfährt. Im ursprünglichen „Ice Age“-Film aus dem Jahre 2002 wurden die drei Hauptfiguren Sid, Manni und Diego eingeführt. Mit jeder Fortsetzung – „Ice Age 2 – Jetzt taut's“ (2006), „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“ (2009), „Ice Age 4 – Voll verschoben“ (2012) – wurde nicht nur die Animation immer besser. Es kamen auch neue Figuren dazu, so zuletzt in „Ice Age 4“ insbesondere Sids Oma, die für eine Reihe Witze sorgt – genauso wie im aktuellen fünften „Ice Age“-Film. Die erste halbe Stunde verbringen die Drehbuchautoren Michael Berg und Michael J. Wilson sowie die Regisseure Mike Thurmeier und Galen T. Chu damit, neue Charaktere wie Mannis Schwiegersohn in spe Julian einzuführen.

Darüber hinaus werden bekannte Familienthemen auf diese Tierewelt angewandt. So beschäftigen sich Mammut Manni und Frau Ellie (Stimme: Daniela Hoffmann) mit der bevorstehenden Hochzeit ihrer Tochter Peaches (Stimme: Aninna Braunmiller) mit dem gerade erwähnten Julian: Sie müssen lernen loszulassen, so die etwas holprig vorgetragene „Botschaft“. Derweil hadern Diego und das im letzten „Ice Age“-Film „Voll verschoben“ eingeführte Säbelzahntiger-Weibchen Shira mit der Frage, ob sie überhaupt Kinder haben sollen. Seinerseits sucht Faultier Sid weiterhin nach einer Partnerin – und scheint fündig zu werden. Von Scratte, dem weiblichen Rattenhörnchen, die im dritten „Ice Age“-Film Scrat zugesellt wurde, ist allerdings im neuen Film nichts zu sehen.

Stand im ersten „Ice Age“-Film die Handlung stets im Dienst der Charakterzeichnung, so ist dieser wichtige Gesichtspunkt mit jeder Fortsetzung zunehmend in den Hintergrund getreten. Im fünften „Ice Age“-Film „Kollision voraus“ scheinen die Filmemacher lediglich Gags einfach aneinanderzureihen und darüber hinaus bekannte Filme zu zitieren – etwa in den unübersehbar an „Avatar“ erinnernden drachenähnlichen Kreaturen, die um schwebende Felsen herum fliegen. Was sich in den letzten Animationsfilmen aus der Reihe ankündigte, wird nun überdeutlich: Der Abstand zwischen der technischen Brillanz und der rasanten Animation auf der einen, sowie der Charakterzeichnung, einem Drehbuch mit interessanten Fragen und einer gelungenen Dramaturgie auf der anderen Seite ist noch größer geworden. Der inzwischen fünfte „Ice Age“-Film kann deshalb trotz hervorragender Animation als Enttäuschung bezeichnet werden.

Das Animationsstudio Blue Sky hat sich in den 14 Jahren seit dem Erscheinen des ursprünglichen „Ice Age“-Filmes nicht dazu durchringen können, einen abendfüllenden Spielfilm um Scrat herum zu realisieren. Angesichts der Popularität des urzeitlichen Nageltiers bei jüngeren und älteren Zuschauern kann der Grund nur sein, dass die Filmemacher in ihm nicht genug Potenzial für einen „ganzen“ Film sehen. Ähnliches kann freilich inzwischen von den restlichen Figuren aus dem „Ice Age“-Universum behauptet werden. Selbst im eigentlichen Thema der „Ice Age“-Filme, der Familie, bietet „Kollision voraus“ tausendmal gesehene und plump vorgetragene Überlegungen. Die Filmemacher sollten sich fragen, ob nicht doch die „Ice Age“-Welt einfach auserzählt ist.