Debattieren als Sport

Debattieren als Sport
Im Juni finden die Bundesfinaltage von «Jugend debattiert» statt, ein Wettstreit zur Förderung von Sprache und Intellekt, der in diesem Jahr sein 10jähriges Bestehen feiert und schon zu Beginn unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stand. Am größten privat und öffentlich finanzierten «Projekt zur sprachlichen und politischen Bildung» nehmen mittlerweile 730 Schulen teil. Bundesweit treten mehr als 100.000 Schüler gegeneinander an.
Von Mark Rinasky
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Die Schüler müssen im Modus des Pro- und Kontra-Parts über jedes Thema, das ihnen zugelost wird, überzeugend in freier Rede vor Publikum sprechen können und ihre Position in zwei Minuten stringent und clever begründen. Es gibt spaßige und ernste Themen. Wie die FAZ kürzlich berichtete, kann auch die Behandlung der Frage, ob ein Mensch einen Hund heiraten dürfe, über Sieg und Niederlage entscheiden. Die Schülerin, die seinerzeit bei diesem Thema den Pro-Part übernehmen musste, wurde Debattensiegerin, was angesichts der absurden Frage einem doppelten Sieg gleichkommt. Hier ihr Statement: «Wenn der Mensch das Recht habe, einen Hund zu töten, dürfe er ein solches Tier auch heiraten. Niemand trage Schaden davon. Die Nachbarn nicht und auch nicht der Hund, der sich ja mit Beißen wehren könne, wenn er die Heirat ablehne.»
Die Kunst des Debattierens

Im Wettstreit werden nicht nur die eigenen rhetorischen Fähigkeiten mit denen anderer gemessen: «Nur durch die Auseinandersetzung mit anderen ist wirkliche Entwicklung möglich», betont ein Debattenteilnehmer. Außerdem lernen die Schüler in spielerischer Form wie Themen strukturiert durchdacht, die richtigen Fragen gestellt und systematisch die passenden Argumente gefunden werden; sie rhetorisch geschickt vor großem Publikum zu vertreten, ist sicherlich die größte Herausforderung. «Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft» sind die Bewertungskriterien der Jury. Aber auch die Fähigkeit, die eigene Position immer wieder mit gut gewählten Beispielen aus der Lebenspraxis zu verdeutlichen, kann für den Erfolg maßgebend sein. Eine Maxime, die unsere Politiker leider nur selten beherzigen.
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Links
> FAZ: "Jugend debattiert" - Warum soll der Mensch nicht einen Hund heiraten?
> Jugend debattiert (Wettbewerbs- und Seminar-Termine):
www.jugend-debattiert.de
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