Wieviel müsste investiert werden, um Chancengleichheit zwischen Jungen und Mädchen in der Schule zu gewährleisten?

von Denyse O'Leary - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) -gegründet 1961, Zentrale in Paris- untersucht alle drei Jahre in ihrem Programme for International Student Assessment (PISA) in 64 Ländern die Leistungsunterschiede von 15jährigen Jungen und Mädchen.

Siehe: „The ABC of Gender Equality in Education“ Untertitel: „Leistungsdefiziten männlicher Schüler begegnen“. Jungen leisten im heutigen Schulsystem weniger als Mädchen. Aber warum?

Dieses Kapitel untersucht Unterschiede bei Aktivitäten, denen sich Jungen und Mädchen außerhalb der Schule widmen, ihre Fähigkeit, Verhalten und Emotionen zu kontrollieren, ihr Engagement in der Schule und beim Lernen, sowie die Benotung von Jungen und Mädchen. Alle diese Faktoren haben letzten Endes Einfluss auf ihre Zukunft, in der Schule und darüber hinaus.

Die wichtigsten Ergebnisse werden eigentlich niemanden verwundern. Man kann den Report kaufen, oder online lesen; die Irish Times fasst einige Punkte zusammen:

  • Gelegentliche Videospiele können helfen, die Leistung in Mathematik zu steigern. Doch jeden Tag zu spielen, ist für schulische Leistungen etwa so nützlich, wie Wasserpfeife rauchen.
  • Allein-Spieler hatten mehr Nutzen vom Spiel als diejenigen, die sich online zu einer Spielgruppe zusammenfanden. Kein Wunder. Allein-Spieler betrachten das Spiel eher als geistiges Training, während sich die Teilnehmer an einem Gruppenspiel eher in einer Fantasiewelt tummeln. Anmerkung: Es gibt keine notwendige Beziehung zwischen dem Gebrauch eines elektronischen Geräts und dem Verständnis für die Technik, die es ausmacht. Allein die Technik hat einen Wert.
  • „In einigen Ergebnissen trat bei Mädchen, die Mathe Aufgaben lösen sollten, mangelndes Selbstvertrauen zutage, was negativen Kommentaren von Eltern oder Lehrern angelastet wurde. Natürlich. Wenn im Zweifel, werden politisch korrekte Forscher die Schuldigen bei Eltern und Lehrern verorten, nicht hingegen natürliche Ursachen ausmachen. Wir lernen also:
  • Lehrer gaben häufig den Mädchen bessere Noten in Mathe als den Jungen, selbst wenn die Leistungen im OECD PISA Test vergleichbar waren. „Dies mag daran liegen, dass Mädchen im Unterricht mehr Aufmerksamkeit und ein besseres Betragen an den Tag legen, was dann mit einer besseren Note bewertet wird.“ Das hat natürlich nichts mit politischer Korrektheit zu tun, wiewohl immer wieder herumgetönt wird, dass mehr Mädchen den Nobelpreis für Physik oder die Fields Medal anstreben sollten.
  • Es kommt noch besser: „Die unterschiedliche Fähigkeit der Geschlechter, wie Wissenschaftler zu denken, ist wohl mit dem Selbstvertrauen des Schülers zu erklären. Wer Selbstvertrauen besitzt gibt sich selber die Freiheit, auch mal sein Ziel zu verfehlen, sich einem Prozess von „Versuch und Irrtum“ auszusetzen, der fundamental ist, um Kenntnisse in Mathe und Physik zu erwerben.“ Das Argument ist wirklich ulkig, denn jedes Mädchen hat in dem Fach das größte Selbstvertrauen, in dem es sich am stärksten fühlt. Das gilt aber auch für Jungen.
  • Jungen sind leichter durch äußerliche Belohnungen motiviert. Übersetzt: Er will einen Preis gewinnen und sich damit brüsten.

Nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen in der Lehrbuch-Industrie würde ich den Report so beschreiben:

  • Politische Korrektheit heult den Mond an und
  • wundert sich, Jahrzehnte später, weshalb der Mond nie zurückheult.

Zunächst setzt der Denkansatz voraus, dass es möglich sein muss, Geschlechterunterschiede zu überwinden, wenn man sich nur entsprechend bemüht. Das ist allerdings wenig wahrscheinlich.

Es gibt hingegen genügend (politisch unkorrekte) Beweise dafür, dass sich männliche und weibliche Gehirne unterschiedlich entwickeln. Erziehungs-Bürokraten mögen noch so viele Reports, Gesetze, Geld und Quotenregelungen lostreten; es ist keine Änderung möglich.

Es bedarf keiner aufwändigen Forschung, um festzustellen, dass für Jungen Konkurrenzdenken, für Mädchen dagegen Beziehungen im Vordergrund stehen. Das Phänomen schulischer Leistungsschwäche bei Jungen lässt sich mit Worten eines guten Freundes so beschreiben: „Gute Arbeit wurde durch gutes Gefühl ersetzt.“

Mädchen können sich leichter als Jungen mit Haltungen anfreunden, wie: „Jeder hat irgendwie recht“, „Man muss nicht darauf bestehen“ und „Alle sollen ausgezeichnet werden.“ Nicht etwa, weil sie dumm wären, sondern weil sie meist ihre Ziele besser erreichen, indem sie Beziehungen pflegen, anstatt einen Konkurrenzkampf zu führen. Es ist also nicht erstaunlich, dass sie bessere Bewertungen bekommen, weil sie eben gut kooperieren. Die kritische Frage ist allerdings, was diese Verzerrung für das ganze System über längere Zeit bedeuten wird.

In jedem Fall kennt die Zeit in unserem Universum nur eine Richtung: vorwärts. Die Zeit, die darauf verschwendet wird, unabänderliche Fakten der Natur von Mann und Frau verändern zu wollen, lässt sich -unglücklicherweise- nicht mehr zurückholen um sie sinnvoller zu nutzen.

Ich frage mich nur, wie viele Reports dieser Art uns noch in den kommenden Jahren präsentiert werden.

Denyse O’Leary ist kanadische Journalistin, Autorin, und Bloggerin.