Jungen fördern oder feminisieren?

Jungen fördern oder feminisieren?
Letzte Woche wurde der "Girl's Day – Mädchen-Zukunftstag" zum 10. Mal veranstaltet. Ein willkommener Anlass für die Medien erneut in das sattsam bekannte Klagelied über die benachteiligten Jungen einzustimmen. Und auch von ministerieller Seite gab es entsprechende Äußerungen. Wie soll jetzt „von oben“ den Jungen geholfen werden? Im Ministerium ist man wohl der Meinung, man helfe den Jungen schon mit dem zum 5. Mal veranstalteten Boy´s Day“, während die Ministerin darauf hinweist: „ab 2011 soll er parallel zum Girls Day“ angeboten werden“.
von Horst Hennert
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Referat zur Jungen- und Männerpolitik

Seit neuestem gibt es in der Gleichstellungsabteilung des bisher „männerlosen“ Ministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ein Referat zur Jungen- und Männerpolitik. Im Gespräch mit dem „dpa-Dossier Bildung Forschung“ meinte Miguel Diaz von der Initiative "Neue Wege für Jungs", die vom Bundesfamilienministerium gefördert wird, dass die „Orientierung an tradierten Männlichkeitsmustern vielen Jungen ein Lernen in der Schule erschwert“. ("Neue Wege für Jungs": 5 Fragen – 5 Antworten)
Er gab sogar zu überlegen, „inwieweit eine fach- oder themenbezogene Trennung von Jungen und Mädchen in bestimmten Lernphasen von Vorteil ist und beiden Geschlechtern zugute kommt“, und er beklagte eine „Geschlechterblindheit“ in der Schule.
Ähnliche Gedanken äußerte Ministerin Schröder in einem aktuellen Zeit-Interview (Ein Tag für Kerle): „Es kann zu einer geschlechtersensiblen Pädagogik gehören, Jungen und Mädchen in einzelnen Fächer zeitweise getrennt zu unterrichten. Aber darüber sollten wir uns erst Gedanken machen, wenn es dafür wissenschaftliche Belege gibt.“ Die gibt es zwar schon zur Genüge – man muss sich nur die besten Schulen Englands ansehen: alles reine Jungen- oder Mädchenschulen -, sie passen aber nicht ins Gender-Konzept.
Warum sollen sich die Jungen den Mädchen anpassen?

Für jeden Lehrer ist es unbestritten einfacher, mit Mädchen in der Klasse klar zu kommen als mit den wilden, aktiveren Jungen. Ihnen fällt es naturgemäß viel schwerer, ruhig zu sitzen, sich still zu verhalten. Zudem sind viele Unterrichtsinhalte eher auf die Mädchen abgestimmt. Wenn dann noch überwiegend weibliches Lehrpersonal unterrichtet, ist es nur zu verständlich, dass die Jungen sich den Mädchen im Verhalten und in ihren Interessen anpassen müssen. Damit wird man ihnen aber nicht gerecht. Sie wollen schließlich Jungen sein und als solche auch akzeptiert werden, auch wenn das für das Lehrpersonal eine größere Herausforderung darstellt.
Auch der Ministerin scheint das aufgegangen zu sein, wenn sie sagt: „Lehrer müssen die Interessen von Jungen besser berücksichtigen. Denn die lesen oft lieber Abenteuerbücher oder Sachtexte als Geschichten, in denen es um Beziehungen oder Tiere geht.“
„Weibliche“ Berufe jetzt für Jungen

Auf der Internetseite des Familienministeriums www.neue-wege-fuer-jungs.de werden Jungen gerade die Berufe angedient, vor denen Mädchen bewahrt bleiben sollen, wie Friseur, Altenpfleger, Kindergärtner, Erzieher – teils, weil sie finanziell nicht lukrativ sind, teils weil sie bisher „typische Mädchenberufe“ sind. Ein Kommentar zu der Internetseite drückt sich daher auch überdeutlich aus: „Neue Wege für Jungs ist eine Farce, und eine Riesen-Frechheit.“
Auch die Ministerin geht mit ihren Vorstellungen in diese Richtung: „Die Zukunft liegt in den Dienstleistungen – gerade auf dem sozialen Feld, das bislang von Frauen beherrscht wird, zum Beispiel in der Altenpflege.“
Sollte man die Jungen nicht ihren Neigungen gemäße Berufe wählen lassen (was sie trotz intensivster Werbung für Frauenberufe ohnehin tun), die ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechen? Oder sollen sie staatlicherseits umerzogen werden und sich dann in Berufen wiederfinden, mit denen sie nicht klar kommen? Dann haben wir demnächst nicht nur ein Jungen-Bildungs-Problem sondern zusätzlich ein Jungen-Berufs-Problem.
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