Kinder zum Lesen hinführen

von Jocelyne Fruendorfer - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Kindern helfen, Bücher zu finden, die sie lesen mögen, kann mühsam sein. Meine Erfahrung ist, dass nur wenige Kinder ihre Kuschelecke verlassen und etwas lesen, woran sie nicht gewöhnt sind; dies gilt insbesondere für Kinder mit Leseschwächen. Die meisten Kinder lesen Bücher, deren Themen mit den vorher gelesenen Büchern vergleichbar sind, die ihnen von einer vertrauenswürdigen Person empfohlen wurden, oder über die sie etwas in der Schule oder den Medien erfahren haben.

Kinder fühlen sich oft eingeschüchtert durch den Umfang eines Buches, das Fehlen von Bildern oder die Dichte des Textes auf den Seiten. So lesen sie lieber ein bebildertes Comic-Buch als ein reines Textbuch. Ein bebildertes Buch ist ein erster, hilfreicher Schritt, es macht die Lektüre für das Kind weniger entmutigend, kann aber auch dazu führen, dass der Umstieg auf textlastige Bücher schwerer fällt.

Wenn Leseschwäche (Legasthenie) den Umstieg auf Textbücher erschwert, empfiehlt sich der Besuch einer geeigneten therapeutischen Einrichtung. Handelt es sich jedoch um ein einfaches Desinteresse am Lesen, muss man das Interesse daran fördern. Dies versuche ich auf verschiedene Weisen.

Helfen Sie Ihrem Kind, Freude am Lesen zu gewinnen

Ich halte es für wichtig, zunächst festzustellen, ob ein Kind gern für sich allein oder lieber in der Gruppe liest. Leseclubs sind hervorragend geeignet, Kinder, die sich in ihrer Gruppe wohlfühlen, mit Büchern bekannt zu machen. Unabhängigere Kinder interessiert man eher, indem man Bücher empfiehlt und ihnen etwas -z.B. den Klappentext- daraus vorliest, um ihr Interesse zu wecken. Andere Kinder werden durch Wettbewerb geködert: Ich kenne eine Mutter, die mit ihrer Tochter Wettkämpfe austrägt, wer zuerst ein Buch zu Ende gelesen hat.

Wer selbst begeisterter Leser ist, kann seine Kinder mit diesem Enthusiasmus durch Vorlesen anstecken. Ich kenne Kinder, die sich auch mit 13 Jahren noch gern etwas vorlesen lassen. Als ich meinen jüngeren Brüdern ein Kapitel des Hobbit vorgelesen hatte, waren sie begierig darauf, das dicke Buch selbst zu Ende zu lesen.

Man muss sich auch bewusst machen, dass einige Kinder einfach nicht interessiert sind, Romane zu lesen. Diese Kinder versuche ich, an gute Sachbücher oder Biographien heranzuführen. Einige von ihnen leihen sich nur Bildungs-, Geschichts- oder Kriegs-Bücher aus. Solche Kinder lesen später auch gern Abenteuerbücher, die auf Tatsachen beruhen.

Ihr Kind liest gern!

Sobald Kinder Leser geworden sind, werden sie selbst auf die Suche nach guten Büchern gehen, anhand der Kriterien, die sie kennen, was häufig etwas zu tun hat mit dem Titelbild des Buches. Ermutigen Sie Ihr Kind dann einen weiteren Schritt zu tun, indem Sie es mit unterschiedlichen Genres bekannt machen und bei der Auswahl helfen. Es hilft auch sehr, wenn die Kinder Online-Bewertungen lesen lernen, um zu sehen, wie andere Leute die Bücher bewerten, die sie selbst interessieren.

Natürlich ist der beste Ansporn für Kinder der, dass Eltern selbst enthusiastische Leser sind!

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Jocelyne Freundorfer betreut die Bibliotheken dreier katholischer Grundschulen in Kanada. Sie gibt theelementarylibrarian.blogspot.ca heraus, für den sie auch selbst schreibt.