Falsche Rechtsetzung verletzt Kinderrechte

von Jean Lloyd - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Kein Sex! Dieses Kind wurde ohne Sex zur Welt gebracht“. Dies war der stolze Ausruf eines der beiden „Väter“ des kleinen Mädchens, das hochgehoben und uns auf einer Konferenz zum Thema Sexualität präsentiert wurde, an der ich teilnahm.

Ich hatte noch die Deklaration im Ohr, nach der „alle Kinder ein Recht auf einen Vater und eine Mutter haben“ und gestehe, dass ich ein wenig verwirrt war. Jedes Kind hat notwendigerweise eine Mutter und einen Vater, was bedeutet es dann, ein Recht darauf zu haben?

Tatsächlich wird vielen Kindern schon seit Jahrzehnten das Recht verweigert, von den eigenen Eltern erzogen zu werden, weil Gesetze und Vorschriften es leicht machen, sich des Kindes zu entledigen, z. B. mit Hilfe des Gesetzes zur einvernehmlichen Scheidung. Von dort hat sich die Versagung dieses fundamentalen Rechts in vielfältiger Hinsicht weiterentwickelt. Als schmerzliches Beispiel sind Bestrebungen zu sehen, sog. Ehen zwischen Gleichgeschlechtlichen als „Recht“ und der Ehe „gleichwertig“ zu postulieren. Hierzu gehört nach Meinung der Befürworter dieser „Homo-Ehen“ die Adoption in Auftrag gegebener Kinder, da sie ja selbst nicht in der Lage sind, als Paar Kinder zu erzeugen. So werden die Rechte von Kindern vergessen, vergraben, oder ignoriert.

Und mir steht dann immer ein Kind vor Augen, das ich nie vergessen werde.

Das gewollt mutterlose Kind

Es ist schon einige Jahre her, doch sehe ich noch das kleine Bündel und höre die Stimme des Vaters. Ich weiß nicht, ob er biologisch oder nur sozial Vater war, doch erinnere ich mich, dass ich da stand und mir nicht vorstellen konnte, wie dieses kleine, wenige Monate alte Mädchen ohne Mutter überleben mochte. Dabei belegen immer mehr wissenschaftliche Studien, dass ein Kind, das ohne mütterliche Fürsorge aufwächst, bei weitem nicht so gut im Leben vorankommt. Diese Tatsache wird auch von niemandem bestritten, außer von denen, die ein persönliches oder politisches Interesse haben, Sexualität und Familie neu zu definieren.

Ich wurde selbst als Kind adoptiert, seit meinen frühesten Kindertagen von einem wunderbaren Ehepaar aufgezogen, das mir immer ein liebevolles, stabiles Zuhause mit Vater und Mutter geboten hat. Ihnen bin ich über alle Maßen dankbar. Und dennoch ist mir die eigenartige Spannung vertraut, auf der einen Seite von Adoptiveltern, die ich nicht missen möchte, geliebt zu werden und andererseits die biologische Familie, die ich bewusst nie kennen lernte, verloren zu haben.

Katie Davis sagte dazu: „Adoption ist die erlösende Antwort auf Tragödien, die in dieser zerbrochenen Welt vorkommen.“ Für jedes Kind ist es eine Tragödie, von der biologischen Familie, der es sein Leben verdankt, getrennt zu werden. Unterm Strich haben adoptierte Kinder mehr Schwierigkeiten als Kinder, die von den eigenen Eltern erzogen wurden, selbst in hervorragenden Adoptiv-Beziehungen wie der meinen.

Für den oben erwähnten „Vater“ bedeutet das Fehlen einer Mutter keine Tragödie. Die Mutterlosigkeit wurde bewusst gewählt und wird als technologische Errungenschaft angesehen, die es zu bejubeln gilt. Doch kann niemand leugnen, dass das Kind hier nur Mittel zum Zweck nach den Wünschen Erwachsener ist. Niemand jedoch kümmert sich um die Rechte des Kindes, dem die Liebe der Mutter vorenthalten wird

Eine neue Form von Kindesrecht

Ironischerweise hörte ich auf der schon erwähnten Konferenz zur Sexualforschung über neue Interpretationen von Kindesrechten. Hier ging es nicht um das Recht auf Mutter oder Vater. Es gab auch keine Diskussionen über die Umsetzung der UN-Deklaration zu Kindesrechten, die festschreibt, dass den Interessen des Kindes in allem Vorrang eingeräumt werden muss, was Entscheidungen angeht, die es betreffen.

Nein, es ging um eine völlig andere Rechtekonzeption, Kinderrechte im Einklang und angepasst an Interessen und Untersuchungen derjenigen, die sie in der Sitzung vortrugen; die Kinder als Sexualwesen definieren, die ein Recht auf sexuelle Betätigung und Äußerung haben. Ein Redner berichtete von einer Studie über 10jährige Jungen, die einvernehmlich sexuelle Beziehungen mit erwachsenen Männern -natürlich ohne Wissen der Eltern- haben und unterstrich das Recht dieser Jungen auf solche „selbstbestimmten“ Kontakte. Etwas weiter in der Diskussion erwähnte ein anderer Sexualforscher eine Begebenheit, bei der ein Sportteam von Jungen im Teenager-Alter von einer Gruppe 12jähriger Mädchen oral befriedigt wurde. Nach Aussage des „Forschers“ war dies eine gelungene, gesunde und schöne Aktion, da weder die Mädchen noch die Jungen in irgendeiner Weise gezwungen wurden, sondern ihre eigenen Rechte selbstbestimmt ausübten und sich nur ihre sexuellen Wünsche erfüllten. Das einzig wahre Problem war die Reaktion einer verknöcherten Gesellschaft darauf.

Man muss bedenken, dass viele Konferenz-Teilnehmer aus den medizinischen Abteilungen der Sexualverhaltensforschung kamen, Menschen, die eigentlich mit den gesundheitlichen Folgen sexueller Betätigung wohl vertraut sein müssten.

Einer der Redner erwähnte NAMBLA (North American Man-Boy Love Assoziation) und die Verlegenheit der öffentlichen Wahrnehmung, die sich mit diesem Verein verbindet. Mehrere Teilnehmer und Redner erklärten übereinstimmend, dass solche Gruppen natürlich öffentlich zu missbilligen, doch auf der privaten Ebene zu akzeptieren seien, weil im Tableau der Sexualforschung „Knabenliebe“, „Intergenerationelle Intimität“ und „Age-Discrepant Sexual Relations (ADSR)“ [altersunabhängige Sexualbeziehungen] legitime Aspekte männlich homosexueller Geschichte, Kultur und Begierde sind.

Diese Konferenz brachte mich zum ersten Mal mit einer solchen Konzeption sexueller Kinderrechte in Berührung und diese scheinen mehr und mehr Allgemeingut zu werden. Es erstaunt deshalb nicht, dass die International Planned Parenthood Foundation diese Rechte vollmundig unterstützt, im Namen der Jugendrechte und der Gleichberechtigung.

Der große Graben

In meinen jungen Jahren, als ich mich noch als lesbisch identifizierte, teilte ich durchaus einige der Ansichten, die in der Sexualforschung postuliert wurden. Doch als ich in dieser Weise über Kinderrechte reden hörte, fühlte ich, dass der Abstand zwischen meiner Weltsicht und der meiner Kollegen sich zu einem veritablen, tiefen Graben entwickelte, der niemals mehr überbrückt werden kann.

Am Ende der Konferenz wurde uns, den Sexualforschern, gesagt, dass wir die Hoffnung für die Zukunft seien. Egal, ob der menschliche Körper -Zitat- „einfach nicht gebaut ist“ für die immunologischen Herausforderungen, die die Einleitung von Körperflüssigkeiten multipler Partner bedeutet, wir seien beauftragt, Wege zu finden, die „Grenzen“ unseres menschlichen Designs aufzubrechen, sodass alle das volle Spektrum sexueller Erfahrungen, die uns zur Verfügung stehen, bis zur Neige auskosten können. Wir wurden auch aufgefordert, uns gegen archaische Institutionen -im Klartext, jüdisch-christliche Organisationen- zu positionieren, die unsere sexuelle Freiheit beschneiden und unsere Formen von Sexualität stigmatisieren wollen.

Bei der Schlussrede -ich betrachtete das niedliche, kleine Mädchen, das nach Gottes Bild geschaffen, doch mit Methoden, die der Schöpfer niemals beabsichtigt hat- liefen vor meinem geistigen Auge die Warnungen von Humanae Vitae wie ein Film ab. Doch die Veranstalter sprachen und gerierten sich so, als hätten wir „unbegrenzte Verfügungsgewalt“ über unseren Körper und seine Funktionen.

Jedes Mal, wenn ich das blau-gelbe Gleichheitszeichen sehe, das zum Unterstützungsemblem für die „Ehe“ unter Gleichgeschlechtlichen wurde, denke ich an den tiefen Graben, der zwei unvereinbare Ansichten auf Sinn und Zweck menschlicher Sexualität voneinander trennt, zwei fundamental inkompatible Vorstellungen von Kindern, Familie und Gleichberechtigung. Sicher plädieren auch nicht alle Befürworter der „Homoehe“ für eine sexualisierte Version von Kinderrechten. Ich jedenfalls habe dies nie getan. Doch das Streben nach gleichen Rechten der „Homoehe“ privilegiert die sexuellen Wünsche von Erwachsenen über alles andere und bedient nur Emotionen, der Verstand bleibt außen vor.

In unserer „schönen neuen Welt“, so scheint es, sollen Erwachsene und Kinder gleiche Freiheiten haben, ihre sexuellen Vorlieben und ihre Gender-Identität selbst zu bestimmen. Wer sich mit dieser neuen Familienordnung nicht anfreunden kann und möchte -und das schließt Kinder aus LGBT Familien ein-, hat nur noch das Recht, den Mund zu halten.

Unseren Kindern zuliebe, jetzt muss darüber gesprochen werden!

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Dr. Jean Lloyd, ist Lehrerin und glücklich verheiratete Mutter zweier Kinder. Dieser Artikel wurde zuerst auf Public Discourse veröffentlicht und wird mit freundlicher Genehmigung hier publiziert.