Konflikt der Zukunft

Konflikt der Zukunft
Ich wage an dieser Stelle eine Prognose: Der entscheidende Konflikt der Zukunft wird nicht zwischen Mann und Frau ausgetragen, oder zwischen Arm und Reich, auch nicht zwischen Gebildet und Ungebildet. Er wird zwischen den Kinderlosen und den Familien mit Kindern ausgetragen werden. Ausgetragen werden müssen.
von Birgit Kelle
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Als ich kürzlich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mainz eine Veranstaltung mit Prof. Kurt Biedenkopf moderierte über die Probleme des demographischen Wandels, war ich nahezu erschrocken, dass die Fakten zu unserem ungerechte Sozial- und Rentensystem von Biedenkopf bereits seit über 30 Jahren in der Politik artikuliert werden, aber niemals ernsthaft in Angriff genommen wurden. „Wir haben 30 verloren“ sagte Biedenkopf und er hat Recht. Er gibt unserem Rentensystem nur noch etwa 10 Jahre bis zum Kollaps, dann wenn die zahlenmäßig starke Generation der Babyboomer in Rente geht und wir eine Belastung der Rentenkasse zu spüren bekommen, die jetzt noch lapidar zur Seite geschoben wird.
Der Konflikt wird kommen oder sich massiv entladen. Denn unsere Gesellschaft schafft keine Anreize mehr Kinder zu bekommen, oder gar viele Kinder und bürdet Familien immer mehr gesellschaftliche Lasten auf. Gleichzeitig lebt die Generation der Kinderlosen auf Kosten der nächsten Generation und lässt sich von dieser auch noch den Lebensabend bezahlen, ohne sich angemessen an den Investitionskosten in die Zukunft der Kinder zu beteiligen.
Ich weiß, dass diese gesellschaftliche Einteilung in Kinderlose und Familien mit Kindern dem ein oder anderen böse aufstößt. Ich erlebe diese Reaktionen auch bereits in Diskussionen unter Frauen, wenn ich anmerke, man müsste bei der Frauenförderung unterscheiden zwischen Müttern und kinderlosen Frauen. Dabei zieht sich die Linie hier genauso wie bei der Einbeziehung der Väter und der kinderlosen Männer. Um es deutlich auszusprechen: Nein, das ist keine „Bestrafung“ von Kinderlosen, sie gerade für die eigene Alterssicherung ganz massiv selbst in die Pflicht zu nehmen. Es geht darum, eine Bestrafung von Eltern, die derzeit Fakt ist, zu beseitigen.
Es geht hier nicht darum zu werten, ob ein Mensch mit Kindern mehr Wert ist, als einer ohne Kinder. Die Gründe für Kinderlosigkeit sind vielfältig und nicht wenige sind sogar gegen ihren Wunsch kinderlos und hätten gerne Kinder. Es bleibt aber Fakt, dass jemand der nicht in Kinder investiert, weder Zeit noch Geld, sich nicht im gleichen Maße am Generationenvertrag beteiligt, wie diejenigen, die es tun. Kinderlose haben viel mehr Zeit und Geld um privat für ihr Alter vorzusorgen, völlig egal ob sie bewusst oder ungewollt in dieser Situation stehen. Zu oft wird verkannt, dass unser Rentensystem keine kapitalbildende Versicherung ist, sondern ein umlagefinanziertes System, bei dem mit den heutigen Beiträgen unserer eigenen Elterngeneration der Lebensabend finanziert wird – sie hat schließlich in unsere Zukunft investiert - und nicht ein Kapital gebildet wird für die eigene Zukunft im Alter. Nur unsere eigenen Kinder können später unseren Lebensabend finanzieren. Dafür müssen sie allerdings geboren und großgezogen werden.
In diesem Zusammenhang empfehle ich den ganz phantastischen Artikel von Ferdinand Knauß in der WirtschaftWoche, der sich des Themas angenommen hat und gleichzeitig auch zeigt, wie wenig sich die Verhandlungen zur Großen Koalition mit diesem Thema überhaupt beschäftigt.
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