Kritik gegen Kopfnoten auf Zeugnissen hält an

Kritik gegen Kopfnoten auf Zeugnissen hält an
Erstmals zum Schulhalbjahrszeugnis 2008 wurden auf 2,7 Millionen Zeugnissen der Schüler in NRW wieder Kopfnoten verteilt. Es werden die Schüler ab der dritten Klasse in Arbeits-, Sozial- und Verhaltensweisen in folgenden Kategorien beurteilt: Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit – und zwar mit vier verschiedenen Noten: "sehr gut", "gut", "befriedigend" und "unbefriedigend".
von Bert Pfahl
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Landesweite Proteste

Sowohl von der GEW als auch von einzelnen Schulen organisierte Proteste richten sich gegen die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens der Schüler, die jetzt erstmals in NRW eingeführt wurde. Bisher gibt es „Kopfnoten“ nur in den Grundschulen in Bayern, die nicht –wie in der Presse fälschlich gemeldet- abgeschafft, sondern nur leicht verändert wurden.
Vor allem gegen Kopfnoten auf Abschlusszeugnissen, wie sie nicht einmal in den CDU-regierten Bundesländern Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Thüringen existierten, wendet sich GEW-Chef Meyer-Lauber, da er befürchtet, dass sich die beruflichen Chancen der Schulabsolventen nachhaltig verschlechtern: "Schon die Note "Befriedigend" im Arbeitsverhalten bedeutet doch null Chance auf einen Job!" Gegen einen „Rückfall in die autoritäre Pädagogik der 60er Jahre“ protestieren die Gegner der Kopfnoten, während die Landesregierung sie als eine wesentliche Hilfe für Eltern und Lehrer bei der Beurteilung der Schüler ansieht.
Was bestimmt das Schulgesetz NRW?

Im § 49 des Schulgesetzes, in dem es um Zeugnisse und Bescheinigungen über Schullaufbahnen geht, heißt es im 2. Absatz:
(2) Soweit in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen nichts andres bestimmt ist, werden neben den Angaben zum Leistungsstand in Zeugnisse und in Bescheinigungen über die Schullaufbahn aufgenommen:
- die entschuldigten und unentschuldigten Fehlzeiten,
- Aussagen zum Arbeitsverhalten und zum Sozialverhalten, denen die Notenstufen "sehr gut", "gut", "befriedigend" und "unbefriedigend" zu Grunde gelegt werden und die nach Entscheidung der Zeugnis- oder Versetzungskonferenz durch eine Beschreibung ergänzt werden können; die Schulkonferenz entscheidet, ob die Aussagen zum Arbeitsverhalten und zum Sozialverhalten an der Schule durch Beschreibungen ergänzt werden sollen und stellt Grundsätze für eine einheitliche Handhabung auf...
Mitverantwortung der Eltern

Die mit den Kopfnoten ausgelöste Diskussion hat auch etwas Positives: Sie macht den Eltern erneut klar, dass ihre Kinder in der Schule nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern dass es auch um Haltungen, Einstellungen, letztlich Werte und Tugenden geht, also einen Bereich der Erziehung, in dem Eltern die nach dem Grundgesetz „zuvörderst Verantwortlichen“ sind. Nur wenn sie daher die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Lehrern suchen, die Lehrer sich ihrerseits als Miterzieher zusammen mit den Eltern verstehen, können die Beurteilungen in diesem sensiblen Bereich eine Hilfe für die Schüler darstellen, vor allem wenn nicht nur Noten, sondern auch hilfreiche Erläuterungen hinzugefügt werden; sonst besteht in der Tat die Gefahr einer Stigmatisierung, die sich sehr nachteilhaft für die künftige berufliche Laufbahn auswirken kann.
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