Via Crucis - eine spirituelle Entdeckungsreise (6)

von Martin Eberts
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Im Neuen Testament wird berichtet, dass die Soldaten, die Jesus zur Hinrichtungsstätte trieben, einen vom Felde kommenden Mann, Simon von Cyrene, zwangen, dem entkräfteten Jesus das Kreuz zu tragen. Sie taten das vermutlich nicht aus Mitleid und Rücksicht auf ihr geschundenes Opfer, sondern eher aus Eigennutz; die Sache sollte schließlich nicht unnötig lange dauern, und sie selbst hatten keinesfalls Lust, das Kreuz zu schleppen, falls Jesus nicht mehr weiter könnte.

Dieser Simon war offenbar in der frühchristlichen Gemeinde bekannt, seine Söhne werden ausdrücklich mit Namen genannt. Seine Familie zählte also zu den ersten Christen in Jerusalem.

In der Situation aber, in der Simon sich plötzlich und unerwartet fand, war ihm das Ganze zunächst gewiss ein Ärgernis, quälend und entwürdigend. Da begegnet er unglücklicherweise diesem Horror-Zug und wird dann auch noch auf so peinliche Weise verwickelt… Später dürften ihn alle Mitglieder der ersten Christengemeinde um die unglaubliche Erfahrung beneidet haben, dem Erlöser das Kreuz ein Stück Weges getragen zu haben.

Ganz so wird es uns wohl kaum jemals gehen. Aber wir können doch erkennen, dass manchmal in Dingen, die uns eine große Last und ein peinliches Ärgernis sind, etwas Gutes stecken kann, wenn wir damit Anderen helfen. Denken wir daran, wenn wir einmal davor stehen, gegen unseren Willen etwas übernehmen zu sollen, das eigentlich nicht unsere Aufgabe ist. Überwinden wir uns und nehmen wir eine Last auf uns, die andere allein nicht tragen können. Uns wird es nicht gleich das Leben kosten, und wer weiß, was schließlich noch darin steckt…