Madagascar 3: Flucht durch Europa

 Flucht durch Europa
Vor sieben Jahren brachten die Filmemacher aus der Animationssparte von „DreamWorks“ den Spielfilm „Madagascar“ auf die Leinwand, der dank der liebevoll gezeichneten und bestens animierten Figuren einen erheblichen Erfolg verbuchen konnte. Ähnlich den „Ice Age“-Filmen der „Blue Sky Studios“ basierte die Handlung von „Madagascar“ auf dem Grundsatz der Freundschaft unter ungleichen Tieren: Waren es bei „Ice Age“ das aus Mammut Manny, dem Faultier Sid und dem Säbelzahntiger Diego bestehende Trio, so stand im Mittelpunkt von „Madagascar“ ein Quartett aus dem vorlauten Zebra Marty, dem eingebildeten Löwen Alex, der hypochondrischen Giraffe Melman und der divahaften Nilpferddame Gloria.
Filmische Qualität: 3,5 von 5 Punkten
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Darsteller (dt. Stimmen): Rick Kavanian, Jan Josef Liefers, Bastian Pastewka, Claudia Urbschat-Mingues, Michael Beck, Thomas D
Land, Jahr: USA 2012
Laufzeit: 93 Minuten
Genre: Animation
Publikum: alle (FSK: ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Wie bei „Ice Age“ gefielen insbesondere die charmanten Charaktere und ein sich aus kindgerechten Slapstick-Einlagen speisender Humor. Sorgte für diesen bei „Ice Age“ der hyperaktive Urzeitnager Scrat, so übernahmen die Rolle des Publikumslieblings in „Madagascar“ vier Pinguine, die sowohl in der Fortsetzung „Madagascar 2“ (2008) als auch in dem nun anlaufenden „Madagascar 3: Flucht durch Europa“ erneut eine wichtige Rolle spielen. Regie führen wie bei den ersten beiden Teilen Eric Darnell und Tom McGrath.
Nachdem das Tierquartett im ersten Teil aus einem New Yorker Zoo ausgebrochen war, um die große weite Welt außerhalb des Zoozauns kennen zu lernen, versuchte es im zweiten Teil, nach Hause in den Tierpark zurück zu gelangen. Marty, Alex, Melman und Gloria strandeten jedoch in Afrika. In „Madagascar 3: Flucht durch Europa“ starten sie einen neuen Versuch, endlich in ihren New Yorker Zoo zurückzukehren, deren Behaglichkeit sie so sehr vermissen. Für die Reise nach New York wollen sie Julien, den König der Lemuren, sowie die Pinguine Skipper, Private, Kowalski und Rico gewinnen, die über ein Flugzeug verfügen.
Diese haben sich allerdings nach Monte Carlo abgesetzt, um in ein Spielcasino einzubrechen. Also reisen ihnen Marty, Alex, Melman und Gloria nach. Der Plan, ins Casino einzubrechen, geht natürlich daneben. Noch schlimmer: Die Menschen brechen beim Anblick der Tiere in Panik aus und rufen Tierfänger zur Hilfe. Unter der Tierfänger-Polizei ragt die verbissene, trotz ihrer Leibesfülle durchtrainierte und mit allen Wassern gewaschene Capitaine Chantel DuBois heraus, die den Kopf eines Löwen für ihre große Trophäensammlung unbedingt will. Es beginnt eine atemberaubende Verfolgungsjagd über den Dächern von Monte Carlo.
Da kommt dem Tierquartett ein Wanderzirkus gerade richtig, um sich aus dem Staub zu machen. Um aber in den Zirkus aufgenommen zu werden, müssen sie zunächst den Widerstand des raubeinigen sibirischen Tigers Vitali überwinden, der sich mit dem „plüschigen“ Alex so gar nicht anfreunden will. Den Madagascar-Freunden gelingt es jedoch, dem heruntergekommenen Zirkus mit einigen mitreißenden Nummern neues Leben einzuhauchen. Ob sie dies aber der Heimat näherbringen bringt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Wie bei seinen Vorgängern kommt es in „Madagascar 3“ eher wenig auf die ohnehin vorhersehbare Handlung an. Wichtiger sind die hervorragend herausgearbeiteten Schauplätze sowie eine Action, die es in den zwei ersten „Madagascar“-Teilen gar nicht gab. Nun ist alles schneller und bunter, wobei der Film die 3D-Effekte nutzt, um die Handlung zu unterstützen. Seine große Stärke liegt jedoch in der Charakterzeichnung. Und „Madagascar 3: Flucht durch Europa“ kann mit einer Reihe neuer Figuren aufwarten, so etwa mit dem bereits erwähnten Vitaly, aber auch mit der Jaguardame Gia und dem italienischen Seehund Stefano. Die hinterhältigste Figur ist jedoch kein Tier, sondern ein Mensch: Die Inspektorin DuBois erscheint als eine Mischung aus Cruella deVil aus „101 Dalmatiner“ und Inspektor Clouseau aus „Der rosarote Panther“ mit Diva-Allüren, die sich etwa in ihrer parodistischen Fassung von Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ ausdrücken.
Wie bei Animationsfilmen üblich, spielt der Film von Eric Darnell und Tom McGrath auf andere Filme wie „Mission Impossible“ an. Mit seiner Hommage an den Zirkus, aber auch mit den vielen Einfällen und einer großartigen Animation gelingt es den Filmemachern, bestens zu unterhalten. Dass die Mischung aufgeht, zeigt der Erfolg an der Kinokasse: Bei Produktionskosten von 145 Millionen Dollar hat der Film weltweit bereits mehr als 600 Millionen Dollar eingenommen.
Obwohl „Madagascar 3: Flucht durch Europa“ nicht die Tiefe der Pixar-Filme erreicht, erzählt er von Freundschaft und Liebe, vor allem aber auch vom Zusammenhalt. Insbesondere stellt er die Frage nach dem Zuhause: Nachdem die vier Freunde die große Welt bereisen wollten, suchen sie Geborgenheit, ihren ureigenen Platz im Leben. Wobei sich selbstverständlich die Frage stellt, ob zu Hause ein Ort ist oder das Glück eher mit geliebten Menschen beziehungsweise vermenschlichten Tieren zusammenhängt.

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