Mademoiselle Populaire

Mademoiselle Populaire
Der animierte Vorspann, der später in Realbilder übergeht, zeigt sehr bunte fünfziger Jahre. Die Kamera zoomt auf eine Triumph-Schreibmaschine, die im Schaufenster eines Krämerladens steht. Rose Pamphyle (Déborah François), die Tochter des Ladenbesitzers, träumt im Jahre 1958 davon, dem kleinen Dorf in der Normandie und der so gut wie bereits arrangierten Hochzeit mit dem Sohn des Kfz-Mechanikers dadurch zu entfliehen, dass sie eine Anstellung im Traumberuf für junge Frauen „Sekretärin“ bekommt. Deshalb übt sie nach bewährter „Adler-Methode“ nachts an besagter Triumph-Schreibmaschine.
Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Regis Roinsard
Darsteller: Romain Duris, Déborah François, Miou Miou, Féodor Atkine, Mélanie Bernier, Bérénice Bejo, Shaun Benson, Nicolas Bedos, Eddie Mitchell
Land, Jahr: Frankreich 2012
Laufzeit: 111 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Mit der Zeit kommt sie mit ihrer Zwei-Finger-Methode ganz schön auf Geschwindigkeit, sodass sie sich in der nächstgrößeren Stadt Lisieux um einen Job bei einer Versicherungsagentur bewerben kann. Deren Juniorchef Louis (Romain Duris) erkennt sofort, dass sie für den Job kaum geeignet ist. Aber ihre Geschwindigkeit beim Tippen überzeugt ihn so sehr, dass er davon träumt, Rose zu einem Schreibmaschinen-Wettbewerb anzumelden.
Denn Louis möchte endlich aus dem Schatten seines Vaters (Eddy Mitchell) heraustreten und eine Wette gegen seinen amerikanischen Freund Bob (Shaun Benson), den Mann seiner ehemaligen Freundin Marie (Bérénice Bejo), gewinnen. Bei Roses erster Wettbewerbsteilnahme erleidet sie zwar einen Rückschlag. Weil aber ihre Technik ausbaufähig ist, verspricht sich Louis nun Einiges, wenn sie richtig übt. Dafür quartiert er Rose in seine Villa ein, um sie nach Feierabend zu trainieren. Marie und Bob haben längst durchschaut, dass sich Rose in ihren Chef verliebt hat. Nur er scheint nichts davon zu merken. Erst als Rose vom Schreibmaschinenhersteller Japy abgeworben wird, der für sie die pinkfarbene Schreibmaschine „Populaire“ eigens kreiert, und sich der Sohn des Chefs Gilbert Japy (Nicolas Bedos) als ihr Verehrer ausgibt, gesteht sich Louis seine Gefühle für Rose ein. Um sie zurückzuerobern, fliegt er kurz entschlossen nach New York, wo Rose an der Schnellschreib-Weltmeisterschaft teilnimmt.
In „Mademoiselle Populaire“ besticht zunächst einmal die bis ins kleinste Detail authentisch wirkende Ausstattung der Endfünfzigerjahre – von den Petticoat-unterfütterten Kleidern und den Maßanzügen über die Schmetterlingsbrillen und die Krawattennadeln bis hin zu dem urfranzösischen Auto Dauphine und dem permanenten Rauchen der Zigaretten, die aus metallenen Etuis herausgenommen werden. Mit der Ästhetik geht aber auch die Anmutung dieser Liebeskomödie einher, die an klassische Doris Day-Filme erinnert. Anders als die Geschlechterkampf-Filme der vierziger Jahre, deren Inbegriff Spencer Tracy und Katharine Hepburn waren (von „Die Frau, von der man spricht“, 1942 bis „Ehekrieg“, 1949), stellten die Komödien mit Doris Day – insbesondere an der Seite von Rock Hudson, so in „Bettgeflüster“, 1959 oder „Ein Pyjama für zwei“, 1961 – dank ihres kindhaften Gesichts die verschlungenen Wege zum Liebesglück in den Mittelpunkt. Sie stehen mit den heute klischeehaft wirkenden Geschlechterrollen Regisseur Régis Roinsard und seinen Mit-Drehbuchautoren Daniel Presley und Romain Compingt offensichtlich Pate. Die Inszenierung treibt mit dem Tippen die Handlung voran. Obwohl sich etwa die Idee des Schnellschreib-Wettbewerbs trotz der anfänglichen schönen Montage mit der Wiederholung abnutzt, bleiben einige inszenatorische Einfälle in Erinnerung, so etwa die Fingernägel in den jeweiligen Farben zum Erlernen des Zehn-Finger-Schreibens. In „Mademoiselle Populaire“ wird das Tippen auf der Schreibmaschine ja zu einer eine ganze Epoche prägende Handlung – sinnigerweise steht am Ende die Erfindung der Kugelkopf-Schreibmaschine.
Wie bei allen Liebeskomödien ist „Mademoiselle Populaire“ über die Ausstattung hinaus insbesondere ein Schauspieler-Film. Romain Duris spielt den in Liebesdingen desillusionierten, einsamen Chef, der sich in eine Aufgabe hineinsteigert und dabei seine Gefühle fast vergisst, mit sichtbarer Freude. Déborah François, die in „C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben“ noch einen Teenager verkörpert hatte, stellt die junge Frau, die ihren Kopf durchsetzen kann, überzeugend dar. Die witzigen Dialoge und eine wohldosierte Situationskomik lassen ihnen genug Raum, um ihre Figuren zu entfalten. Die vermeintlich harmlose Liebeskomödie entwickelt durchaus ernstere Töne, die sie bereichern.

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