Mandy will ans Meer

Mandy will ans Meer
„Mandy will ans Meer“ erzählt von der Sternenköchin Ida Schmidt (Anna Loos), die der 11-jährigen Mandy (Hanna Müller) in einem sozialen Jugendwerk zufällig begegnet. Als Ida von den katastrophalen Verhältnissen in Mandys Familie erfährt, will sie dem jungen Mädchen helfen. Sie muss aber feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist. Neben der glaubwürdig spielenden Anna Loos ragt in „Mandy will ans Meer“ die Kinderschauspielerin Hanna Müller mit einer eigenwilligen Mischung aus Energie und Verletzlichkeit heraus.
von José García
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Interview mit Hauptdarstellerin Anna Loos
Wie haben Sie sich als Mutter in eine Figur eingefühlt, die erst mit Ende Dreißig mit einem 11-jährigen Kind in Berührung kommt?
Anna Loos: Ida Schmidt hat schon vermeintlich die Jahre hinter sich, in denen sich eine Frau verliebt, Kinder bekommt und eine Familie gründet. Für sie persönlich ist der Zug abgefahren. Obwohl ich selbst Mutter bin, kann ich es nachvollziehen, weil ich viele Frauen kenne, die sich erst mit 42 Jahren verlieben. Oder auch viel gearbeitet und Karriere gemacht haben. Es gibt auch Frauen, die sagen: „Ich will um jeden Preis ein Kind“. Dies ist nicht mein Idealbild! Ein Kind ist schließlich keine Jacke, die man sich kauft. Ein Kind sollte aus der Liebe entstehen und in eine Familie hineingeboren werden.
Bei Ihnen ist es auch nicht gerade einfach: Sie sind ja mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers verheiratet, und Sie beide arbeiten sehr viel. Wie schaffen Sie es überhaupt?
Anna Loos: Manchmal wird es etwas chaotisch. Denn es braucht nur ein Anruf zu kommen, damit der ganze Plan für die nächsten drei Wochen total anders wird. Aber mit etwas Organisation und etwas Hilfe geht das schon. Ich habe eine tolle Managerin, die mich unterstützt, und ich habe ganz tolle Eltern. Natürlich habe ich auch eine Kinderfrau, weil ich nicht alles meinen Eltern zumuten kann. Aber sie sind häufig mein Rettungsanker. Ohne sie könnte ich meinen Beruf gar nicht ausüben. Darüber hinaus setze ich Prioritäten. Meine Kinder sind das Geschenk meines Lebens und darüber bin ich mir sehr bewusst! Mit ihnen sind auf einmal Dinge gar nicht mehr so wichtig, die früher große Bedeutung hatten.
Darüber hinaus arbeiten Sie auch in der Elternvertretung der Schule Ihrer Kinder mit...
Anna Loos: Eigentlich hätte ich keine Zeit dafür, aber ich finde es sehr wichtig. Als Kind habe ich immer viele Kinder nach Hause eingeladen. Meine Mutter konnte so nicht nur sie, sondern auch deren Eltern kennenlernen. Ich versuche, es genauso zu machen. Denn in unserer Gesellschaft gibt es für Familien mit Kindern viele Probleme. Die haben nicht nur wir, sondern viele andere Eltern: Der Vater ist Bäcker und die Mutter steht an der Kasse einer Tankstelle – schauen Sie sich die Arbeitszeiten an. Oder auch die Architektin, die am Flughafen stecken bleibt. Deshalb ist es so wichtig, Netzwerke aufzubauen und sich gegenseitig zu helfen. Wir sollen daran arbeiten, dass wir nicht nur an uns denken.
Wie beurteilen sie die Veränderung der von Ihnen gespielten Ida Schmidt im Film?
Anna Loos: Ida macht sich tapferer als sie eigentlich ist, um sich durchzusetzen. Als Sternenköchin arbeitet sie ja in einer Männerdomäne, denn in den großen Restaurants sind die meisten Köche Männer. Durch die Begegnung mit Mandy merkt sie aber, dass es wichtigere Dinge gibt. Sie erlebt so einen emotionalen Durchbruch. Entfernt sich etwas aus ihrem Egokosmos und öffnet sich. Die Begegnung mit Mandy war für Ida mindestens genauso wichtig wie für Mandy!
Durch Mandy kommt Ida auch mit einer ihr völlig unbekannten Welt in Berührung.
Anna Loos: In Berlin, wo es so große sozialen Unterschiede gibt, würde ich eine Aktion vorschlagen: Jeder, der bei KaDeWe ein Parfüm für mehr als 50 Euro kauft, sollte einen Tag in der Suppenküche arbeiten und den Menschen Zeit schenken. Leider hetzen viele Menschen wie durch einen Tunnel durch ihr Leben. Kein Fach in der Schule bringt den Kindern und Jugendlichen bei, dass sie anderen Menschen Zeit schenken sollen. Kinder hören meistens: „Du musst Deine Hausaufgaben machen“, aber niemand sagt: „Schau’ mal, der Fritz ist noch nicht fertig, vielleicht kannst Du ihm helfen.“ Dies sollte zur Erziehung gehören.
Obwohl es in „Mandy will ans Meer“ dieses Helfenwollen um Haaresbreite daneben gegangen wäre.
Anna Loos: Was ich aber gut finde, weil dies dazu gehört. Es ist nicht alles so wie in Idas Welt, wo alles wunderbar funktioniert. Helfen ist auch nicht so einfach. Er reicht nicht, einmal zwei Euro zu spenden, und dann geht es Afrika wieder gut. Am Drehbuch gefiel mir besonders, dass keine einfachen Lösungen angeboten werden.
In Ihren Filmen fällt es auf, dass Sie sich dem Diktat, sich nackt zu zeigen, gar nicht beugen. Folgt dies einem Grundsatz?
Anna Loos: Ich hasse es einfach, dass die Hauptdarstellerin einmal im Film nackt durchs Bild laufen muss. In einem Film habe ich vor 15 Jahren einmal mein T-Shirt ausgezogen, und mich dann total geärgert, dass ich mich dazu habe überreden lassen. Ich persönlich muss nicht jeden Hauptdarsteller einmal pro Film nackt sehen. Ich kämpfe jedes Mal wie eine Löwin, denn es kommt immer eine Stelle, wo ich sage: „Das mache ich nicht“. Auch wenn andere darüber lachen – ich kann mich gut durchsetzen. Denn ich sehe Nacktheit eher als Verletzlichkeit. Eine Figur nackt darzustellen, wenn sie am Boden zerstört ist, würde schon für mich Sinn machen. Aber nicht so, wie es für so manche Fernsehliebesszene eingesetzt wird.
„Mandy will ans Meer“ wir am Montag, 26. November, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Der Film erscheint am 7. Dezember als DVD.
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