Warum wird die Arbeit von Müttern, die für ihre Kinder zu Hause bleiben, nicht anerkannt?

Warum wird die Arbeit von Müttern, die für ihre Kinder zu Hause bleiben, nicht anerkannt?
Da saß ich nun, unausgeschlafen, weil die Kinder mich wieder mal die ganze Nacht auf Trab gehalten hatten, und versuchte, einen Blick in die Morgenzeitung zu werfen, während ich zwei zappelige Säuglinge stillte. Ein Beitrag über „nicht berufstätige Mütter“ sprang mir ins Auge.
von Colleen Carroll Campbell - aus dem Englischen übertragen von Horst Niederehe
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Er bezog sich auf eine kürzlich durchgeführte Erhebung des „US Census Bureau“, die 5.6 Millionen nicht berufstätige Mütter im Vergleich zu berufstätigen Müttern, als im Durchschnitt „jünger“, „ärmer“, „von geringerer Schulbildung“ und „vielfach von ausländischer Herkunft“, klassifizierten.
Dass sie jünger sind, ist klar. Die meisten Frauen, die sich entschieden haben, zu Hause zu bleiben, haben kleine Kinder, die wiederum meist von jungen Müttern geboren wurden. Aber „ärmer“ und „von geringerer Schulbildung“, entspricht sicher nicht der Realität. Ich kenne eine Reihe von Müttern, die vielversprechende Karrierechancen zurückgestellt haben, um ganz für ihre Kinder da sein zu können.
Kritik verdient auch die Folgerung des Beitrags, dass Frauen sich oft nur aus Verzweiflung und Zwängen ganzzeitig ihren Kindern widmen, nicht jedoch weil es ihnen ein Bedürfnis ist, ihre Mutterschaft auszufüllen. Als Frau, die sich bei vollem Bewusstsein für einen flexiblen und auch ein wenig unorthodoxen Berufsweg entschieden hat, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können, fühle ich mich durch diese Aussage in nicht geringem Maße beleidigt.
Als die Babys ihre Bäuerchen gemacht hatten und frisch gewickelt waren, ging mir durch den Kopf, warum Berichte über Vollzeit-Mütter diese selbst oft frustrieren. Wir werden einfach in die Schubladen „arbeitende Mütter“ oder „nicht-arbeitende Mütter“ einsortiert, eine Ungeheuerlichkeit, die jede Frau zutiefst beleidigt, die den Aktenkoffer gegen die Milchpumpe eingetauscht hat und auf eindrückliche Weise lernen konnte, dass es die Spezies der „nicht-arbeitenden Mutter“ nicht gibt. Wichtiger noch: man ignoriert einfach die komplexe Realität des Lebens von Müttern, die einerseits wünschen, sich uneingeschränkt ihren Kindern widmen zu können, andererseits jedoch mit ihrem Beruf und dem öffentlichen Raum in Kontakt bleiben möchten.
Der letzte Census Report ist ein gelungenes Beispiel dafür. Dort wird die Definition der „nicht-arbeitenden Mutter“ auf den Personenkreis verengt, die im vorausgegangenen Jahr keiner Erwerbstätigkeit nachgingen und deren Ehemänner über 52 Wochen erwerbstätig waren. Von dieser Definition waren die Mütter ausgenommen, die mindestens eine Woche im Jahr eine Anstellung hatten, auch wenn sie den Rest ihrer Zeit den Kindern widmeten, und / oder die, deren Ehemänner nicht durchgehend beschäftigt waren.
Die Weigerung des Census Bureau, diese große Gruppe von Teilzeitbeschäftigten der Gruppe der Mütter zuzurechnen, die ihre Kinder selbst zu Hause betreuen –was im Übrigen ihr eigenes Selbstverständnis ist– vermittelt den Eindruck, dass der Census Report die verantwortliche, zu Hause betreuende Mutter als „Heimchen am Herd“ mit wenig marktfähigen Eigenschaften darzustellen bemüht ist.
Die Realität sieht anders aus: amerikanische Mütter halten Teilzeitarbeit mehr und mehr für die bessere Wahl, als eine Überholspur-Karriere, die, nach dem Willen der Feministen, jede Frau mit Selbstwertgefühl anstreben müsse. Eine „PEW“-Umfrage der vergangenen Woche ergab, dass unter den drei vorgelegten Optionen: Vollzeitarbeit; Teilzeitarbeit; keine Berufstätigkeit; die Mehrzahl der Mütter Teilzeitarbeit als ideal für Mütter mit Kleinkindern ansahen. Nur 13% der Mütter, die eine Vollzeitstelle bekleiden, sagen, dass dies die ideale Situation für ein Kleinkind sei. Der Behauptung, dass nur privilegierte Frauen sich Teilzeitarbeit wünschen, steht eine frühere Studie des „PEW“ entgegen, die belegt, dass die befragten Mütter, unabhängig von Einkommen und Bildung, Teilzeitarbeit attraktiv finden.
Viele Mütter haben keine andere Wahl, als einer Vollzeitarbeit nachzugehen. Andere würden gern Teilzeit arbeiten, finden jedoch keine Stelle, die adäquat bezahlt wird, um die Betreuungskosten der Kinder zu decken. Beide Gruppen verdienen Unterstützung, aber dies gilt ebenso für die wachsende Zahl von Müttern, die das tun, was viele amerikanische Frauen sich wünschen: die ganz persönlichen und tiefen Freuden der Mutterschaft auskosten, ohne jedoch ihre Verbindung zu Beruf und öffentlichem Leben aufgeben zu müssen.
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Colleen Carroll Campbell ist Autorin, gestaltet Fernseh- und Rundfunk-Programme, lebt in St. Louis und ist „fellow at the Ethics and Public Policy Center“. Ihre Website ist www.colleen-campbell.com. Dieser Beitrag wurde zuerst im „St. Louis Post-Dispatch“ am 8. Oktober 2009 veröffentlicht.
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