Nationaler Bildungsbericht 2010

Nationaler Bildungsbericht 2010
Zeitgleich mit der Veröffentlichung der neuesten PISA-Ergebnisse legt eine unabhängige „Autorengruppe Bildungsberichterstattung“ den 3. „Nationalen Bildungsbericht 2010“ vor, in dem auf über 300 Seiten, davon ein Drittel Tabellenanhang, alle wichtigen Daten über den Stand und die Perspektiven der Bildung unter Berücksichtigung des demografischen Wandels von der Kita bis zur Weiterbildung aufgeführt sind.
von Horst Hennert
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Pflichtlektüre für alle Bildungspolitiker

Der alle zwei Jahre vorgelegte nationale Bildungsbericht gibt einen differenzierten Überblick über das gesamte Bildungswesen von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung mit dem diesjährigen Schwerpunkt der „Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel“.
Wie man dort lesen kann ist er „für die Bildungspolitik von Bund und Ländern ... damit ein wichtiges Instrument, um Prozesse im Bildungswesen zu beobachten und Handlungsbedarf aufzuzeigen.“
Als wichtige Erfolgsmeldungen werden im Kommentar der Bundesregierung u.a. herausgestellt:
  • Immer mehr Kinder unter 3 Jahren können von einem Betreuungsangebot profitieren: Die Bildungsbeteiligung der unter 3-Jährigen stieg 2009 in den alten Ländern auf rund 15 Prozent und in den neuen Ländern auf 45 Prozent.
  • Immer mehr Schulabsolventinnen und Schulabsolventen finden einen Ausbildungsplatz: Die Ausbildungsmarktsituation verbessert sich seit 2006 kontinuierlich.
  • Immer weniger Schülerinnen und Schüler gehen ohne Abschluss von der Schule: Im Jahr 2008 waren es 7,5 Prozent im Vergleich zu 8,5 Prozent in 2004.
  • Immer mehr Schülerinnen und Schüler gehen auf das Gymnasium: 32 Prozent haben im Jahr 2008 mit der allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen im Vergleich zu 28 Prozent in 2004.
  • Immer mehr Schulabsolventinnen und Schulabsolventen beginnen ein Studium: Die Quote der Studienanfängerinnen und Studienanfänger ist mit 43 Prozent (2009) auf einem Höchststand.“

Die Herausforderungen des demografischen Wandels

Die einschneidenden demografischen Veränderungen stellen den Bund und die Länder vor große Herausforderungen, wobei auch in diesem Bericht nicht abzusehen ist, wie die Bundesregierung sie lösen will. Als wichtigste Punkte werden genannt:

  • Der nationale Bildungsbericht stellt nochmals dar, dass der Bildungserfolg eng mit der sozialen Herkunft verbunden ist: Fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren wächst in sozialen, finanziellen oder kulturellen Risikolagen auf, die aus geringer Bildung, geringem Einkommen oder Erwerbslosigkeit der Eltern resultieren und die Bildungschancen der Kinder negativ beeinflussen. Besonders häufig sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund hiervon betroffen.
  • Bei der Anzahl der Geburten ist die Tendenz weiter rückläufig. Der Trend eines ansteigenden Lebensalters setzt sich fort. Der Anteil der Bevölkerung in der Erwerbsphase geht weiter zurück.
  • Die Anzahl der Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer in Kindertagesstätten, Schulen, Einrichtungen der Berufsbildung und Hochschulen wird vom Jahr 2008 bis zum Jahr 2025 um 2,6 Millionen bzw. 15 Prozent auf 14,1 Millionen zurückgehen. ... So ist in Westdeutschland mit einem Rückgang von 17 Prozent und in Ostdeutschland von 14 Prozent zu rechnen. Für die Stadt- staaten wird eine Zunahme der Bevölkerung und damit auch der Bildungsteilnehmerzahlen, in den ländlichen Regionen ein Rückgang erwartet.
  • Die Projektion zum Arbeitskräftebedarf bis 2025 zeigt zugleich, dass die Nachfrage nach un- und geringqualifizierter Arbeit weiterhin abnehmen, nach mittleren Qualifikationen relativ konstant bleiben bzw. gering zurückgehen und nach hohen Qualifikationen, die ein Hochschulstudium voraussetzen, zunehmen wird.“

Die Bundesregierung kommt zu dem Ergebnis, dass nur mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand eine Lösung in den beiden Bereichen erreicht werden kann:

  • Der Bildungsstand der Bevölkerung muss weiter erhöht werden.
  • Die Attraktivität Deutschlands für Fachkräfte aus aller Welt muss erhöht werden.

Dazu sind folgende finanzielle Vereinbarungen getroffen:
„Die Bundesregierung schafft hierfür die Voraussetzungen und hat deshalb den Bereich Bildung und Forschung explizit aus den Sparmaßnahmen bei der Aufstellung des Bundeshaushaltentwurfs 2011 und des Finanzplans bis 2014 ausgenommen. Der Bund stellt bis 2013 zusätzliche 12 Mrd. Euro für Bildung und Forschung bereit. Mit dem Ziel, bis zum Jahr 2015 gesamtgesellschaftlich 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung aufzuwenden, will die Bundesregierung die Voraussetzungen für notwendige Investitionen schaffen, denn nur durch Bildung und Forschung lässt sich langfristig der Wohlstand unseres Landes erhalten.“
Wir dürfen gespannt sein, ob die finanziellen Vorsätze über diese Legislaturperiode hinausgehen und sich ein langfristiges Bildungskonzept verwirklichen lässt.
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Link
Nationaler Bildungsbericht 2010 – Bildung in Deutschland, Drucksache 17/3400:

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