Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten

 Fremde Gezeiten
Mehr als 2,6 Milliarden Dollar spielten die ersten drei „Fluch der Karibik“-Filme zusammen weltweit ein. Der erste Teil der Trilogie überraschte im Jahre 2003 durch seine rasante Action. Regisseur Gore Verbinski konnte und wollte den Filmursprung in einer der klassischen Attraktionen des Disney-Vergnügungsparks nicht leugnen. „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl“ – so der Originaltitel – wirkte wie eine einzige Achterbahnfahrt. Der Film erzählte vom Piraten Jack Sparrow (Johnny Depp), der sein durch Verrat verlorenes Schiff „Black Pearl“ wieder in seine Gewalt bringen will.
Filmische Qualität: 2 von 5 Punkten
Regie: Rob Marshall
Darsteller: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane, Kevin R. McNally, Astrid Berges-Frisbey, Sam Claflin
Land, Jahr: USA 2011
Laufzeit: 136 Minuten
Genre: Action
Publikum: Jugendliche (FSK ab 12 Jahren)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Allerdings spielte die Handlung eher eine untergeordnete Rolle. Was dem Film zum Erfolg verhalf, war neben den hervorragenden Spezialeffekten und den verrückten Einfällen vor allem ein Johnny Depp in Höchstform, der „Captain Sparrow“ mit rumgetränktem Blick, torkelndem Gang und leicht tuntigen Manierismen zu einer Pop-Kultfigur machte. Nachdem 2006 und 2007 ebenfalls unter Verbinskis Regie zwei weitere Piraten-Filme folgten, war die Trilogie zunächst einmal vollendet.
Für den vierten „Fluch der Karibik“-Film „Fremde Gezeiten“ („Pirates of the Caribbean – On Stranger Tides“) verpflichtete Produzent Jerry Bruckheimer nicht nur einen neuen Regisseur, Rob Mashall. Darüber hinaus lehnten sich die Drehbuchautoren der „Pirates of the Caribbean“-Reihe Ted Eliott und Terry Rossio diesmal an den 1988 erschienenen Piraten-Roman von Tim Power „On Stranger Tides“ an, von dem sie auch gleich den (Unter-)Titel übernahmen. Dies betrifft insbesondere das Motiv der „Jungbrunnen“-Suche, das im Mittelpunkt vom vierten „Fluch der Karibik“-Film steht.
Ziemlich losgelöst von der ersten „Pirates of the Caribbean“-Trilogie handelt der neue Piraten-Film denn auch von der Suche nach der sagenhaften „Quelle der ewigen Jugend“. Dafür braucht Jack Sparrow nicht nur eine Piraten-Karte, sondern auch die Träne einer Meerjungfrau. Dazu gedrängt wird der liebenswerte Pirat von einer mysteriösen Piratin aus seiner Vergangenheit namens Angelica (Penélope Cruz), die ihn aufs Schiff ihres Vaters, des gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane), bringt. Dass sich Sparrow nicht sicher sein kann, ob Angelica ihn liebt oder nur für ihre Ziele benutzt, gehört zum roten Faden der Filmhandlung. Der aus den früheren „Pirates“-Filmen bekannte Captain Barbossa (Geoffrey Rush) hat sich inzwischen vom Piratenleben verabschiedet und segelt nun unter der Flagge der britischen Krone – die Rivalität mit Sparrow bleibt freilich erhalten. Und schließlich tauchen noch spanische Aristokraten auf, war doch die Quelle der Jugend das Ziel des spanischen Entdeckers Juan Ponce de León Anfang des 16. Jahrhunderts gewesen. Ein kurzer Auftritt beschert Rolling Stones-Gitarristen Keith Richards als Captain Teague Sparrow einen bemerkenswert (selbst-)ironischen Dialog.
Aus diesen Zutaten dreht Rob Marshall einen Film, der zwar weniger episodenhaft als die erste Trilogie anmutet, aber auch etliche Längen aufweist. Nach einer atemlosen, mit viel Gespür für Rhythmus inszenierten ersten halben Stunde tritt „Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“ jedoch ganz schön auf der Stelle, um dann wieder zu einem rasanten Finale zu kommen, das allerdings – soviel sei jetzt schon verraten – die Brücke zu einer weiteren Fortsetzung baut. Ist die etwas verworrene Handlung in einem Film, der nichts weiter als gute Unterhaltung bieten will, völlig verzeihlich, so wiegt es schon schwerer, dass sich der Zuschauer über weite Filmstrecken langweilt.
Die Schauwerte von „Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“ überzeugen indes erneut. Die Verknüpfung von computergenerierten Bildern und echten Schauplätzen gelingt den Filmemachern meisterhaft. Kameramann Dariusz Wolski, der bereits die ersten drei „Pirates of the Caribean“-Filme fotografiert hatte, entlockt sowohl den ersten Szenen in London als auch den schönen, exotischen Landschaften wunderbare Bilder. „Fremde Gezeiten“ ist außerdem der erste Abenteuerfilm, der mit 3D-Kameras an Originalschauplätzen auf fünf verschiedenen Inseln gedreht wurde. Darüber hinaus besticht das Produktionsdesign vom zweifachen Oscarpreisträger John Myhre. Zu der „Pirates of the Caribean“-Franchise gehört auch die Filmmusik von Hans Zimmer wesentlich dazu, eine die Handlung schnell vorantreibende Musik, eine Mischung aus klassischer Abenteuer- und moderner Synthesizer-Musik, angereichert durch die Gitarrenklänge des renommierten mexikanischen Duos „Rodrigo y Gabriela“.
Leider stehen all diese Schau- und Hörwerte einer Geschichte zur Verfügung, die dem Zuschauer inzwischen viel zu bekannt vorkommt: Trotz einer Penélope Cruz, die sich Johnny Depp durchaus ebenbürtig zeigt, trotz eines herrlich finster dreinschauenden Ian McShane und der schrulligen Figur des Captain Barbossa vermag „Fremde Gezeiten“ kaum zu überraschen, wobei nach nunmehr vier „Fluch der Karibik“-Filmen die Slapstickeinlagen des schrägen Piratenkapitäns Jack Sparrow leidlich abgegriffen wirken.

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