Reinheit ist möglich: Hoffnung für Porno-Abhängige

von Kevin Majeres - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Es ist mittlerweile Allgemeingut, die Abhängigkeit von Pornographie als Sucht zu bezeichnen. Doch wie kann man diese Sucht überwinden? Dr Kevin Majeres, Psychiater an der Fakultät für kognitive Verhaltenstherapie der Harvard Medical School erläutert in einem Interview mit MercatorNet, dass eine spezielle Therapie denen helfen kann, die die „Macht der Begierde“ brechen wollen. Das ist der Grund, weshalb er diese Menschen online erreichen möchte.

Mit seiner Zustimmung haben wir auch einen Beitrag seiner Website mit dem Titel: „Pornographie wissenschaftlich betrachtet“ übernommen, der hier bald auf Deutsch publiziert werden wird.

Frage: Sie sind als Therapeut sehr gefragt und außerdem in der Lehre tätig. Was bewog Sie, Abhängige online anzusprechen?

Antwort: In meiner klinischen Praxis befasse ich mich in erster Linie mit der Behandlung von Angstzuständen. In einer Reihe von Fällen wurde mir klar, dass Suchtverhalten in dieses Bild passen, weil es dabei ebenso eine Rolle spielt, bestimmte Vermeidungsstrategien zu befolgen, die Angstzustände verschlimmern können. Es lag deshalb auf der Hand, die Vorgehensweise zur Behandlung von Angstzuständen auf die Therapie von Süchten anzuwenden und es zeigt sich, dass dieser Ansatz Erfolg verspricht.

Die Einrichtung der Informations-Plattformen purityispossible.com für sexuell bestimmtes Suchtverhalten und overcomingcravings.com für allgemeine Suchtkrankheiten ist für mich ein logischer Ansatz, Menschen zu helfen, indem ihnen Therapieansätze erklärt werden.

Wenn Sie von „Sucht“ in Bezug auf sexuelle Verhaltensweisen sprechen, ist dies eine Metapher?

Vom therapeutischen Standpunkt ist Sucht ein wiederholtes Verhalten, bei dem der Aufwand den erzielten Nutzen wegen der Begierde nach immer mehr überwiegt. Die Empfindung von Begierde begründet noch keine Sucht: man kann nach etwas Verlangen haben, ohne die Definition von Sucht zu erfüllen, sofern die Kosten (materiell, wie immateriell [A.d.Ü.]) dieses Verhaltens nicht den Nutzen übersteigen.

Wenn das Verhalten jedoch Ideale und Werte eines Menschen verletzt, zieht dieser keinen Nutzen aus seinem Verhalten. Man kann deshalb vereinfacht sagen, dass eine Sucht dann vorliegt, wenn jemand seine Ideale wegen irgendwelcher Begierden verletzt. Diese Definition gilt für alle Formen von Suchtverhalten.

Erklären Sie uns bitte, wie Ihre Website purity is possible funktioniert?

Die Seite hat neun interaktive Module. Ich wollte ein Format von Frage und Antwort anbieten, sodass der Nutzer sich besser persönlich angesprochen fühlt und ich selbst, wenn nötig, umfassende Erklärungen geben kann, wenn es darum geht, Konzepte zu erläutern, die vielleicht falsch verstanden wurden. Die neun Themenbereiche umfassen alle notwendigen Elemente kognitiver Verhaltenstherapie.

Der erste Schritt ist angelegt, Menschen zu helfen, sich Klarheit über ihre Ideale zu verschaffen. So haben sie ein positives Bild im Sinn und werden dann mit den Konzepten von Circulus Vitiosus (Teufelskreis) und Circulus Virtuosus (Tugendkreis) bekannt gemacht, Kernpunkten der Verhaltenstherapie.

Das zweite Modul behandelt die Geduld, als sehr spezifisches Ideal und Ziel, die Macht der Begierde zu brechen. Die folgenden Module festigen die Elemente von Geduld im Detail, wobei die Inhalte immer spezifischer und konkreter werden und gezielte, messbare Übungen erlauben.

Reinheit ist für alle möglich, sagen Sie. Dies gibt Anlass zu Hoffnung, doch scheint gerade die Reinheit ein sehr anspruchsvolles Ideal für Leute von heute darzustellen. Welche Reaktionen erhalten Sie von Ihren Patienten?

Ich erfahre, dass viele Menschen froh sind, einen optimistischen Ansatz zu finden, der hohe Ideale mit solider Therapiepraxis verbindet. Die Idee für die Website nahm Gestalt an, als ich sah, dass meine Patienten sehr positiv und sehr schnell auf die Ansätze kognitiver Verhaltenstherapie bei Begierde-Problemen reagierten. Durch das Feedback der Leser meiner Website stelle ich fest, dass dieser grundlegende Ansatz immer weiter Beachtung findet.