Privatschulen boomen weiter

Privatschulen boomen weiter
Nach neuesten Angaben des statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Privatschulen auf fast 2 800 erhöht, bei einem jährlichen Zuwachs von 50 Privatschulen. An ihnen werden derzeit rund 640 000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, womit 7,5 % aller Schüler eine Privatschule besuchen.
von Bert Pfahl
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Welches sind die Gründe?
Ein geringerer Teil der Eltern sucht gezielt eine konfessionelle Schule für ihre Kinder, der größere Teil erhofft sich von den privaten Schulen, die selbst lieber als freie Schulen bezeichnen, eine bessere Förderung der Kinder, ein harmonisches Lernklima ohne Gewalt und Drogenprobleme, bestimmte alternative Unterrichtskonzepte und eine engagierte Lehrerschaft.
Die meisten freien, also nicht staatlichen Schulen befinden sich in Trägerschaft der katholischen oder evangelischen Kirche, gefolgt von den Waldorf-Schule; ein kleinerer Teil wird von Privatpersonen oder Vereinen getragen. Trotz der stetigen Zunahme von Privatschülern in Deutschland liegt ihr Anteil noch weit unter dem unserer Nachbarländer, wie Italien, Schweiz, England und Spanien, oder Frankreich, wo 20 % oder in den Niederlanden, wo sogar 70 % eines Jahrgangs private Schulen besuchen, was allerdings auch historische Gründe hat. In Deutschland standen bis weit in die 70er Jahre die öffentlichen Schulen in hohem Ansehen, so dass private Schulen als weniger dringend empfunden wurden. Das hat sich seither entscheidend geändert.
Image der öffentlichen Schulen verschlechtert
Nicht zuletzt haben die PISA-Studien dazu beigetragen, dass die Skepsis der Eltern gegenüber dem öffentlichen Schulwesen ständig zugenommen hat. In die negativen Schlagzeilen in Bezug auf Gewalt, Drogen, Unterrichtsausfall etc. sind zumeist nur die öffentlichen Schulen geraten. Da sich die freien Schulen ihre Lehrer und Schüler auswählen können, haben sie ein meist günstigeres Sozialgefüge, engagiertere Lehrer und eine größere Nähe zur Elternschaft. Ohne Zweifel gibt es auch viele gute öffentliche Schulen, die auch einen wachsenden Zulauf erfahren. Aber die Eltern entscheiden heute bewusster, auf welche Schule sie ihr Kind schicken, da sie um den großen Einfluss der schulischen Entwicklung für den weiteren Lebensweg ihrer Kinder wissen.
Nicht nur für Wohlhabende
Das Schulgeld an den privaten Schulen variiert sehr stark: von gar keinem Schulgeld bis zu 1.000.- Euro im Monat ist alles zu finden. Oft wird das Schulgeld auch vom Einkommen der Eltern abhängig gestaffelt. An vielen Schulen gibt es die Möglichkeit, ein Stipendium zu erhalten. Gesondert müssen die Internatskosten gerechnet werden, die sich auf Vollpension und rund um die Uhr Betreuung beziehen. Viele Eltern lassen sich auch die spezifische Förderung ihrer Kinder in musischen Fächern, Sprachen, Naturwissenschaften oder Sport gerne etwas kosten, andere müssen Zuflucht bei privaten Schulen suchen, die sich speziell auf Kinder mit Mängeln, wie ADHS-Syndrom oder andere Schwächen eingestellt haben.
Als Resumee lässt sich ziehen: Von Eltern wird zunehmend eine spezifische Förderung ihrer Kinder gewünscht, so dass die freien Schulen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe in einer freiheitlichen Demokratie wahrnehmen und daher vom Staat besonders gefördert werden sollten.
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