Eltern empört Abschaffung der Hausaufgaben-Pflicht für 5. und 6. Klassen

Eltern empört Abschaffung der Hausaufgaben-Pflicht für 5. und 6. Klassen
An einer Reihe von Gymnasien sind seit diesem Schuljahr für Schüler der 5. und 6. Klassen die schriftlichen Hausaufgaben freiwillig. Wie so oft, wird dies nur in einem Schreiben der Schulleitung an die Eltern bekannt gegeben. Bei auftretenden Problemen wird Förderunterricht in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch angeboten. Als Hauptargument für den neuen pädagogischen Weg beruft man sich auf einen im Internet-Portal des Spiegels erschienenen Artikel: „Hausaufgaben bringen nichts“. Empörte Eltern fragen, was sie dagegen tun können.
von Dr. Thomas Lorenz
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Die Fragwürdigkeit von „Studien“

Basierend auf einer Studie der Universität Dresden seien Hausaufgaben nicht mehr als ein „pädagogisches Ritual“. „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben“, so Professor Hans Gängler von der TU Dresden. Die wissenschaftlichen Grundlagen der Studie erscheinen jedoch recht fragwürdig, da sie lediglich auf einer Meinungs-Abfrage von Lehrern und Schülern aufgebaut wurden (vgl. dazu Sind Hausaufgaben nur „pädagogisches Ritual“?).
Die positive Wirkung schriftlicher Hausaufgaben sind wohl jedem bekannt, zum Beispiel die Übung bestimmter Rechenoperationen im Kernfach Mathematik führen zur Festigung und dem weiterem Verständnis der Lösungswege. Insbesondere in Vorbereitung auf schriftliche Leistungskontrollen, in welchen in einer vorgegebenen Zeit logische Operationen durchgeführt werden müssen.
Mangelndes Eingehen auf die Wünsche der Eltern

An einem konkreten Beispiel zeigt sich, wie wenig auf die Argumente der Eltern eingegangen wird: Die mit dieser neuen Regelung unzufriedenen Eltern eines Gymnasiums haben sich schriftlich und mündlich um Kontaktaufnahme mit der Schulleitung bemüht, ohne mit ihren Sorgen durchzudringen. Allgemeine Probleme mit den Hausaufgabenstunden in einer Ganztagsschule wurden ihnen entgegengehalten, etwa dass Schüler keine geeigneten Materialien besaßen, um die Aufgaben zu lösen. Auch solle man ihnen durch verbindliche schriftliche Hausaufgaben „die Kindheit nicht nehmen“ bzw. mehr „Freiräume“ schaffen.
Darum geht es den besorgten Eltern aber im Kernpunkt nicht. Ihnen ist bekannt, wie wichtig eine angemessene Freizeitgestaltung mit körperlicher Bewegung als Ausgleich zur hohen schulischen Belastung ist. Aber ein Kind kann auch neben dem Fußball-Training schriftliche Hausaufgaben erledigen! Auch ist den kritischen Müttern und Vätern bewusst, dass Hausaufgaben kein Selbstzweck sind und es vorkommen kann, dass Aufgaben gestellt werden, die keinen Lernzugewinn bringen. Aber jeder verantwortungsvolle Lehrer wird aus seiner beruflichen Praxis bestätigen können, dass durch die systematische Erledigung schriftlicher Aufgaben zu Hause das Gelernte gefestigt und gleichzeitig Eigenstudium trainiert wird.
Da die Entscheidung über das Freizeitverhalten ihrer Kinder in die Kompetenz der elterlichen Erziehung fällt, hat die Schule ihnen hier keine Vorschriften zu machen. Wenigstens hätte eine Umfrage an die Eltern und eine Besprechung im Schulelternrat erfolgen sollen, ob sie mit solch einem „Experiment“ ihrer Kinder einverstanden sind.
Insbesondere für leistungsschwache Schüler mit geringer häuslicher Unterstützung besteht die Gefahr eines forcierten Leistungsabfalls, wenn Hausaufgaben in das Belieben der Schüler gestellt wird: welches Kind macht schon freiwillig gerne Hausaufgaben? Bei mehrfach schlechten Noten ist durch die auftretende Frustration auch der Förderunterricht nicht mehr Erfolg versprechend. Gerade in den 5. und 6. Klassen sind Probleme durch die Umstellung auf das hohe Leistungsniveau eines Gymnasiums bekannt. Ausgerechnet diese Schüler sollen nun auf schriftlich verpflichtende Hausaufgaben verzichten, wobei sie ohne die Einübung beim Wechsel aufs Gymnasium ab der 7. Klasse dann bindend sein sollen.
Verschiedene pädagogische Auffassungen

Wenn die Leitung einer Schule ein neues pädagogisches Konzept, das auf „Freiwilligkeit und Lust“ bei der Erledigung der Hausaufgaben setzt, einführen möchte, sollte dies in enger Absprache mit den Eltern geschehen.
Im Zusammenwirken mit den Eltern lassen sich immer Lösungen finden, z.B. eine testweise Befreiung eines Klassenzuges von der Hausaufgabenpflicht für einen begrenzten Zeitraum, um ein neues Konzept erst einmal zu evaluieren; eine Absprache darüber, dass z.B. an bestimmten Tagen keine Hausaufgaben aufgegeben werden etc. Da die Eltern die Erstverantwortlichen in der Erziehung ihrer Kinder sind, sollte die Schule nicht über die Köpfe der Eltern hinweg und ohne das Gespräch mit ihnen, neue pädagogische Konzepte einführen.
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