The Revenant - Der Rückkehrer

von José García
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Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts stand die „Frontier“ der Vereinigten Staaten, das Grenzland, in dem die einheimischen Indianerstämme immer weiter nach Westen gedrängt wurden, westlich des Flusses Mississippi-Missouri. In für Weiße bis dahin unbekannte Teile des nordamerikanischen Subkontinents stießen insbesondere die Mitglieder der 1823 gegründeten Pelzhandelsgesellschaft „Rocky Mountain Fur Company“. Dieser Gesellschaft trat als Scout und Trapper Hugh Glass (um 1783 –1833) bei, der in der Gegend bereits einige Jahre verbracht hatte.

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Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Alejandro González Iñárritu
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Paul Anderson, Kristoffer Joner, Joshua Burge, Duane Howard
Land, Jahr: USA 2015
Laufzeit: 151 Minuten
Genre: Western
Publikum: Ältere Jugendliche (FSK ab 16 Jahren), Erwachsene
Einschränkungen: G ++
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Auf einer Expedition wurde Hugh Glass von einer Bärin schwer verletzt. Die Expeditionsmitglieder rechneten mit seinem baldigen Tod und stellten ihm zwei Begleiter zur Seite. Diese ließen ihn jedoch zurück und flüchteten vor Indianern. Glass starb jedoch nicht. Mit einer ungeheuren Kraftanstrengung und angetrieben von dem Gedanken, die zwei Männer zu finden, die ihn zurückgelassen hatten, legte er auf Indianergebiet etwa 300 Kilometer bis zum nächsten bewohnten Ort zurück. Im Jahre 2002 publizierte Michael Punke den Roman „The Revenant: A Novel of Revenge“ (Deutsch: „Der Totgeglaubte“). Auf der Grundlage des Romans verfassten Mark L. Smith und Alejandro G. Inárritu das Drehbuch für den Spielfilm „The Revenant – Der Rückkehrer“, bei dem Inárritu Regie führt. Der mexikanische Regisseur konnte letztes Jahr mit „Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ vier Oscars, darunter für den „Besten Film“, gewinnen.

Eine Einführung skizziert als Rückblende die (fiktionale) Geschichte von Hugh Glass (Leonardo DiCaprio): Verheiratet mit einer Pawnee-Indianerin, konnte er mit dem gemeinsamen Sohn Hawk (Forrest Goodluck) einem Angriff der US-Armee entkommen. Diese von einer Off-Stimme unterlegten Bilder erinnern wie auch spätere Rückblenden stark an die Filme von Terrence Malick, insbesondere an „The Tree of Life“ (2011). Kein Wunder: Für die Bildgestaltung zeichnet der mexikanische Ausnahme-Kameramann Emmanuel Lubezki verantwortlich, der nicht nur den Filmen von Malick und Inárritu, sondern auch weiteren visuell außergewöhnlichen Filmwerken wie „Children of Men“ (2006) und „Gravity“ (2013) seinen Stempel aufgedrückt hat.

Was Lubezki mit der Kamera zu leisten imstande ist, zeigt er bereits in der nächsten Sequenz: Urplötzlich greifen Ree-Indianer eine Gruppe Pelzjäger an, die sich zum Fluss durchzuschlagen versuchen. Lubezki filmt aus der Mitte des Geschehens heraus. Aber er bietet keine hektischen, schnellen Schnitte. Im Gegenteil: Das ganze Gemetzel ist als eine einzige Plansequenz gefilmt, die dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, mittendrin zu sein. In einer Plansequenz dreht der mexikanische Kameramann ebenfalls die Schlüsselszene von „The Revenant – Der Rückkehrer“. Nachdem sich die Überlebenden zu ihrem Schiff durchgeschlagen haben, befiehlt der Anführer Andrew Henry (Domhnall Gleeson) anzulegen, denn das Schiff bietet eine leichte Zielscheibe für die Indianer. Widerwillig folgt John Fitzgerald (Tom Hardy) Henrys Anweisungen. Wie sich später herausstellt, wurde er von Indianern halb skalpiert und hegt seitdem einen besonderen Hass auf die „Rothäute“.

Als bester Kenner der Gegend soll Hugh Glass den Weg in Richtung Fort Kiowa am Grand River finden. Plötzlich taucht eine Grizzlybärin mit zwei Jungtieren auf. Die Bärin stürzt sich auf Glass, der angeknabbert, mit den Krallen traktiert und über den Boden geschleift wird. Ihm gelingt es aber, die Bärin mit einem Messer zu töten. Dies alles filmt Emmanuel Lubezki in einer minutenlangen, für den Zuschauer fast unerträglichen Plansequenz – sogar die Kameralinse wird vom Atem des Bären beschlagen. Alejandro G. Inárritus Film schildert, wie zwei Männer abgestellt werden, um Glass bis zu seinem sicheren Tod zu versorgen. Andrew Henry besteht darauf, dass Hugh Glass gut betreut wird und ein angemessenes Grab erhält. Doch John Fitzgerald hat etwas anderes im Sinn. Er täuscht dem anderen Begleiter, dem erst 19-jährigen Jim Bridger (Will Poulter), einen bevorstehenden Indianer-Angriff vor, um Glass zurückzulassen. Vorher tötet er aber auch noch Hawk, der ebenfalls bei seinem Vater bleiben wollte. Ohnmächtig sieht der schwerstverletzte Glass, wie sein Sohn ermordet wird und er selbst in ein bereits ausgehobenes Grab gelegt wird. Hugh Glass schafft es jedoch, aus dem Grab herauszukriechen. Langsam macht er sich auf den Weg zum Grand River.

„The Revenant – Der Rückkehrer“ besticht nicht nur durch die bereits erwähnte Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki und die teilweise ätherische, minimalistische Musik von Ryuichi Sakamoto und Alva Noto (Carsten Nicolai). Die Schauspieler stehen ebenfalls im Vordergrund. Denn Leonardo DiCaprio wird für die Rolle des Hugh Glass nach vier Oscarnominierungen beste Chancen für seinen ersten Oscar eingeräumt. Neben seiner durch den körperlichen Einsatz geprägten Rolle überzeugt insbesondere auch Tom Hardy als kaltblütiger Fitzgerald.

Neben der Haupthandlung fällt aber auch ein Nebenstrang mit der Suche des mächtigen Arikara-Kriegers Elk Dog (Duane Howard) nach seiner verschleppten Tochter Powaqa besonders auf. Denn in ihm verleiht Inárritu auch den einheimischen „Indianern“ ein Gesicht und eine dramatische Geschichte, die sich keinesfalls nur auf Seiten der Weißen abspielt. „Wir sind alle Wilde“ prangert ein Schild an einem aufgeknüpften Indianer. „The Revenant – Der Rückkehrer“ zeigt den „Wilden Westen“ mit eindringlichem, teilweise schaurigem Realismus.