Verantwortlicher Umgang mit dem Internet

Verantwortlicher Umgang mit dem Internet
Wertevermittlung, die beste Erziehung zur Eigenverantwortung auch im globalen Netz – wesentliches Ergebnis des „Safer Internet Day“ - „In Zukunft sollte die Grundschule nicht nur drei, sondern vier Grundfertigkeiten vermitteln: Lesen, Schreiben, Rechnen und Internetkompetenz“. Diese Forderung stellte Albrecht Bähr, ehrenamtlicher Vorsitzender der Versammlung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, am Dienstag in Berlin im Rahmen des „Safer Internet Day“, der von der zum Verbund der deutschen Partner im „Safer Internet Programm“ der Europäischen Union gehörenden Initiative „klicksafe“ veranstaltet wurde. Am Gespräch, das unter dem Motto „Verantwortung im Netz“ stattfand, nahmen darüber hinaus Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Kristina Schröder sowie Fernsehmoderator Jörg Pilawa und Schauspielerin Anneke Kim Sarnau.
von José García
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„Ein Alltag ohne Internet ist heute nicht mehr möglich. Das Internet besitzt gigantische Chancen, weshalb wir dankbar sein sollten, in dieser Zeit zu leben“, so Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Allerdings sollte damit verantwortungsvoll umgegangen werden. „Beim Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen mit dem Internet tragen alle Verantwortung – Unternehmen, Politik, Schule, Eltern aber auch jede und jeder Einzelne. Um Familien die Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen, die sie erwarten, müssen wir den Gegensatz von Eigenverantwortung und Schutz im Netz überwinden. Dafür setzen sich im Dialog Internet Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Jugendschutz ein“, so Kristina Schröder. Die wesentliche Aufgabe bestehe darin, die Kompetenz der Jugendlichen im Umgang mit dem Internet zu stärken. Verbote seien lediglich da angezeigt, wo Straftaten begangen würden, denn „das Internet ist kein rechtsfreier Raum“.

Foto: © J. García
Auf die Medienverantwortung von Jugendlichen und Eltern wies ebenfalls Albrecht Bähr hin. Verantwortung im Netz heiße, junge Menschen zu sensibilisieren, damit sie sich stets bewusst werden, was sie tun, wenn sie im Internet „unterwegs“ seien. Jörg Pilawa referierte aus seinen Erfahrungen mit dem Internetverhalten seines 14-jährigen Sohnes: „Unsere Kinder sind uns im Umgang mit dem Internet weit überlegen“. Wie sollte bei der Internet-Verfügbarkeit von 24 Stunden am Tag sieben Tage pro Woche der Konsum in den Griff zu bekommen sein? Die einzige Möglichkeit bestünde darin, die eigenen Kinder zur Eigenverantwortung zu erziehen. Aber diese Erziehung beginne weit vor dem Griff in die Computertastatur. Es gehe vielmehr darum, Grundwerte zu vermitteln. Dennoch müssten sich die Eltern mit dem Internet beschäftigen, wenn sie ihren Kindern helfen wollen.
Darin besteht jedoch laut der FIM-Studie (Familie, Interaktion & Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest und des SWR offensichtlich Nachholbedarf. Thomas Rathgeb, Leiter der Geschäftsstelle des Medienpädagogischen Forschungsverbundes, fasste die Ergebnisse dieser Studie zusammen, in der untersucht wurde, wie Familien hierzulande mit Medien umgehen und miteinander darüber kommunizieren: Etwa ein Drittel der Eltern unterhält sich mit den Kindern regelmäßig über Themen rund um Internet und Computer. Bezogen auf generelle Fragen zur Medienerziehung ihrer Kinder fühlt sich der Großteil der Eltern „etwas kompetent“ (60 Prozent), „weniger kompetent“ (14 Prozent) oder „gar nicht kompetent“ (5 Prozent). Nur 21 Prozent schätzen sich in diesem Bereich als „sehr kompetent“ ein.
Für Schauspielerin Anneke Kim Sarnau ist das Internet „ein Spiegel der Weltgesellschaft. Wenn die Menschen in der Gesellschaft respektvoll miteinander umgehen, wird ihr Umgang im Internet ebenfalls respektvoll sein“. Ihr pflichtete Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, bei: „Alle sprechen von Social Media. Doch wie lässt sich aus dem Internet ein tatsächlich soziales Medium machen, in dem zivilisiert und respektvoll miteinander umgegangen wird? Das geht nur zusammen und mit Vereinbarungen und Regeln, im Miteinander von Jung und Alt, von Menschen, die ständig ‚ON’ sind und solchen, die das Internet nur selten nutzen.“
Über die praktischen Schwierigkeiten, denen Kinder und Jugendliche im Umgang mit dem Internet begegnen, berichtete die 19-jährige Laura, die seit vier Jahren am Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ ehrenamtlich arbeitet. Die häufigsten Fragen drehen sich ihrer Einschätzung nach um Cybermobbing und Online-Spielsucht. Allerdings würden auch Jugendliche beispielsweise anrufen, wenn sich mit ihnen befreundete Mädchen zu freizügig im Internet zeigen würden. Antworten auf solche Fragen, aber auch Anregungen, wie Schüler, Eltern und
auch Lehrer selbst mehr Verantwortung im Netz übernehmen können, bietet die Initiative klicksafe unter www.klicksafe.de/Verantwortung.

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