Sorgt früher Schwimmunterricht für einen guten Start ins Leben?

Eltern, die ihren Kindern einen optimalen Start ins Leben ermöglichen wollen, werden die Ergebnisse einer Studie begeistern, die die Auswirkungen von Schwimmunterricht auf Kleinkinder untersucht.

von William West - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Erste Resultate dieser Studie mit insgesamt 7000 Kindern aus Australien, Neuseeland und den USA unter 5 Jahren belegen, dass frühe Schwimmer, im Vergleich zu anderen Kindern, schneller Fähigkeiten erwerben. Der Effekt wirkt sich auf physische, mentale, emotionale und geistige Bereiche der kindlichen Entwicklung aus.
Die Koordination der Forschung liegt in Händen des Instituts für Erziehungswissenschaften der Griffith University in Brisbane, Australien. Nach Aussage des Forschungsleiters, Professor Robyn Jorgensen, sind die erworbenen Fähigkeiten nützlich, den Kindern den Übergang in die formalen Lernsituationen von Vorschule und Schule zu erleichtern.
Die Forscher stellten signifikante Unterschiede zwischen den Kohorten der Schwimmer und der Nichtschwimmer, unabhängig von deren sozioökonomischer Herkunft, fest. Während die beiden sozioökonomisch höheren Gruppen der Schwimmer besser abschnitten, als die beiden Niedrigeren, waren doch die Ergebnisse aller Gruppen besser, als die der Nichtschwimmer.
Professor Jorgensen stellte fest, dass die Probanden neben dem schnelleren Erreichen körperlicher Entwicklungsstufen, auch bestimmte, visuell-motorische Fähigkeiten besser ausbildeten, wie Zuschneiden von Papier, Zeichnen von Linien und Figuren, Malen und mathematische Aufgaben. Ihr sprachlicher Ausdruck war ebenfalls besser, verbunden mit besseren allgemeinen Leistungen in Lesen, Schreiben und Rechnen. Viele dieser Fähigkeiten erweisen sich als äußerst wertvoll für das Lernen und kommen den Kindern beim Eintritt in Vorschule oder Schule enorm zugute, so Jorgensen.
Einer der Vorkämpfer der Studie, der Schwimmtrainer Lawrie Lawrence, sagte in einem Interview des The World Today-Programms der Australian Broadcasting Corporation, dass er sich an die Griffith University gewandt habe, weil er auf Grund seiner über 35jährigen Erfahrung als Schwimmlehrer von Kindern immer wieder feststellen konnte, dass der Nutzen des Schwimmunterrichts weit über das Schwimmen-lernen selbst hinausgeht. Er erklärt: „Babys kommen mit Abermilliarden Neuronen auf diese Welt, die stimuliert werden müssen, weil nur so lernen möglich ist. Die Stimulantien sind Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Berühren. Wasser ist ein perfektes Medium, um alle Sinne anzuregen; wenn ein Baby ins Wasser eingetaucht wird, ist sein ganzer Körper davon umschlossen und wenn man es durch das Wasser bewegt, erfährt es unterschiedliche Sinneseindrücke. Hinzu kommt, dass die Eltern dabei sind, mit ihm interagieren und reden, deshalb ist Wasser als Medium einfach perfekt“.
Professor Jorgensen fügt hinzu, dass Schwimmen gegenüber anderen kindlichen Aktivitäten besondere Vorteile hat:
„Was uns klar wurde, war, dass Kinder beim Schwimmunterricht zum ersten Mal mit formalen Anweisungen konfrontiert werden. So werden sie schon früh an schulische Situationen herangeführt, wo man ihnen sagt: setz dich, sieh mich an, hör zu, was ich dir sage, tu, was ich dir gesagt habe. Dies geschieht also viel früher, als z.B. beim Turnunterricht, wo Kinder bereits laufen, oder andere körperliche Fähigkeiten erworben haben müssen, wogegen Schwimmen für jede Entwicklungsstufe maßgeschneidert ist.
Es liegen noch nicht alle Forschungsergebnisse vor. Das Forscherteam beabsichtigt, insgesamt 10.000 Kinder aus Australien, Neuseeland und den USA in den kommenden vier Jahren einzubeziehen, deren Eltern zu befragen und die Kinder im Unterricht zu beobachten.
Lawrie Lawrence ist sich auf Grund seiner langjährigen Erfahrung sicher, dass die Studie belegen wird, dass Schwimmunterricht Kindern helfen kann, in jeder Hinsicht zu wachsen. Er zählt auf: „Sie fangen an, Farben zu erkennen, ebenso Zahlen, sie haben gemeinsame Erlebnisse mit anderen Kindern. Mit dem Erwerb solcher Fähigkeiten erfahren sie Selbstbestätigung und gewinnen Selbstvertrauen“.
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