Wie smart ist es, den Gebrauch von Smartphones in der Schule zu gestatten?

von Richard Murphy und Louis-Philippe Beland - ins Deutsch übertragen von Horst Niederehe
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Wie beeinflussen Smartphones in der Schule das Lernergebnis? Die Frage belebt eine andauernde Debatte in vielen Ländern. Einige fordern ein komplettes Verbot, andere setzen sich dafür ein, solche Geräte als Lernhilfe im Unterricht zuzulassen. Frage ist also: Sollten Schulen den Gebrauch von Smartphones erlauben?

Die Ansichten sind durchaus geteilt; einige Schulen erlauben den Gebrauch in engen Grenzen. Erst kürzlich hat der Bürgermeister von New York, De Blasio ein seit zehn Jahren bestehendes Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen auf Schulgelände aufgehoben, was der Kanzler der Schulbehörde mit der Bemerkung kommentierte, so würde Ungleichheit endlich reduziert.

Als Wissenschaftler der Erziehungsökonomie haben wir eine Studie erarbeitet mit dem Ziel, herauszufinden, welchen Einfluss ein Handyverbot auf Testergebnisse der Schüler in den folgenden Jahren hat. Wir fanden heraus, dass sich nicht nur allgemein die Leistungen der Schüler verbesserten, sondern gerade schwache und versetzungsgefährdete Schüler von einem Verbot am meisten profitieren. Der Gewinn aus einem Verbot ist vergleichbar mit einer Unterrichtsstunde pro Woche bzw. einer Verlängerung des Schuljahres um fünf Tage.

Verbesserung der Schülerleistung

Wir analysierten Handyverbote in England, wo diese Geräte bei Teenagern besonders populär sind. Dabei untersuchten wir die Schul-Richtlinien seit 2001 in vier Städten: Birmingham, London, Leicester und Manchester und verglichen sie mit den Daten der Testergebnisse der nationalen Examina.

Nachdem Schulen ein Handyverbot in Kraft gesetzt hatten, verbesserten sich die Testergebnisse bei 16jährigen Schülern im Mittel um 6.4%, dem Äquivalent von fünf Arbeitstagen eines Schuljahres.

Unsere Studie untersuchte Schüler in England, wo im Jahre 2012 90.3% der Teenager ein Smartphone besaßen. Die Ergebnisse dürften aber für die USA ebenso gültig sein, wo 73% der Teenager ein Handy nutzen.

Es ist wichtig festzuhalten, dass die Zuwächse besonders den schwächeren Schülern zugutekommen und wir nehmen an, dass eine Änderung der Vorschriften, mit dem Ziel einer Aufhebung des Handy-Verbots, möglicherweise das Lernverhalten verschlechtern und Lernunterschiede innerhalb einer Klasse verschärfen wird.

Die schwächsten Schüler profitieren von einem Verbot am meisten.

Der Zuwachs an Lernerfolg verdoppelte sich bei schwachen Schülern gegenüber dem Durchschnitt, wenn Smartphones aus dem Klassenraum verbannt waren. Auch konnte ein starker, positiver Einfluss bei den Schülern nachgewiesen werden, die spezielle Förderung benötigten oder berechtigt waren, kostenlos Schulverpflegung in Anspruch zu nehmen.

Hingegen verursachte ein Handyverbot bei Leistungsschülern keine nennenswerten Auswirkungen. Interessant ist auch, dass sich in der Gruppe der 14jährigen kaum Abweichungen zeigten, was wohl damit zu erklären ist, dass der Gebrauch von Handys in dieser Altersgruppe eher gering ist.

Auswirkungen auf Schülerleistung

Schulen in England genießen völlige Autonomie in Bezug auf Richtlinien zur Handynutzung. Dies führte zu großen Unterschieden, ob und wann Handyverbote ausgesprochen wurden. Diese Variabilität erleichterte uns die Arbeit an unserer Studie. Wir konnten die unterschiedlichen Implementierungs-Daten nutzen, um danach Änderungen in den Testergebnissen zu verfolgen.

2001 hatte noch keine der Schulen ein Verbot ausgesprochen. 2007 waren es bereits 50% und 2012 erlaubten 98% der Schulen keine Nutzung von Handys mehr auf dem Schulgelände - oder verpflichtete die Schüler zur Abgabe am Beginn des Schultages. Wir verglichen die Zuwächse bei den Testergebnissen vor und nach dem Verbot und zwar für jede einzelne Schule und über alle Schulen hinweg. Die uns zur Verfügung stehenden Daten gaben Auskunft über Schülerprofile wie Geschlecht, Berechtigung für kostenlose Schulspeisung, speziellen Förderungsbedarf und frühere Bildungsabschlüsse.

Schulische Richtlinien zu Smartphones

Es wird immer angenommen, dass der technische Fortschritt die Produktivität verbessert. Moderne Technologie wird im Klassenraum genutzt, um Schüler zu engagieren und ihre Leistung zu verbessern. Kehrseiten werden jedoch sichtbar, wenn die Technologie zur Ablenkung beiträgt.

Smartphones sind hierfür ein besonderes Beispiel, da sie den Schülern Zugriff auf Textnachrichten, Spiele, soziale Kommunikationsforen und das Internet bieten. Die Literaturübersicht in unserer Studie lässt erkennen, dass Smartphones im Unterricht keinen positiven Einfluss auf den Lernerfolg haben.

Wir sehen dies genauso, denn wir können belegen, dass Handys einen negativen Einfluss auf den Lernerfolg haben können. Die finanziellen Mittel, die Schulen aufwenden müssten, um durch längeren Unterricht - der kalkulatorischen Alternative zum Handyverbot- vergleichbare Lernerfolge zu erzielen, wären erheblich.

Die Ergebnisse schließen die Möglichkeit nicht aus, dass Smartphones und andere Medien für den Unterricht hilfreich sein können, wenn ihr Gebrauch vernünftig geregelt ist. Doch sollte das Vorhandensein von Handys in der Schule nicht einfach ignoriert werden.

Der Bürgermeister von New York hat mit der Begründung, Ungleichheiten beseitigen zu wollen, das Handyverbot an Schulen aufgehoben. Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass damit das genaue Gegenteil erreicht wird. Die Freigabe von Handys in Schulen würde den schwächsten Schülern und denen aus prekären Verhältnissen am meisten schaden.

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Richard Murphy ist außerordentlicher Professor für Ökonomie an der University of Texas at Austin. Louis-Philippe Beland ist außerordentlicher Professor für Ökonomie an der Louisiana State University . Dieser Beitrag wurde zuerst in The Conversation veröffentlicht.