Sommerferien: Ferienjobs, Lernen oder Faulenzen?

 Ferienjobs, Lernen oder Faulenzen?
Für die Schüler in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben die Ferien gerade begonnen. Baden-Württemberg und Bayern entlassen ihre Schüler als letzte Bundesländer in die Sommerferien. Damit liegen 6 Wochen ohne Schule vor den Kindern und Jugendlichen. Wie sollte diese Zeit für eine maximale Erholung, aber auch eine gute Vorbereitung auf das neue Schuljahr gestaltet werden?
von Bert Pfahl
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Ferienreisen ohne Stress

Glücklich sind diejenigen, für die Sommerferien mit einer Reise verbunden ist: mit den Eltern, zu Verwandten, mit anderen Jugendlichen oder sogar „auf eigene Faust“. Bei vielen wird die Dauer auf einen Teil der Ferien begrenzt sein. Das Erlebnis, das Neue und Unbekannte steht dabei am höchsten im Kurs, wie man aus den Erzählungen der Jugendlichen nach den Ferien unschwer entnehmen kann.
Nicht immer ist das auch gleich bedeutend mit sinnvoller Erholung, wenn die physischen Grenzen in den Ferien ausgetestet werden und damit eine neue, nicht mehr erholsame Stress-Situation erzeugt wird.
Andere können es sich nicht leisten, in Urlaub zu fahren. Wenn sie zu Hause bleiben, kann Stress durch Langeweile entstehen, wenn nicht für genügend Abwechslung gesorgt ist. An den meisten Orten werden Ferienprogramme für Kinder angeboten, die bei Sport und Spiel für den nötigen Ausgleich sorgen. Hier sind die Eltern gefordert, für ihre Kinder die entsprechenden Möglichkeiten zu suchen.
Ferienjobs, um sich etwas leisten zu können

Viele, vor allem ältere Jugendliche, suchen für die Ferien einen Job, mit dem sie möglichst viel Geld verdienen können, oft, um sich einen lange gehegten Wunsch erfüllen zu können: den neuesten Computer, ein standesgemäßes Gefährt (Fahrrad, Moped, Auto, je nach Alter), eine tolle Musikanlage etc.
So wichtig die Erfüllung des Wunsches auch für den einzelnen sein mag: jeder Schüler braucht auch die Ferien zur Erholung, um mit neuen Kräften seiner wichtigsten Aufgabe nachkommen zu können: Schüler zu sein, und zwar so gut wie möglich. Daher sollten Eltern versuchen, Einfluss darauf zu nehmen, dass es sich um eine Arbeit handelt, die nur wenige Stunden des Tages in Anspruch nimmt oder dass die Zeit eines Jobs nicht die gesamte Ferienzeit ausfüllt.
Lernen in den Ferien

Viele Eltern sehen die Ferienzeit als die große Chance an, dass ihre Kinder die Ferien nutzen, um versäumten Schulstoff nachzuholen, sich in einem Fach zu verbessern, Vokabeln zu lernen etc. Sie sollten sich dabei aber nicht von einem falschen Ehrgeiz packen lassen und nicht vergessen, dass Schule auch Arbeit ist und dass Schüler auch „Urlaub“ brauchen, wo sie einmal die Schule vergessen können.
Wenigstens der erste Teil der Ferien sollte daher ganz frei von schulischem Lernen sein. Ohnehin wird der Erfolg des Lernens davon abhängig sein, inwieweit ein Schüler entsprechend motiviert werden kann: durch Freunde, durch eine andere Art des Lernens, durch kleine Erfolgserlebnisse.
Es gibt gutes Anschauungsmaterial im Internet, aber auch bei Museumsbesuchen, z.B. für die naturwissenschaftlichen Fächer in technischen Museen, für leseschwache Schüler durch interessante Lektüre-Auswahl, für Schüler, die sich in einer Fremdsprache verbessern müssen, durch fremdsprachliche Filme oder Hörbücher. Alles das erinnert weniger an Schule und ist daher motivierender.
Hat sich ein Schüler entschieden (er sollte sich selbst dafür entscheiden!), sich einer Nachprüfung in der letzten Ferienwoche zu stellen, um doch noch seine Versetzung zu erreichen, dann wird es nicht ohne ein entsprechendes Lernprogramm gehen: eine nicht zu lange Zeit, aber möglichst jeden Tag etwas wiederholen. Ohnehin kommt dies nur für Schüler ab der Klasse 7 in Frage, „wenn in einem einzigen Fach durch die Verbesserung der Note von "mangelhaft" auf "ausreichend" die Versetzungsbedingungen erfüllt werden“, wie das Schulministerium NRW (und ähnlich die anderen Bundesländer) festgelegt hat.
Ferienzeit - Familienzeit

Es bleibt zu wünschen, dass viele Familien die Ferienzeit zu einer erholsamen, kreativen und entspannenden Zeit für Eltern und Kinder nutzen können. Nicht zuletzt hängt es davon ab, dass sich die Eltern viel Zeit nehmen, sich ihren Kindern, entsprechend deren je verschiedenen Bedürfnissen zu widmen. Ferien können den Zusammenhalt der Familie stärken, wenn sich jeder die Zeit nimmt - denn oft verbringen die Familien in den Ferien mehr Stunden am Tag miteinander -, auch mehr für den anderen da zu sein, sich mehr für ihn zu interessieren, auf die Wünsche des anderen einzugehen. Das wird dabei helfen, mit den kleinen und größeren Schwierigkeiten während des Jahres besser gemeinsam fertig zu werden.
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