Familien-Stabilität in „roten“ und „blauen“ Zonen der USA

von Carolyn Moynihan - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
---

Stabilität ist wichtig für heranwachsende Kinder und beide Eltern immer noch zu Hause zu haben, bedeutet für Teenager Stabilität. Was aber ist das Rezept für einen solchen Erfolg?

Die Ehe, da sind sich viele Forscher einig, bindet Paare stärker aneinander, als eine Beziehung ohne Trauschein, obwohl diese Form des Zusammenlebens immer häufiger praktiziert wird. So stellt sich die Frage, welcher Lebensentwurf junge Menschen dazu bewegt, zu heiraten und verheiratet zu bleiben.
Einige Sozialwissenschaftler in den USA sind dieser Frage nachgegangen und haben Korrelationen der Familienwerte in sog. „Roten Staaten“ (republikanisch, konservativ dominiert) und „blauen Staaten“ (demokratisch, progressiv dominiert) untersucht. Die Wissenschaftler halten das „rote“ Familienmodell für gescheitert, doch neue Analysen vom IFS, dem Institute for Family Studies belegen, dass bei einer Betrachtung beider Zonen in ihrer reinsten Form, „rot“ immer noch einen Vorsprung vor „blau“ verbuchen kann.

Die Autoren der IFS-Studie, Brad Wilcox und Nicolas Zill, stellen folgende Ergebnisse vor:

Die wohl umsichtigsten Befürworter aus der Riege der Sozialwissenschaftler, Naomi Cahn und June Carbone sind der Auffassung, dass das „rote“ Familien-Modell, welches vorehelichen Sex ablehnt, frühere Eheschließung befürwortet, Zugang zu Abtreibung beschränkt und das traditionelle Familienbild, mit dem Mann als Hauptverdiener, der Ehefrau als Hausfrau, im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemäß sei, nicht mehr funktioniere und darüber hinaus sogar destruktiv sein könne. Der Aspekt, dass es vergleichsweise hohe Scheidungsraten und Teen-Schwangerschaften gibt, diene als Beweis, dass das Familienmodell der „roten“ Staaten sich überlebt habe.

Cahn und Carbone sind überzeugt, wenn mehr Amerikaner den „blauen“ Vorstellungen sexueller und ökonomischer Autonomie folgen würden, sich in ihren Zwanzigern um eine gute Ausbildung und ihre berufliche Karriere kümmerten, Ehepläne auf ihre dreißiger Jahre verschöben -Kinder könne man ja dann noch immer bekommen-, es bessere Familien gäbe. Allgemein, so folgern sie, sei die „blaue“ Familie besser vorbereitet, in der modernen Ökonomie und Kultur zurechtzukommen und ihren Kindern eine genügend stabile Familienstruktur zu bieten, um ihre zukünftige Wohlfahrt zu sichern.

Wilcox und Zill nahmen an, dass ihre Daten für das „blaue“ Skript abgesichert waren, bis eine Analyse in der New York Times (im The Upshot Blog) belegte, dass in konservative Kreisen der USA die Wahrscheinlichkeit höher liegt, dass Kinder eines Tages heiraten. Es scheint, dass selbst wenn die „roten“ Staaten höhere Scheidungsraten zu verzeichnen haben, dennoch mehr Kinder in intakte Familien hineingeboren werden, was wiederum die Stabilität „roter“ Familien über die der „blauen“ erhebt.

Unter Verwendung von Daten einer Erhebung des Amtes für Bevölkerungsstatistik von 2008-2011 untersuchten Wilcox und Zill die Chancen von Teenagern, von Geburt an mit ihren verheirateten Eltern aufzuwachsen, und inwieweit die Ergebnisse zwischen republikanisch und demokratisch geprägten Staaten variierten.

Anstatt diese Staaten einfach als „rot“, oder „blau“ zu etikettieren, entwickelten sie einen Index für jeden Staat, der die Intensität von „roter“ und „blauer“ Prägung berücksichtigte. Einige waren violett. Die Farbgebung entsprach dem Anteil von Teenagern (15 bis 17), die seit ihrer Geburt bei ihren biologischen Eltern lebten. Der Anteil variierte von 32% in Mississippi bis 57% in Utah.

Heraus kam eine U-Kurve, die belegt, dass sowohl die „tiefroten“, wie auch die „tiefblauen“ Staaten die meisten Jugendlichen verzeichnen, die bei ihren verheirateten Eltern leben.

In Staaten, in denen die Republikaner gewöhnlich die Mehrheit haben, wie Utah, Nebraska, und Idaho, wachsen mehr Jugendliche mit ihren biologischen Eltern auf als im Durchschnitt, doch gilt dies auch für einige Staaten, die gewöhnlich Demokraten wählen, wie Massachusetts, Minnesota, und New Jersey.

Wo Teens häufiger, oder weniger häufig bei ihren verheirateten, biologischen Eltern aufwachsen 2008-2011 (helleres gelb bedeutet häufiger - dunkleres grün bedeutet weniger häufig).

---

---

Da man weiß, dass Bildungsstand und ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung Auswirkung auf die Familienstabilität haben, berücksichtigten die IFS-Wissenschaftler diese Parameter in ihren Daten mit folgendem Ergebnis:

Wie Cahn und Carbone voraussagten, findet man in „dunkelblauen“ Regionen wie New England einen hohen Anteil Teenager, die bei ihren Eltern aufwachsen; zum großen Teil, weil es dort Familien mit gutem Bildungsniveau einerseits und einem geringen Anteil an Minderheiten in der Bevölkerung gibt. Das gilt auch -in Grenzen- für Staaten im Nordosten und im mittleren Westen, wie Massachusetts und Minnesota.

„Dunkelrote“ Staaten, wie Utah und Nebraska weisen auch große Anteile von Teenagern auf, die bei ihren Eltern leben, obwohl die Bevölkerung in „roten“ Staaten oft ein niedrigeres Bildungsniveau als in „dunkelblauen“ Staaten aufweist. Doch hat diese Bevölkerungsgruppe oft feste traditionelle und religiöse Bindungen in Bezug auf Ehe und Kindererziehung. Hinzu kommt, dass die „dunkelroten“ Staaten relativ wenige Anteile an Minderheiten haben. Das Modell der „roten“ Staaten funktioniert recht gut im Westen und im Mittleren Westen.

Zwei Erkenntnisse

Unsere Analyse förderte zwei wichtige Erkenntnisse zutage.

1. Eine der Hauptursachen dafür, dass die „blauesten“ Staaten eine hohe Zahl Kinder in intakten Familien aufweisen, ist die, dass es dort eine große Zahl gut ausgebildeter Erwachsener gibt, die auch in diesen Tagen heiraten und verheiratet bleiben wollen.

2. Die Berücksichtigung von Erziehung einerseits und Rasse/ethnischen Wurzeln andererseits zwischen dem „rot“- Staaten Index und der familiären Struktur linearisiert die Kurve. Je „röter“ der Staat, umso wahrscheinlicher ist, dass ein Teenager mit seinen leiblichen, verheirateten Eltern aufwächst. Die Beziehung scheint zwar nur gering ausgeprägt, ist jedoch statistisch bedeutsam. Ein Anstieg des Index um 10 Punkte bedeutet, dass der Anteil solcher Teenager um 1% steigt. Dies belegt, dass die Familienkultur in den „roten“ Staaten bessere Chancen für Kinder bietet, in einer intakten Familie aufzuwachsen.

Mit anderen Worten: die Familienkultur in „roten“ Staaten ist gut für die Kinder, doch wird sie nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich gut gelebt. Dies führt zu Stabilität, wie andere Ergebnisse der IFS-Analyse untermauern:

Erwachsene sind eher in den „roten“ Staaten verheiratet, als in den „blauen“ und zwar noch eher, wenn sie einen College-Abschluss besitzen. Familienwerte plus Bildung bedeuten Stabilität, die beste Vorbedingung für Kinder, gesund aufzuwachsen.

Wie die „blauesten“ Staaten weisen auch die „rotesten“ niedrige Raten außerehelicher Geburten auf. In den „blauen“ Staaten liegt die Ursache dafür in der Erziehung, in den „roten“ Staaten in der Familienkultur.

Wilcox und Zill‘s Fazit:

Die gängige Meinung amerikanischer Wissenschaftler über die Familie lässt vermuten, dass das Familienmodell in „roten“ Staaten nicht geeignet ist, Kindern die notwendige Festigkeit zu vermitteln, die sie brauchen, um in der heutigen Welt zurechtzukommen. Doch wir stellen fest, dass die „rotesten“ Staaten der USA sogar mehr, keinesfalls weniger Voraussetzungen bieten, Kinder in einem stabilen Haushalt mit beiden Elternteilen zu erziehen, wenn alle anderen Parameter vergleichbar sind. Insofern Bewohner „blauer“ Staaten den Schwerpunkt auf Erziehung und Beruf legen und Familienbildung hintanstellen, wie Cahn und Carbone beschreiben, verbauen sie sich nicht die Wege zu stabilen Familien mit beiden Elternteilen.

Unsere Schlussfolgerung: Wenn man die verwirrenden Konturen politischer und familiärer Geographie zu verstehen sucht, wird klar, dass sowohl Erziehung als auch Bildung eine Rolle spielen. Das ist der Grund, weshalb sowohl die „blauesten“, als auch die „rotesten“ Staaten in Amerika die besten Werte der nationalen Familienstabilität aufweisen.

Eine andere Schlussfolgerung:

Lass‘ die Familienwerte nicht verkommen und sieh‘ zu, dass Du eine gute Bildung erwirbst.