Star Wars: Das Erwachen der Macht

von José García
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„Wir sind zu Hause“. Diese schlichten und zugleich emotionsgeladenen Worte, die in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ einer der alten Helden ausspricht, geben wahrscheinlich am ehesten die Empfindung wieder, die den Zuschauer in der nun angelaufenen Episode VII der Star Wars-Sage beschleicht. Das Gefühl, in eine vertraute Welt einzutauchen, stellt sich bereits ein, als der legendäre erste Satz „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“ in grüner Farbe auf der Leinwand erscheint, und erst recht, als der inzwischen ebenso berühmte, von der „Star Wars“-Fanfare untermalte Lauftext in steilem Winkel von unten nach oben durchs Bild läuft, bis er in einem entfernten Sternenhimmel wieder verschwindet.

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Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Oscar Isaac, Adam Driver, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Peter Mayhew, Max von Sydow
Land, Jahr: USA 2015
Laufzeit: 135 Minuten
Genre: Fantasy
Publikum: Jugendliche (FSK ab 12 Jahren), Erwachsene
Einschränkungen: Gewalt
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Dieser Einführungstext fasst die Vorgeschichte des Films zusammen. Sie ist in „Episode VII – Das Erwachen der Macht“ (im Original: „The Force Awakens“) besonders wichtig, weil zwischen dem Ende der „Original“-Trilogie Episode VI „Das Imperium schlägt zurück“ (1983) und der direkten Fortsetzung Episode VII „Das Erwachen der Macht“ mehr als drei Jahrzehnte liegen. Dies schlägt sich etwa auch in den gealterten Figuren nieder, die in der Original-Trilogie bereits im Mittelpunkt standen und nun auch eine kleinere oder größere Rolle in „Das Erwachen der Macht“ spielen. Sie werden aber von denselben, inzwischen um 32 Jahre gealterten Schauspielern dargestellt.

Dem Lauftextteppich entnimmt der Zuschauer, dass zwar das Imperium zugrunde ging, aber nun eine aus der Dunklen Seite der Macht hervorgegangene Organisation namens „Die Erste Ordnung“ künftig die Macht über das Universum an sich reißen will. Dagegen kämpft eine Gruppe, die sich nicht mehr „Rebellenallianz“, sondern einfach Widerstand nennt. Derweil ist Luke Skywalker seit Jahren verschwunden. Für viele ist er sogar so sehr eine Legende geworden, dass sich jemand aus der alten Garde dazu gezwungen sieht, einer jüngeren Heldin zu erklären: „Es ist wahr. Einfach alles. Die Dunkle Seite, die Jedi ... All das gibt es.“

Der Widerstand sieht Luke Skywalker als Schlüsselfigur im Kampf gegen den düsteren Obersten Anführer Snoke und seinen Stellvertreter, den mit Maske und Lichtschwert ausgestatteten Kylo Ren (Adam Driver), an. Um ihn zu finden, spielt eine wichtige Rolle die Karte, die der beste Pilot des Widerstandes Poe Dameron (Oscar Isaac) im kleinen Droiden BB-8 versteckt hat. BB-8 wird von der jungen Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) aufgelesen, die sich zusammen mit dem desertierten Erste Ordnung-Soldaten Finn (John Boyega) auf die Suche nach dem Widerstand macht, um die wichtige Landkarte zu übergeben.

Dies alles klingt vertraut, denn nach demselben Muster beginnt auch der erste Film aus dem Star Wars-Universum, das damals noch „Krieg der Sterne“ (1977) hieß. Obwohl „Das Erwachen der Macht“ der erste Film aus der Saga ist, der ohne Beteiligung von deren Erfinder George Lucas entstand, folgt die Dramaturgie der Episode VII dem bewährten Muster. Regisseur J. J. Abrams sowie seine Mit-Drehbuchautoren Lawrence Kasdan – der bereits an den Episoden V und VI „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) beteiligt war – und Michael Arndt bleiben der Vorlage treu. Sie erfinden zwar neue Figuren, die mit den bereits bekannten Veteranen sehr gut harmonieren. Aber nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Kamerafahren, die Einstellungen, ja sogar die Lichtschwert-Kämpfe und der Humor sind sehr nah an der Original-Trilogie – beinahe zu nah, was dem Film als Schwäche angelastet werden könnte.

Einen wesentlichen Anteil am Gelingen der Verknüpfung zwischen Altem und Neuem hat Komponist John Williams. Dem inzwischen fast 84-jährigen John Williams, der den absoluten Rekord in Oscar-Nominierungen hält (41, davon fünf Oscars) und wohl zu den meist gehörten Komponisten aller Zeiten zählt, gelingt es erneut, die Star Wars-Filmmusik mit ihrem hohen Wiedererkennungswert zu variieren und weiterzuentwickeln. Die grandiose Mischung aus Altbewährtem und Neuem im Soundtrack gehört zweifelsohne zu den am meisten gelungenen Aspekten von „Das Erwachen der Macht“.

Dies alles liegt von der zweiten Star-Wars-Trilogie „Die dunkle Bedrohung“ (Episode I, 1999), „Angriff der Klonkrieger“ (Episode II, 2002) und „Die Rache der Sith“ (Episode III, 2005) meilenweit entfernt, deren Handlung vor den Ereignissen der Originaltrilogie lag und deshalb als „Prequel“-Trilogie bekannt ist. Obwohl sie die begrüßenswerte Aufgabe übernahmen, zu erzählen, wie Anakyn Skywalker „der dunklen Seite der Macht“ verfiel, ließen diese Filme durch ihre bombastischen, ausschließlich am Computer erzeugten Schauplätze den Charakteren kaum Platz zur Entfaltung.

Darüber hinaus zeichnete sich die „Prequel“-Trilogie durch eine diffuse Esoterik aus. Davon ist in „Episode VII“ kaum etwas erhalten geblieben. Das Star-Wars-Universum ist eindeutiger als in den Episoden I bis III und ähnlich der ursprünglichen Trilogie ein moralisches Universum: Gut und Böse sind klar unterschieden. Die Helden werden versucht, der guten Seite zu entsagen – diese Versuchung stand zugegebenermaßen auch im Mittelpunkt der „Prequel“-Trilogie – und der dunklen Seite zu verfallen. Auf der einen Seite herrscht Rache, Egoismus, Machtstreben. Auf der anderen Seite Freundschaft, Hingabe, Liebe. Im neuen Film sind solche Werte und Konflikte gegenwärtig. Und vor allem auch ein immer wiederkehrendes Thema: Eltern- und genauer Vaterschaft. Nicht umsonst wurde der zu Darth Vader mutierte Anakyn durch einen Akt der Hingabe seines Sohnes Luke erlöst. Die Transzendenz, die in der ursprünglichen Trilogie etwa präsent ist, wenn Luke Yoda, Obi Wan-Kenobi und zuletzt auch seinen Vater in einer verklärten, jenseitigen Gestalt sieht, kehrt in „Das Erwachen der Macht“ insbesondere in einer kurzen Szene zurück, als eine Figur den gestorbenen Freund mit den Worten verabschiedet: „Wir werden uns wiedersehen – ich glaube fest daran.“

„Das Erwachen der Macht“ hat bereits angefangen, neue Kassenrekorde aufzustellen. So ist Star Wars Episode VII der erste Film überhaupt, der in den Vereinigten Staaten am ersten Tag die 100 Millionen-Grenze brach: Mit 120,5 Millionen Dollar übertraf er den bisherigen Rekordstart von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 2“ aus dem Jahre 2011 (91,1 Mio.) um mehr als 30 Prozent. In filmhistorischer Hinsicht wird er allerdings kaum die gleiche Bedeutung der ursprünglichen Trilogie haben.

Denn als 1977 der erste Star Wars-Film das Licht der Kinos erblickte, stand er in völligem Gegensatz zum Kino-Mainstream. Die erfolgreichsten und bis heute bekanntesten Spielfilm aus dem Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre – von „Bonnie and Clyde“ (1967) und „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) über „French Connection“ (1971) und „Der Pate“ (1972) bis „Network“ (1976) – zeichneten sich durch eine nihilistische, zynische Grundeinstellung aus.

Es waren George Lucas und Steven Spielberg, die mit „Krieg der Sterne“ (1977) und „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) klassische Helden- und Abenteuergeschichten wieder populär machten, in denen auf beinah naive Weise zwischen Gut und Böse unterschieden wurde, und damit den Hollywoodfilm aus der Nihilismus-Sackgasse herausführten. Darin liegt der Beitrag der zwei „Wunderkinder“ Hollywoods zur Filmgeschichte, nicht nur in den von Lucasfilm Ltd. eingeführten technischen Neuerungen, die freilich erheblich waren und das Kino bis heute beeinflussen.

„Star Wars“ folgt der klassischen Erzählung vom immer wiederkehrenden Kampf zwischen Gut und Böse, die etwa mit „Der Herr der Ringe“ vieles gemeinsam hat. Nicht nur in der Figurenkonstellation Gandalf–Frodo–Aragorn, die sich in Obi Wan-Kenobi, Luke und Han Solo widerspiegelt, sondern etwa auch in dem Grundgedanken, dass die Mächtigen eher für die Verlockungen des Bösen anfällig sind. Deshalb wird „Der Ring“ einem Hobbit anvertraut. Die Entsprechung findet sich in dem Bauernjungen Luke zu Beginn der Star-Wars-Saga und aktuell in der jungen Schrottsammlerin Rey in „Episode VII“, von der zu vermuten ist, dass sie in den nächsten Episoden der „Sequel“-Trilogie weiterhin eine herausragende Rolle spielen wird. Dass die hinter dem „Star Wars“-Universum stehende Gedankenwelt weit über einen bloßen Unterhaltungswert hinausreicht, stellte kürzlich etwa auch das „Philosophie Magazin“ fest. Der Zuschauer darf jedenfalls darauf gespannt sein, wie sich die Fortsetzungen in diese Welt in einer „weit, weit entfernten Galaxis“ einfügen.