Steve Jobs erlaubte seinen Kindern keine iPads

von Tamara El-Rahi - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Wir sehen es immer wieder: Eltern, die ihr Smartphone, oder Tablet dazu nutzen, ihr Baby schnell mal abzulenken. Kleinkinder, die noch bevor sie ordentlich sprechen können, schon die Wischbewegungen drauf haben. Kinder, die mit Familie und Freunden unterwegs sind und nicht von ihrem Videogame lassen können. Teens, für die die reale Welt nicht halb so anziehend ist, wie das, was sie auf ihrem kleinen Display durchscrollen.

Letzte Woche las ich einen Artikel , in dem die Psychologin Sue Palmer auf die Gefahren für Jugendliche hinwies, die Sklaven ihrer Smartphones werden. Sie publizierte schon vor zehn Jahren zu diesem Thema ein Buch, als niemand darin, anders als heute, ein ernsthaftes Problem sah. Im Mittel verbringen Kinder heute etwa sechs Stunden damit, auf Bildschirme zu starren, oft sogar auf mehr als einen, wenn sie z.B. auf dem Tablet spielen, während sie fernsehen.

Natürlich sind Smartphones, Tablets, etc. praktisch und nützlich. Doch birgt eine zu intensive Nutzung im Kindesalter Gefahren, die sich oft noch bei Erwachsenen negativ auswirken, weshalb es sinnvoll ist, Kinder Mäßigung zu lehren, solange sie noch jung sind.

Was wir heute wissen ist: Immer mehr Kinder sind übergewichtig oder beginnen ihre Schulkarriere mit schlechter Koordination, da sie sich immer weniger bewegen. Es werden immer häufiger Medikamente gegen Aufmerksamkeitsstörungen verordnet und man stellt fest, dass das Aggressionspotenzial unter den Kindern sich vergrößert hat, letzteres wohl eine Reaktion auf die Erfahrung der Kinder, Updates oder Inhalte sofort auf dem Bildschirm serviert zu bekommen. Kinder entwickeln ein immer schlechteres Sozialverhalten; woher sollen sie auch die Zeit nehmen, von ihrem Bildschirm aufzuschauen und mit anderen zu kommunizieren? Sie geraten leicht in Depressionen und sind oft viel zu abgelenkt, um sich ernsthaft ihren Schularbeiten zu widmen.

Eine der schlimmsten Auswirkungen ist jedoch nach meiner eigenen Beobachtung die, dass die Kinder nicht mehr den Augenblick zu genießen wissen. Sie freuen sich, wenn man sie zu einem Eis einlädt, doch wenn sie dann wählen sollen, beklagen sie sich, dass es nicht genug Sorten gibt, oder ihre Lieblingssorten nicht angeboten werden und es übrigens ein viel zu kalter Tag für Eis ist. Teens und junge Erwachsene sind oft so beschäftigt, das ihnen vorgesetzte Essen zu fotografieren und dabei den richtigen Blickwinkel zu treffen, sodass das Essen selbst eher zur Nebensache verkommt und sie nicht in der Lage sind, ein schönes Mahl gemeinsam mit ihrer Begleitung zu genießen. Wirklich traurig, besonders, wenn man bedenkt, dass Glück aus dem Genuss des Augenblicks erwächst. Ich möchte diese Trends nicht einfach verurteilen, wir sollten besser unser Augenmerk darauf lenken, wie dem exzessiven Gebrauch der Geräte durch die eigenen Kinder, oder die von Freunden begegnet werden kann. Hier meine Meinung:

Keine Bildschirm-Zeit für Kinder unter 2 Jahren: Die American Academy of Paediatrics (Kinderärzte) empfiehlt, Kindern unter 2 Jahren keine Zeit vor dem Bildschirm zu gestatten, Kindern über 2 Jahren maximal 2 Stunden pro Tag. Es ist natürlich schwer, sicherzustellen, dass jeder Bekannte oder Verwandte bei denen Kinder evtl. zu Besuch sind, oder verwahrt werden, sich daran hält und ich habe auch nichts dagegen, dass Kinder -mit Maßen!- fernsehen. Doch würde ich darauf bestehen, dass Kinder unter 2 Jahren auf keinen Fall zu Hause mit Smartphones oder Tablets spielen.

Phantasievolle Spiele fördern: Ich selbst habe wunderbare Erinnerung an meine Kindheit, die frei von Smartphones war. Wir wurden animiert, mit unseren Spielsachen nach draußen zu gehen und dort zu spielen, was unsere Kreativität wirklich herausforderte. Uns kam nie in den Sinn, über Langeweile zu klagen, denn es spielten immer Geschwister, Verwandte und Freunde mit.

Zeit mit der Familie: Gemeinsame Zeit mit den Kindern wird sie dazu führen, Menschen mehr als Smartphones zu schätzen. Familien-Mahlzeiten ohne solche Geräte verbessern die Qualität der Unterhaltung. Gemeinsame Aktivitäten, wie Aufräumen der Garage, oder Wochenendausflüge geben Raum für fruchtbaren Gedankenaustausch innerhalb der Familie. Kinder sollten angehalten werden, an ernsthaften Gesprächen teilzunehmen und zu lernen, anderen zuzuhören. Meine Eltern haben seit einiger Zeit ein Telefon-Körbchen im Wohnzimmer platziert, in das alle Familienmitglieder, die zu Besuch kommen, ihre Smartphones legen können. So bleibt die Unterhaltung ungestört und niemand kommt auf den Gedanken ständig zu schauen, ob vielleicht neue Nachrichten angekommen sind. Eine gute Idee!

Technikfreies Spielzeug: Sie haben vielleicht selbst keine Kinder, doch können sie dennoch Einfluss auf die Kinder von Verwandten und Bekannten nehmen. Wenn Sie Geschenke zu deren Geburtstag, oder anderen Festen kaufen wollen, wählen sie solche, mit denen man wirklich spielen kann und die die Phantasie beflügeln - ein Planschbecken, einen Malkasten, oder ein gutes, passendes Buch.

Manchmal scheint es, als seien die Ratschläge der Wissenschaftler ein wenig übertrieben und wir sollten uns keine Sorgen machen, nach dem Motto: „Die Kids werden schon gut geraten“. Doch ich denke, es wird gut sein, sich ein paar Gedanken zu machen; so können wir der nächsten Generation helfen, die rechte Balance zwischen nützlichem Gebrauch von und Versklavung durch Smartphones, Tablets und Gamekonsolen zu finden.